„Sand im Getriebe“: Comic über ostbelgische Geschichte

Christian Sand war als Spion mit verschiedenen Decknamen in Ostbelgien unterwegs. Nun ist er Hauptfigur eines Comics. Der Titel: "Sand im Getriebe".

Christophe Schommer und René Heinen, die beiden ostbelgischen Macher des Comics (Bild: Andreas Lejeune:/BRF)

Christophe Schommer und René Heinen, die beiden ostbelgischen Macher des Comics (Bild: Andreas Lejeune:/BRF)

Herman Baltia sollte nach dem ersten Weltkrieg dafür sorgen, dass die Kreise Eupen und Malmedy möglichst reibungslos an Belgien angegliedert werden. Genau hier verkehrte vor hundert Jahren auch Christian Sand, Protagonist des Comics „Sand im Getriebe“, wie Christophe Schommer, Autor des Comics, berichtet: „Christian Sand war quasi ein Doppelagent. Er hat für Belgien pro-deutsche Aktivisten aufspüren sollen und die denunzieren müssen. Er hat da einige Tricks angewandt, um denen auf die Schliche zu kommen.“

Die Bevölkerung der Kreise Eupen-Malmedy war zerrissen. Äußerte sich jemand als pro-deutsch, so riskierte er Ächtung und Abschiebung. Genau diese Zerrissenheit nutzte Christian Sand damals aus und zog daraus seinen eigenen Vorteil. Dabei spielte er ein doppeltes Spiel, das im Mittelpunkt der knapp 70 Seiten langen Story steht. Diese hat für René Heinen, Zeichner der Figuren, durchaus Hand und Fuß: „Die Vorstellungen waren schon relativ konkret. Man hat uns ein Buch gezeigt über Christian Sand, das der selbst verfasst hatte. Die ganze Geschichte basiert auch teilweise natürlich auf seinen eigenen Erzählungen. Wir haben das Ganze dann nur in eine andere Rahmenhandlung verpackt, um es etwas einfacher verdaulich zu gestalten.“

Mit dem gesammelten Material hätten gleich mehrere Comics gefüllt werden können, betonen Schommer und Heinen: „Wir haben ziemlich viel Material zusammengetragen, auch vom ZVS und ZOG bekommen und da musste man schon irgendwo schauen, was überhaupt in die Geschichte reinpasste, damit das alles rund wurde.“

Diese runde Geschichte haben Christophe Schommer und René Heinen nun zu Papier gebracht. Doch nicht nur die Handlung basiert auf historischen Dokumenten, auch die Illustrationen von René Heinen orientieren sich an alten Postkarten oder Fotografien: „Einfach so drauf loszeichnen geht leider nicht in so einem Fall. Manchmal geht es gut, aber im Großen und Ganzen muss man immer Dokumentationen haben. In diesem Fall hatten wir das Glück, dass der ZVS da war. Sie hatten altes Archiv-Material, das ich dann verwenden konnte.“

Gut zwei Jahre an Arbeit liegen hinter den beiden – Corona-Verzögerungen inklusive. Doch die Mühe hat sich gelohnt, schließlich erscheint der Comic pünktlich zum 100. Geburtstag Ostbelgiens: „Wir haben beide noch genug anderes zu tun. Deshalb haben wir wirklich diese beiden Jahre alles, was wir an Freizeit hatten, in den Comic gesteckt“, so René Heinen.

„Sand im Getriebe“ erzählt eine spannende und trotzdem kurzweilige Geschichte. Gespickt ist diese mit Detailreichtum und Referenzen, die vor allem den hiesigen Leser ab und an aufhorchen lassen werden. Laut Christophe Schommer richtet sich der Comic an Kinder „ab zwölf Jahre, und nach oben ist keine Grenze.“

Auch hier wird der Leser nicht die komplette Wahrheit über den Spion Christian Sand erfahren. Das ein oder andere bleibt der eigenen Vorstellung überlassen. Einen neuen, frischen Blickwinkel auf die Geschichte liefert „Sand im Getriebe“ aber allemal.

"Sand im Getriebe": Comic über ostbelgische Geschichte (Bild: Andreas Lejeune/BRF)

Bild: Andreas Lejeune/BRF

Andreas Lejeune