Massaker von Wereth Thema des neuen „Airborne 44“-Comics

Am Donnerstag jährt sich zum 76. Mal das Massaker von Wereth. Dort wurden 1944 elf afro-amerikanische Soldaten von der SS gefoltert und getötet. Anfang nächsten Jahres soll der neunte Comic der Airborne 44-Reihe erscheinen.

Zahnbürste, Föhn, Stift oder Pinsel – all das gehört zum Inventar von Philippe Jarbinet. Der in Verviers lebende Comiczeichner steht kurz vor der Fertigstellung des neunten Bandes seiner „Airborne 44“-Reihe. In dieser thematisiert er immer wieder verschiedene Episoden aus dem Zweiten Weltkrieg. „Die Airborne-Geschichten sind zum Teil Rückblenden. Ich zeige eine Situation, die neugierig macht, die auch mich neugierig macht. Und dann stelle ich mir die Frage, wie bin ich hierher gekommen. Wen sieht man auf der Seite, wo ist man? Es macht mir Spaß, eine Erzählung zu schaffen, das gefällt mir wirklich sehr gut.“

„Black Boys“ lautet der Titel des neuen Comics. Einerseits geht es um das 551. Fallschirmjäger-Infanterie-Regiment, auf der anderen Seite stehen die elf afroamerikanischen Soldaten, die am 17. Dezember 1944 in Wereth von der SS gefoltert und hingerichtet wurden. „Ich wollte schon seit drei Jahren an der Geschichte des 551. Regiments arbeiten. Und die Schwarzen, die in Wereth getötet wurden, daran wollte ich seit zwölf Jahren arbeiten“, erzählt Jarbinet. „Ich wollte also die beiden Geschichten zusammenbringen, da ich weiß, dass es sich um zwei Einheiten handelt, die hier ein Martyrium erlitten haben. Der zweite Grund, warum es mich interessiert hat, war, dass es lokal ist.“

Die Geschichten spielen somit ganz in der Nähe, nämlich in Wereth und Rochelinval bei Trois-Ponts. Der direkte Bezug liegt dem 55-jährigen Zeichner, auch wenn die Recherche dieses mal durch Corona etwas eingeschränkt war. Trotzdem hat Philippe Jarbinet sich auf verschiedene Quellen basiert, um unter anderem die Geschichte der elf getöteten afroamerikanischen Soldaten nachzuerzählen.

Die thematische Auswahl ist für Philippe Jarbinet immer auch ein Mittel, Parallelen zur heutigen Gesellschaft zu ziehen. „Mich und viele andere hat der hemmungslose Rassismus unter Präsident Trump aufgeregt. Meiner Meinung nach war das hier wirklich ein Moment, eine Art Statement abzugeben. Ich habe noch nie einen Comic gemacht, der nicht auf eine bestimmte Art und Weise mit aktuellen Ereignissen zu tun hatte.“

In früheren Comics waren es beispielsweise finanzielle Krisen, die Vergangenheit und das Jetzt miteinander verknüpften. Nun ist es die Geschichte um das Massaker in Wereth, die zum Nachdenken über Rassismus in der heutigen Gesellschaft anregen soll. Dabei spielt historische Präzision für den Comiczeichner eine große und wichtige Rolle. Diese Präzision geht für Philippe Jarbinet bis ins Detail. „Das Einzige, was anders ist, ist, dass es gewisse Teile der Uniform gab, die eine bestimmte Farbe hatten. Aber das habe ich noch nicht koloriert. Das darf ich aber nicht vergessen, denn falls ich das vergesse, merken das die Leute, die sich mit Uniformen auskennen, direkt.“

Im April 2021 soll „Black Boys“ erscheinen. Einen zehnten Band von „Airborne 44“ wird es ebenfalls geben. Dieser wurde für 2022 angekündigt.

vedia/al