Auch diesmal geht es um eine Serie von Verbrechen, und zwar in den Sphären der europäischen Politik. Das kommt nicht von ungefähr, denn Dominique Elsaesser (ein Pseudonym) kennt das Milieu nur allzu gut. "Ich bin hier bei einer der EU-Institutionen tätig und nutze ein bisschen von meinem Insiderwissen. Die Konstruktion, das Innere, die Mechanik, die könnte so sein, aber die Figuren und die Abläufe sind natürlich alle frei erfunden."
Es gibt auch diesmal mehrere Erzählstränge - mit Brüssel, dem Herz der Europäischen Union, als Kulisse. So ermittelt Inspektor Marcel Vermeylen nach dem Mord an einer Kroatin, einer Bulgarin und einer Rumänin unter anderem im Berlaymont, dem Hauptsitz der Europäischen Kommission. "Da lasse ich ihn teilhaben an Meetings, die nicht genauso, aber doch von der Art her stattfinden könnten", sagt Insider Dominique Elsaesser. "Ich gehe auch auf einige Sachen ein, die dem Leser nicht so geläufig sind, wie zum Beispiel das Sprachenproblem, wenn sich halt auf einmal in einem Raum Leute aus allen Mitgliedsstaaten treffen und alle irgendwie miteinander kommunizieren müssen."
Diffuse Europabetroffenheit
Ohne zu viel verraten zu wollen, geht es im Wesentlichen auch um die Frage, wie die ja durchaus vorhandenen Segnungen der europäischen Politik in ihren letzten Auswirkungen auf dem Terrain erfahren werden.
"Es gibt ja immer eine diffuse Europabetroffenheit für jeden Menschen, der in der Europäischen Union lebt, demgegenüber ist aber diese bürokratische Komplexität, die man eben auch nur sehr schwer vermitteln kann."
Stromae gibt mit "Ta fëte" den Takt vor
Im ersten Brüssel Krimi von Dominique Elsaesser ("Spicy Files") bestimmten die Chansons von Jacques Brel den "Soundtrack". Diesmal gibt Stromae den mörderischen Takt vor. "Stromae hat sich angeboten, weil er Brüsseler ist und von vielen, die davon noch mehr verstehen als ich, als Erbe von Jacques Brel gesehen wird, weil er nicht nur ein unglaublich begnadeter Musiker ist, sondern auch diese lyrische Qualität in seinen Texten hat."
Wie schon im ersten Band gibt es am Ende auch diesmal eine Art Cliffhanger, der auf eine Fortsetzung hoffen lässt. "Ja, die "Secret Files" werden die heißen, die sind jetzt in der Fabrik. Die werden derzeit lektoriert und wenn alles gut läuft, könnten die noch vor Weihnachten rauskommen."
Erschienen ist der Brüssel-Krimi "Bloody Files" von Dominique Elsaesser wie der Vorgänger im Umland-Verlag.
Stephan Pesch