Shuttle von Brüssel nach Straßburg: 105 Autos der EU meist leer

Das EU-Parlament tagt meist im französischen Straßburg, die parlamentarischen Ausschüsse treten dagegen in Brüssel zusammen. In Sitzungswochen des EU-Parlaments werden regelmäßig 105 Autos des offiziellen Fahrdiensts von Brüssel nach Straßburg kutschiert - die meisten davon leer.

EU-Parlament in Straßburg beschließt Bankenunion

EU-Parlament in Straßburg (Bild: Frederick Florin/AFP)

Die Autos und ihre Fahrer würden in Straßburg gebraucht, um Abgeordnete vom Flughafen oder Bahnhof zum Parlamentsgebäude zu bringen. Doch nur wenige der 751 EU-Abgeordneten nutzen die Möglichkeit, in den Limousinen selbst von Brüssel nach Straßburg mitzufahren.

Bei der Novembersitzung haben 25 Parlamentarier den Shuttle angefragt, wie eine Parlamentssprecherin bestätigte. Demnach variiert die Zahl der Anfragen – doch die Auslastung der Wagen ist meist gering.

Die Betriebskosten der Flotte summieren sich pro Jahr auf gut eine Million Euro, sagte die Sprecherin. 105 der Autos sind Hybridfahrzeuge. Es gibt außerdem 15 Elektroautos, die den Weg aber nicht antreten, da die Reichweite nicht genügt.

Der ZDF-Satiriker und EU-Abgeordnete Nico Semsrott fährt bei der Überführung der Limousinen mit nach Straßburg. Er habe erst kürzlich herausgefunden, dass es diese Möglichkeit gebe, sagte Semsrott. Er kritisierte, dass die meisten Autos die rund 450 Kilometer zwischen Brüssel und Straßburg leer zurücklegen.

Auf die Frage, warum das EU-Parlament keine Autos in Straßburg stationiert, erklärte die Sprecherin, dass die aktuelle Handhabung bereits „im Interesse einer wirtschaftlichen Haushaltsführung“ sei.

Das EU-Parlament tagt meist im französischen Straßburg, die parlamentarischen Ausschüsse treten dagegen in Brüssel zusammen. Das hatten die Regierungen der Mitgliedstaaten einst einstimmig beschlossen. Semsrott (Die Partei) kritisiert, dass das EU-Parlament seinen Sitz nicht selbst festlegen dürfe. Dies und das damit verbundene Pendeln alle vier Wochen sei demütigend, findet er.

Kritik kommt auch von dem Europaabgeordneten Johan Van Overtveldt (N-VA). Den Weg vom Bahnhof oder Flughafen in Straßburg zum Parlament könne man genauso gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, sagte Van Overtveldt der Zeitung „De Standaard“ – dazu brauche es keinen Wagenpark.

dpa/standaard/vk/km

5 Kommentare
  1. Jean-Pierre DRESCHER

    Und wir als die immer ärmer werdenden Steuerzahler dank Negativzins und Geldentwertung haben diese Party des EU-Beamten-Großkapitals seit 30 Jahren gefälligst zu zahlen. Sehr klimafreundlich zudem die ganze Rumkarrerei der schweren TGV-Luxuszüge durch BE und FR exklusiv für diese Beamten, denn auch der Bahnstrom der SNCF und der SNCB kommt nicht etwa einfach nur aus der Steckdose sondern zu großen Teilen aus französischen und polnischen Kohlekraftwerken wenn nicht gleich eine schmutzige sechsachsige Großdiesellok der Baureihe 55 in Doppeltraktion oder ihr französischer Pendant ab Mouscron vorgespannt wird aus „taktischen Gründen“.

  2. Freddy Langer

    Dieses EU- Geschwür ist doch die grösste Geldverschwendungs Anlage überhaupt.
    Wer bitte, soll denn überhaupt noch an ehrlicher Politik glauben?
    Privatunternehmen würden bei solcher Führung und Personal längst bankrott sein.
    Aber das passiert ja hier nicht, der dumme Steuerzahler wird noch mehr geschröpft.

  3. Marcel scholzen eimerscheid

    Und was sagt unser EU Abgeordneter zu dieser verschwendetischen Praxis ? Faehrt er mit ?

  4. joseph ramscheid

    Die Verschwendung unserer Politiker ist doch nichts Neues, das ist doch der normale Alltag. Wer hat denn in den letzten Jahren Schulden in Millionenhöhe, Verzeihung Milliardenhöhe gemacht? Das war doch der Michel (nicht der aus Lönneberga!), nein der Liberale, der die Reichen noch reicher gemacht hat, der das Land fast in den Ruin getrieben hat und der anschließend die Flucht in die europäischen Instanzen ergriffen hat. Das „dumme Volk“ wählt sein Verderben selbst, die Lage ist hoffnungslos! Wann kommt die Revolution?

  5. Jochen Decker

    Und der Superwitz dabei ist doch, dass ausgerechnet diejenigen, die ständig zwischen Brüssel und Straßbourg hin- und herfahren, dabei dem Klima schwerste Schäden zufügen und der Jugend die Zukunft zerstören, sich aufblasen, unter Riesengetöse den Klimanotstand ausrufen und sich selbst als Retter der Welt feiern, denen sicher genug Verbote -für die anderen, versteht sich- einfallen, bevor sie ins Flugzeug steigen, um wieder schnell zu Hause zu sein.