Comiciade in Eupen mit „Frauen im Comic“

Wer hat in der letzten Zeit einen Comic gekauft und gelesen? Lucky Luke, Tim und Struppi, die Schlümpfe oder Natascha? In Belgien sind Comics fester Teil der Kultur. In keinem anderen Land gibt es so viel bekannte Comiczeichner oder -zeichnerinnen. Wer die Autoren kennenlernen möchte: In Eupen findet vom 28. bis zum 29. September zum allerersten Mal ein Comicfestival statt.

Comiciade Eupen

Bild: Katja Engel/BRF

Comics sind mehr als Krach Bumm Bäng. Sie erzählen Geschichten mit höchster zeichnerischer Qualität oder mit einfachen wenigen Strichen – manchmal sind es traurige, nachdenkliche oder einfach lustige und witzige. Wie Natascha des belgischen Zeichners François Walthéry.

Wer ihn persönlich kennenlernen, ihm eine Frage stellen oder gar eine Zeichnung ergattern möchte, kann das am 29. September auf der Comiciade im Alten Schlachthof in Eupen. Veranstalter Alexander Samsz hat über 30 Comiczeichner und -zeichnerinnen nach Eupen geholt. Samsz hat bisher dreimal die Comiciade in Aachen organisiert. Doch es gibt einen Grund, warum sie jetzt hier stattfindet: „Weil es hier noch keine Comicveranstaltung gab. Und ich dachte, im Mutterland des Comics wäre es schön auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ein Comicfestival zu haben.“

Am Samstag, dem 28. September, eröffnet die Ostbelgierin Annette Müllender das Fest mit einer Gesprächsrunde zum Thema Frauen und Comics. Zeichnen Frauen denn anders als Männer? „Ich weiß nicht, ob man es wirklich generalisieren kann. Ich habe immer ein bisschen den Eindruck, dass Frauen viele Details zeichnen – aber vielleicht meine ich das auch nur, weil ich so bin -,  und sich sehr viele Gedanken machen, und sehr viel mit ihren Bildern transportieren möchten. Das machen männliche Zeichner auch zum Teil. Aber nicht gerade so wie Frauen, die mit Liebe zum Detail zeichnen.“

Annette Müllender zeichnet Karikaturen. In einer sieht man im weit aufgerissenen Mund von Trump anstelle der Zähne die weiß verkleideten Mitglieder des Ku-Klux-Klans, eines gewalttätigen Geheimbundes in den Südstaaten der USA, und wie diese anstelle von Worten aus Trumps Mund herauspurzeln.

Annette Müllender leitet die Diskussion zu Frauen im Comic, an der passenderweise drei weitere Comicautorinnen teilnehmen: Don Kringel, Maren Trey und Antje Herzog. Einen Unterschied zu ihren männlichen Kollegen hat Müllender schon im Studium festgestellt: „Die männlichen Vertreter, die dann meistens in die Comiczeichner reingegangen sind, die waren natürlich auch noch sehr jung. Die waren dann 18, 19, 20 und ich fand deren Zeichnungen sehr pubertär – diese typischen Heldengeschichten mit dicken Muskeln und auf Pferden, wie man sich das halt so vorstellt. Und die Frauen hatten halt in diesen Zeichnungen überhaupt keinen Platz, sondern die mussten immer nur schön aussehen, möglichst dicken Busen und schönen Hintern haben.“

Auch die Comicfigur Natascha ist optisch eher als Model dargestellt. Aber auch wenn sie als Stewardess arbeitet, ist eher sie die Abenteurerin, die eigentlich im Flugzeug das Kommando führt.

Am Sonntag stehen aber nicht nur die Zeichner für Fragen bereit. Im Stundentakt finden Zeichenkurse für die Besucher statt. In einem will Henry Kreklow die Angst vor dem Comiczeichen nehmen: „Ich versuche nicht den Leuten beizubringen, dass sie das schön zeichnen, sondern dass sie überhaupt mal Comics zeichnen. Und dafür muss man nicht schön zeichnen können. Dafür muss man Kreativität haben, Humor verrückte Ideen.“

Verrückt erscheinen auch die sogenannten Cosplayer, Menschen, die in die Rolle ihrer Helden oder Heldinnen schlüpfen, indem sie sich so wie ihre Comic-Vorbilder kleiden. Wie zum Beispiel die Cosplayerin Annika Klein, die ein weites rotes wehendes Cape um ihre Schultern geschlungen und auf ihrem blauen Shirt ein großes umrandetes S gestickt hat. Warum ist sie in die Rolle einer Comic-Superheldin geschlüpft? „Es gibt einem noch mal so einen kleinen Selbstbewußtseins-Push also vor allem, wenn einen die Leute erkennen und einem Komplimente machen, dass man das gut umgesetzt hat, dann fühlt man sich halt noch mal selbst bestätigt und es macht halt auch Spaß.“

Verkleidete Heldinnen und Helden, Menschen, die Comics machen und die Neulingen zeigen wie es geht. Die Comiciade ist ein Fest für Erwachsene, Kinder, Künstler und Künstlerinnen.

Wenn die Comiciade in Eupen am 29. September gut ankommt, soll sie zur ständigen Einrichtung werden und vielleicht jährlich im Wechsel mit Aachen stattfinden. Und wer sogar im Kostüm eines Comic-Helden oder einer -Heldin erscheint, der darf nicht nur umsonst in die Comiciade, sondern hat die Chance einen Preis zu gewinnen.

Katja Engel

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