Museum Ikob: Von der Kunst in der Corona-Zeit

Für Museen sind es erstaunliche Zeiten. Während man im Supermarkt ohne Mundschutzmaske Brot, Obst und Gemüse anfassen und anatmen darf, muss man den Museumsbesuch vorab buchen und eine Mundschutzmaske tragen, auch wenn man Kunstwerke ohnehin nicht anfassen darf. Wie das Museum für Zeitgenössische Kunst Ikob sich auf die Corona-Maßnahmen eingestellt hat, hat uns Museumsdirektor Frank-Thorsten Moll erklärt.

Ikob

Bild: Manuel Zimmermann/BRF

Besonders vergnüglich waren die letzten Monate nicht, erklärt Ikob-Direktor Frank-Thorsten Moll: „Wie alle mussten wir nachdenken, ob das, was wir tun, in den Zeiten von Corona noch opportun oder möglich ist. Natürlich ist es nicht möglich, große Veranstaltungen zu machen. Deswegen haben wir das ganze Programm umgestellt. Das war natürlich ärgerlich, weil wir es schon lange geplant hatten. Wir haben die aktuelle Ausstellung „Unter gewissen Umständen“ genannt, weil wir eben unter anderen Umständen gezwungen waren, anders zu denken. Unsere Philosophie lautet jetzt: Mehr – aber kleiner.“

Zu den Umständen zählt auch, dass ein Museum nicht mit Geld um sich schmeißen kann. Konkret heißt das, dass man eher nicht versucht, die bekanntesten und typischsten Werke eines Künstlers zu sammeln. So zum Beispiel die „Landschaft auf braunem Karton“ von Andrea Lehnert. Ein für die Malerin untypisches Werk, weil sie normalerweise auf Leinwand malt. Werke, die das Museum oft zu Freundschaftspreisen oder fast geschenkt erhält.

Aber das Schicksal teile man auch mit fast allen Museen, sagt Ikob-Direktor Moll: „Die Kunst und Kultur sind gerade eine große Leidensgemeinschaft. Künstler haben immer ein offenes Ohr, wenn es darum geht, dass ein Werk in die Sammlung eines Museums kommen könnte, aber die Museen es sich eigentlich nicht leisten können. Das ist kein Privileg von kleinen Museen. Das Problem haben auch große städtische Museen in Deutschland, Frankreich und Belgien. Ankaufetats gehen immer gegen Null. Und da muss man immer kreativ werden. Häufig schließt man Allianzen mit Sammlern, die viel Geld haben, aber keinen Platz. So haben auch wir Leihgaben von Sammlern.“

Die aktuelle Ausstellung ist übrigens sehr euregional gefärbt. Das Ikob zeigt einen typischen Querschnitt der eigenen Sammlung. Nicht ohne Stolz: „Das ist auch das Schöne hier. Wir sind eines der wenigen belgischen Museen, die sich erlauben können, Flamen, Wallonen und Ostbelgier zu sammeln. Und zwar relativ paritätisch und gleichberechtigt“, erklärt Moll.

Die aktuelle Ausstellung zeigt das Ikob bis zum 1. November. Parallel dazu wird es in den kommenden Monaten aber eine ganze Reihe von Mini-Ausstellungen geben. Die Informationen dazu findet man auf der Internetseite des Ikob.

Manuel Zimmermann