Ukraine sieht veränderte Kriegstaktik bei Russland

Gut vier Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs sieht der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak eine veränderte Kriegsführung der russischen Armee.

Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak (Bild: Yasin Akgul/AFP)

Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak (Bild: Yasin Akgul/AFP)

Es sei eine neue Taktik Russlands, Wohnviertel zu attackieren und Druck auf westliche politische Eliten auszuüben, um die Ukraine zu zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen, sagte Podoljak nach Berichten verschiedener Medien am Samstag in Kiew.

Russland kämpfe nicht, um Gebietsgewinne zu erzielen, sondern um die Ukraine zu zerstören und eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa zu schaffen, sagte Podoljak weiter. Er verstehe nicht, warum es im Westen immer noch einflussreiche Politiker gebe, die glauben, dass man mit Russland sprechen könne.

Ostukraine weiterhin Ziel schwerer Angriffe von russischer Seite

Im Osten der Ukraine setzt Russland nach Angaben aus Kiew seine Angriffe auf breiter Front fort. Im Raum Charkiw versucht die russische Armee demnach, mit Unterstützung der Artillerie verlorene Positionen zurückzuerobern. Zahlreiche Orte würden beschossen, um die ukrainische Armee dort zu binden, teilte der ukrainische Generalstab mit. In der Region Donezk sei eine russische Attacke abgewehrt worden.

Bei Raketenangriffen auf die Stadt Slowjansk hat die russische Armee nach ukrainischen Angaben verbotene Streumunition eingesetzt. Mindestens vier Menschen wurden getötet.

Russlands Militär meldet Zerstörung von Waffenlagern

Die russische Armee hat nach eigenen Angaben bei Luftangriffen in der Ukraine zahlreiche militärische Ziele getroffen. Unter anderem seien zwei Waffenlager nahe der Großstadt Mykolajiw im Süden des Landes zerstört worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Konaschenkow, in Moskau.

Im Osten sei ein Waffenlager in einem Traktor-Depot bei Charkiw getroffen worden.

dpa/jp/sh

15 Kommentare
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Das ist eine klassische Zermürbungstaktik.

    Eine Pattsituation, wo man nur noch verhandeln kann und das kann dauern. Zum Beispiel wurde während des Koreakriegs zwei Jahre lang gleichzeitig verhandelt und gekämpft. Endete ohne nennenswerte Gebietsveränderungen.

    Dieser Krieg ist ein grausames Pokerspiel der Großmächte auf dem Rücken der Zivilbevölkerung.

  2. Lutz-René Jusczyk

    »Dieser Krieg ist ein grausames Pokerspiel der Großmächte auf dem Rücken der Zivilbevölkerung.«

    Dem möchte ich widersprechen. Dieser Krieg ist allein das Werk Wladimir Wladimirowitsch Putins.
    Weder die NATO, noch die USA treffen eine Schuld. Letzteres zu behaupten, entspricht vielmehr der russischen Propaganda.

  3. Marcel Scholzen eimerscheid

    Herr jusczyk

    Die Gewährung von Hilfe an die Ukraine ist kein Werk der christlichen Nächstenliebe.Dahinter steckt Kalkül nach dem Motto: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“. Darum der Vergleich mit dem Pokerspiel.Den Ukrainekrieg muss man als Teil des weltweiten Kampfes der Großmächte um Macht und Einfluss sehen.Im 19. Jahrhundert nannte man die Rivalität zwischen Großbritannien und Russland „the great game“.Und heutzutage ist es nicht besser. Nur die Waffentechnik ist besser als im 19. Jahrhundert.

  4. Jürgen Margraff

    Wenn die UA EINEN Schuss feuert, kommt eine 20fache russische Antwort, das Problem liegt in der Masse UND die UA hat schlechte Karten, ihre eigenen Artilleriesysteme sind sowjetischen Ursprungs, die Munition ist quasi aufgebraucht & die Systeme selbst auch. Westliche Systeme kommen als Feigenblatt, 18 fr.CAESAR, 20 M109 (GB) 20 M109 (NO), 18 Pzh2000 (D&NL) zirka 120 M777 (USA, aber um die zu brauchen, sind Schwerlasthubschrauber nötig ansonsten sind die Gegenfeuer hilflos ausgesetzt, da nicht mobil) – die UA braucht PzH2000, Caesar eventuel schwedische Archer UND die dazugehörige Munition – wahrscheinlich HOFFEN unsere Staatenlenker das die Russen gewinnen & einem Guerillakampf ausgesetzt sein werden, die Partisanen benötigen nur eine leichte Bewaffnung, das ist eindeutig billiger als Artillerie, Flugzeuge & Panzer die geliefert werden müssen wenn die UA als selbständiges Land weiterbestehen soll.

  5. Marcel Scholzen eimerscheid

    Sehr geehrter Herr margraff

    Ein zermürbender und langanhaltender Partisanenkrieg gegen die Russen wäre das beste. Dies mit dem Ziel, möglichst viele Truppen zu binden.

    Dann nach dem Prinzip „Hit and Run“ vorgehen, kleine mobile Trupps schlagen zu und verschwinden schnell. Die Russen so auf kleinem Feuer gar kochen, um einen günstigen Waffenstillstand auszuhandeln.

    Wenn möglich noch eine zweite Front eröffnen im Kaukasus. Die dortigen moslemischen Völkerschaften in einem Aufstand gegen Russland unterstützen.

  6. Lutz-René Jusczyk

    Herr Scholzen-Eimerscheid, ich glaube nicht an die Möglichkeit einer bipolaren Welt.
    Schlussendlich wird sich das System durchsetzen, das den Bürgern die größte Freiheit und den größten Wohlstand ermöglicht. Da hat das „System Putin“ extrem schlechte Karten, denn es vermag weder das eine noch das andere zu leisten.
    Putin ist ein Mann der Vergangenheit, der mit Waffengewalt versucht, die Zeiger der Uhren zurückzudrehen. Dies wird ihm jedoch nicht gelingen, denn nach ihm werden die Russen erkennen müssen, dass an einem Rückzug aus der Ukraine kein Weg vorbei führt, wollen sie nicht permanent ein Paria sein, der von allen Entwicklungen der westlichen Welt abgeschnitten ist.
    Außerdem legt Putin gerade das Fundament für eine Jahrzehnte andauernde Feindschaft zwischen den Brudervölkern der Ukrainer und Russen.

  7. Marcel Scholzen eimerscheid

    Herr jusczyk.

    Ob sich unser System der Demokratie auf der ganzen Welt durchsetzen wird, bezweifle ich.

    Schon vor 30 Jahren meinte das Francis Fukuyama in seinem Buch „the end of history“.Er dachte, Rechtsstaat, Demokratie, etc würden sich friedlich und automatisch überall durchsetzen wie von Zauberhand.Ist aber nicht passiert.Es kommt immer anders als man denkt.Niemand weiß, ob Europa immer demokratisch bleibt.Ich bin da ziemlich pessimistisch.Schon jetzt steht die europäische Demokratie auf tönernen Füssen aufgrund der sozialen Probleme.

    Die Geschichte der französischen Revolution zeigt überdeutlich, dass ein System zusammen bricht, wenn es Probleme nicht mehr lösen kann.Damals war es die Monarchie, die zusammen gebrochen ist.Heute kann es die parlamentarische Demokratie sein.Nichts ist unmöglich.

  8. Alexander Hezel

    „Ob sich unser System der Demokratie auf der ganzen Welt durchsetzen wird, bezweifle ich.“

    …interessanter Gedanke. Und was machen Schultze & Schulze dann, wenn unsere Demokratien zusammenbrechen? Sich auf die Seite der Autokraten schlagen und Pparteitreu alles nachplappern, gengen das sie jetzt – in einer Demokratie – ohne Ablass wettern, oder wagemutig und tollkühn in den (bewaffneten?) Widerstand gehen und das eigene Leben riskieren?

    Vielleicht wäre es gerade jetzt und heute an der Zeit, die Demokratie zu schützen und stärken, anstatt ihr permanent mit dümmlich-besserwisserischen anti-alles Kommentaren nach Schweizer Vorbild in den Rücken zu fallen?
    Man darf gespannt sein…

  9. Marcel Scholzen eimerscheid

    Herr Hezel.

    Die inneren Widersprüche sind das größte Problem der Demokratie.Zum Beispiel wird das Gleichheitsprinzip in vielen Fällen nicht respektiert.Die EU bevorzugt geflüchtete aus der Ukraine gegenüber Kriegsflüchtlingen aus Afrika oder Asien.Oder Akademiker werden in den politischen Parteien bevorzugt.Habe ich selbst miterlebt.Die Meinungsfreiheit wird zumindest in Frage gestellt durch das Verbot von russischen Sendern.Man kann das als Zensur betrachten.Durch das Verhängen von Sanktionen spielt die EU gleichzeitig Richter und Ankläger.Die Liste ließe sich noch fortsetzen.Auch die zahlreichen gescheiterten Demokratien in aller Welt sollten zu denken geben.Eine davon ist Russland.In den 90er Jahren führte die Einführung der Demokratie dort zu chaotischen Verhältnissen. Deswegen ist Putin für viele Russen das kleinere Übel.Die haben lieber einen Diktator, der für Ruhe, Ordnung und einen vollen Magen sorgt.

  10. Nornert Schleck

    Gleich zu Wochenbeginn ein wahllos zusammengerührter Eintopf unseres Systemkritikers. Daraus nur ein Satz:

    „Durch das Verhängen von Sanktionen spielt die EU gleichzeitig Richter und Ankläger.“
    Leider befinden wir uns nicht in einem Gerichtssaal in einem Prozess Ukraine vs. Putin, wo die EU mit Perücke und schwarzer Robe den Richter (oder den Ankläger?) „spielen“ soll, sondern in einem beinharten Aggressionskrieg.

    Die EU hart klar Partei für die Ukraine ergriffen gegen Putin, der die gesamte Sicherheitsstruktur Europas als einen Fetzen Papier behandelt hat.
    Kein anderes Land hat wie die UdSSR/Russland hat immer auf die Unverletzbarkeit der Grenzen, die Achtung der territorialen Integrität und die Souveränität aller Staaten gepocht.

    Selbst die neutrale Schweiz beteiligt sich an den Sanktionen der EU.

    Übrigens, wie könnte die EU Recht sprechen wollen, wenn eine der Parteien schon klar zu verstehen gegeben hat, dass der Krieg heute schon zu Ende sein könne, wenn die andere bedingungslos kapitulieren würde? Wozu da Urteil?

  11. Guido Scholzen

    Scheinbar gewöhnt der Normal-Europäer sich an die Anwesenheit eines Kriegs in der Ost-Ukraine fast so, wie in den 90er Jahren an den jugoslawischen Bürgerkrieg.
    Während der Corona-Zeit gewöhnte sich die grosse Masse auch an das Maskentragen.
    Ob sich die große Masse auch an hohe Energiepreise und Frieren im Winter demnächts als neue Normalität gewöhnen kann, bleibt anzuwarten.

  12. Marcel Scholzen eimerscheid

    Guten Abend Herr Schleck.

    Ich bin lieber ein Systemkritiker als ein ostbelgischer Untertan, der das Fähnchen in den Wind hält und immer aufpassen muss, von wo der Wind bläst, um stets auf der richtigen Seite zu sein.

    Da Sie nur den einen Punkt kritisieren, gehe ich davon aus, dass Sie mit dem Rest einverstanden sind.

    Da die Verhängung der EU Sanktionen gegen Russland ohne UN Mandat erfolgte, haben diese den Charakter eines Willküraktes. So begibt man sich auf das gleiche Niveau wie Putin und das ist schlecht für die Glaubwürdigkeit. Auch hat die EU es versäumt, Russland in Den Haag vor dem Internationalen Gerichtshof zu verklagen. Im Gegensatz zur Ukraine. Somit haben die EU Sanktionen keinerlei Legitimation.

  13. Norbert Schleck

    „Da Sie nur den einen Punkt kritisieren, gehe ich davon aus, dass Sie mit dem Rest einverstanden sind.“
    Irrtum, das liegt nur an der Begrenzung auf 150 Wörter.

    Schon der erste Satz ist Nonsens: „Die inneren Widersprüche sind das größte Problem der Demokratie.“
    Demokratie ohne „Widersprüche“ wäre keine solche, sondern eine Diktatur nach chinesischem Muster, wo alle vor dem Größen Vorsitzenden paradieren.

    Die Sanktionen?
    Laut UN-Charta kann nur der Sicherheitsrat solche beschließen, in dem Russland bekanntlich Mitglied ist. Niemand glaubt wohl im Ernst, der Aggressor würde sie nicht mit seinem Veto blockieren?

    Und das mit dem Haager UN-Gerichtshof?
    Ich darf zitieren: „Das Gericht ist nur dann für die Entscheidung eines Falles zuständig, wenn alle beteiligten Parteien die Zuständigkeit anerkannt haben.“
    Hat Russland? Oder würde es das tun?

    Im Übrigen gilt das Recht auf Selbstverteidigung, das auch kollektive Hilfeleistungen durch andere Staaten einschließt.

    Letztendlich wären die Sanktionen „Realpolitik“ – eine von Herrn Scholzens Lieblingsfloskeln. – statt formalistischem Papierkram.

  14. Edmund Gebser

    Werter Herr Scholzen,

    Vom griechischen Staatsmann Demosthenes ( sicher auch so ein Akademiker .)) wissen wir: „Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahrhaben möchte, hält er auch für wahr.“
    Jetzt frag ich mich die ganze Zeit warum mir das ausgerechnet bei Ihren „Kommentaren einfallt.

  15. Marcel Scholzen eimerscheid

    Herr Gebser.

    Zu Ihrem Kommentar fällt mir folgendes ein : komplizierte Ausdrucksweise ist kein Zeichen von Weisheit und Intelligenz, sondern zeugt nur von der Unfähigkeit, sich verständlich mitzuteilen.

    Werter Herr Schleck.

    „Innere Widersprüche“ sind keine verschiedenen Meinungen, sondern der Unterschied von politischer Theorie und Praxis.Man redet zum Beispiel von Gleichheit und diskriminiert ohne irgendwelche Gründe.

    Sanktionen sind keine Hilfe zur Selbstverteidigung.Das sind Rüstungsgüter bzw finanzielle Unterstützung.Von den Sanktionen kann die Ukraine sich nichts kaufen.

    Sanktionen sind Selbstbetrug. Man schädigt sich selbst, das ist alles.