Die Überraschung lauerte schon am Eingang. Statt mit Reden wie gewöhnlich startete dieses Mal der Auftaktabend der Woche für Deutsch mit einer Theaterwanderung. Die Gäste wurden aufgeteilt in unterschiedliche Gruppen.
Alle Träger eines violetten Bändchens wurden von Lena betreut, Praktikantin an der Deutschen Botschaft in Brüssel. "Die Theaterwanderung ist eine Produktion des Agora-Theaters, des einzigen deutschsprachigen Theaters in Belgien", erklärte sie zu Beginn des Rundgangs. "Wir werden fünf verschiedene Stationen haben, werden rotieren zwischen verschiedenen Räumen, und zwei Stationen sind draußen. Die Schauspieler werden Sie mitnehmen in ganz eigene Welten, ganz eigene Erzählungen. Jede einzelne Station hat eine neue Geschichte, einen neuen Kontext."
Und dann nahm der Rundgang seinen Lauf. Im ersten Monolog ging es um einen Firmeninhaber, der von seiner Frau verlassen worden war. Im Monolog "Schlecht geschrieben" erzählte eine Frau von ihrer unglücklichen Ehe. Eine weitere Schauspielerin teilte mit den Besuchern im Atrium der Botschaft ihre Faszination für Fußballspieler, bevor es dann raus in einen Park im Brüsseler Europaviertel ging. Auf dem Weg dorthin wartete eine – gespielte – Stadtführerin auf die Gruppe, bevor sie im Goethe-Institut einen Einblick in die Seele eines Schlagersängers bekam.
"Wir geben Einblicke in das intime Leben von Menschen, die uns umgeben. Und plötzlich interessieren wir uns mehr für diese Menschen. Wir schauen danach anders nicht nur auf sie, sondern auch auf andere Menschen, an denen wir sonst im Alltag einfach so vorbeigehen", so erklärt Dahlia Pressemiers-Benamar, eine der künstlerischen Leiterinnen des Agora-Theater das, was die Besucher an den Stationen erleben konnten.
Warum dieser ungewöhnliche Beginn der diesjährigen Woche für Deutsch? "Man muss ja jedes Jahr etwas Neues erfinden. Die Leute müssen interessiert bleiben, müssen Spaß haben. Das Agora-Theater hat heute eine fantastische Performance hier gemacht. An fünf Plätzen fünf verschiedene, kurze Schicksale von Männern und Frauen, die alle verblüfft haben, und die Zuschauer tatsächlich mit offenem Mund saßen, weil sie dachten: Wo geht das alles jetzt hin? Und dann eine überraschende Auflösung hatten. Wir machen jedes Jahr etwas anderes, um die Leute einfach am Ball zu halten", begründet der deutsche Botschafter in Brüssel, Martin Kotthaus, die Wahl des Theaterrundgangs – der gerade auch wegen der Herkunft des Agora-Theaters aus Ostbelgien hervorragend zur Woche für Deutsch passe.
Bei den Besuchern kam dieser - diesmal etwas andere - Auftakt der Woche für Deutsch auf jeden Fall gut an. "Das hat mir total super gefallen, weil ich es interessant fand, sich an verschiedenen Stellen zu bewegen und verschiedene Formate kennenzulernen", sagt eine Frau im mittleren Alter. "Mir hat es sehr gut gefallen", sagt auch ihr Gesprächspartner. "Und zwar weil es in sich sehr kleine, abgeschlossene Stücke waren, die alle etwas besonderes hatten. Fast alle hatten eine Wendung, die man so nicht erwarten würde. Und mit dem Gehen dabei … eine gute Mischung."
"Ich fand’s einen Super-Einstieg", ergänzt eine junge Frau. "Das hatte viel Dynamisches, meine Gruppe hat direkt mit dem Spaziergang gestartet. Das ist das richtige Event für einen Auftakt. Gleich ein dynamischer Einstieg in die Woche für Deutsch."
Kay Wagner


