Es kommt häufiger vor, dass die Generation der Enkel oder Urenkel sich auf Spurensuche begibt nach der Geschichte ihrer Familie während des Krieges. Hin und wieder geschieht das auch über die Sprachgrenzen hinweg wie im Fall von Ronald Goffart und seiner Großmutter Lily aus Malmedy, deren Geschichte nun wieder neu aufgelegt wurde.
Eine filmische Annäherung an die eigene Familiengeschichte hat der aus Lüttich stammende Julien Kartheuser unternommen. Er interessierte sich für die Geschichte seines an der Ostfront vermissten Urgroßvaters und für den Herkunftsort seiner Familie: für Recht. "Letztendlich war das eine große Recherche - für mich, für meine Familie natürlich, aber auch tatsächlich in Verbindung mit dieser Region, die ich überhaupt nicht kannte. Ich wusste immer, dass meine Familie aus Recht kommt. In der Nähe von St. Vith. Dass man da auch Deutsch redet. Aber mehr wusste ich überhaupt nicht. Erst mit 18 habe ich mich damit beschäftigt."
Exemplarisch wurde für Julien Kartheuser das alte "Backes", das Backhaus, das zum Hof der Familie gehörte und dem Film seinen Namen gab. "Im Backes ist ein Keller, ein Kartoffelkeller. Kartoffeln sind für meinen Opa ultra wichtig. Die habe ich auch immer gegessen. Ich wusste, dass die Kartoffeln da gelagert sind, aber ich wusste nie, was da passiert ist: Während des Krieges wurde der Keller genutzt, um sich zu verstecken, um sich zu schützen."
Julien Kartheuser hat auf seiner Spurensuche viele Gespräche mit Verwandten geführt, in Familienalben geblättert, Feldpost gesichtet - immer die Kamera im Anschlag. Er hat auch in Archiven gestöbert, mit der fachlichen Unterstützung des Historikers Philippe Beck. Er ist auch nach Lettland gereist, wo sein Urgroßvater als Soldat an der Ostfront als "vermisst" gemeldet wurde. "Das sind zwei Ebenen: sehr familiär, sehr persönlich, sehr abstrakt und subjektiv und dann gleichzeitig sehr konkret, sehr faktuell. Die zwei ernähren sich eigentlich, weil nichts ist schwarz oder weiß, alles ist deutlich subtiler und ich denke, mit dem Film habe ich dann beide Ebenen gut recherchiert. Auf jeden Fall."

Vorpremiere in Lüttich
Nach sechs Jahren Recherche, Drehs und Postproduktion ist der Film "endlich fertig", wie er sagt - und kann er damit an die Öffentlichkeit: zuerst mit einer Vorpremiere am kommenden Dienstag, dem 8. April, um 20 Uhr im Cinéma Le Parc in Lüttich. "Ganz viele Menschen aus Lüttich zum Beispiel oder aus dieser französischsprachigen Zone wissen wenig über Ostbelgien. Mein Ziel war auf jeden Fall, ein französischsprachiges Publikum in die Richtung zu bringen, um mehr über die Region und was da passiert ist zu wissen."
Der Film wechselt zwischen beiden Sprachen hin und her, Deutsch und Französisch, jeweils versehen mit Untertiteln. Am 1. Juni wird er auch im Kino Corso in St. Vith gezeigt.
Stephan Pesch