Vitus Peeren ist mal wieder ganz früh aufgestanden. Bereits um 4 Uhr war er unterwegs, um zu fotografieren. Er wollte vor Ort sein, ehe die ersten Sonnenstrahlen zum Vorschein kommen. Und am frühen Morgen ist er meist allein auf weiter Flur. "Ich suche die Natur, ich suche die Einsamkeit. Die Ruhe. Da fühle ich mich wohl", sagt Peeren.
Wo genau der 61-Jährige seine Bilder macht, das verrät er nicht. Er will damit auch die Tiere schützen. Wie den Wolf Akela, der ihm im Hohen Venn einmal ganz nah kam. "Das war phänomenal. Das war einzigartig. Und das war auch in den ganz frühen Morgenstunden. Deswegen ist das Bild auch so komisch. Das waren die ersten Sonnenstrahlen, die über das Venn rüberbrachen", so Peeren. "Man schaut dem in die Augen und man schaut sich selber in die Seele. Der Blick ist faszinierend. Der Wolf war immer schon ein Tier, was mich fasziniert hat. Schon als Kind", sagt der gebürtige St. Vither.
Keine Angst vor dem Wolf
"Ich habe nie das Angstgefühl vor dem Tier gehabt. Der Wolf hat nach den jahrhundertelangen Jagden mehr Angst vor uns als wir vor ihm. Ich fühle mich wohl. Auf 80 Meter Entfernung habe ich absolut keine Angst vor dem Tier. Ich habe auch schon gehabt, dass er ein paar Meter von mir entfernt über die Straße gelaufen ist. Also, ich bin für den Wolf. Ich habe auch gerne, dass der Wolf geschützt wird."
Hirsche, Rehe, Vögel, Wildschweine: Peeren bekommt bei seinen Streifzügen durch die hiesige Natur viele unterschiedliche Venn- und Waldbewohner vor die Linse. Gerne erinnert er sich auch noch an eine Begegnung mit einem Jungfuchs. Auf dem daraus entstandenen Foto scheint das Tier den Betrachter neugierig anzuschauen. "Da lag ich auf fünf Meter von dem Fuchs entfernt. Er sah, dass da was war. Aber ich hatte die Sonne im Rücken: Dadurch sah der nicht, was da war. Und weil ich mich nicht bewegte, ist er auch so schön sitzen geblieben", sagt Peeren.

Seine Naturaufnahmen füllen mittlerweile mehrere Festplatten. Auch Gämsen sind viele dabei: Abgelichtet nicht im Hohen Venn, sondern Ergebnis seiner Reisen in die Vogesen. "Die Berglandschaft zieht mich immer wieder an. Allein schon die Sicht ist fantastisch", betont er. Und von seiner Faszination für die Gämsen ganz zu schweigen.
"Aus Regeln der Fotografie rausspringen"
Peeren kam schon als Kind zur Fotografie, später waren es berufliche Dinge, die im Vordergrund standen. Er war als Elektriker, später als Fahrer im Transportwesen beschäftigt. Seit mehr als 30 Jahren lebt Peeren mittlerweile in Weismes.
Er findet: Man muss auch mal aus den Regeln der Fotografie rausspringen, wie er es nennt. Er erklärt das anhand eines Fotos eines Sonnenaufgangs, das er am Signal de Botrange geknipst hat. Für manche müsste die Sonne auf dem Bild an einer anderen Stellen platziert sein, sagt er. Aber Peeren versichert: "Für mich ist das Bild so perfekt". Auch dieses Werk ist in der Ausstellung noch bis zum 14. Juli zu sehen - nebst Bildern von Aude Vervoir und Pierre-Alexandre Massotte.
Mehrmals - mitunter auch täglich - ist Peeren mit der Kamera unterwegs. "Ich habe Probleme mit dem Rücken. So lange ich laufen kann, bewege ich mich", so der 61-Jährige. "Ich schleiche durch den Wald - wie ein Indianer", lacht Peeren. "Ich bewege mich ständig vorwärts - außer wenn ich jetzt sehe: 'So, da ist was'. Dann bleibe ich auch mal stehen und bleibe auch länger stehen. Es kann auch mal passieren, dass ich mich hinlege oder einfach hinsetze."
Dabei noch mal einen Wolf vor die Linse bekommen - oder die scheue Wildkatze: Das wär's, sagt der 61-Jährige. Klar ist: Vitus Peeren wird weiterhin früh aufstehen.
Moritz Korff
Dankeschön für das nette Gespräch, die lockere Reportage und die Vorstellung meiner Werke 🙂