Stésud will an Wahl per Computer festhalten

Die Firma hat das Programm zur Stimmauszählung geschrieben, das am Sonntag für die Panne gesorgt hat. Nach Angaben des Unternehmens ist der Fehler vollständig geklärt. Die verlorengegangenen Wählerstimmen seien "eine Nadel im Heuhaufen".

Wahlzentrale im Justizgebäude am Rathausplatz: Die Disketten warten aufs Einlesen

Die für die Panne bei der Auszählung der Stimmen am Wahlsonntag verantwortliche Firma Stésud sieht keinen Grund, von der Stimmabgabe per Computer abzurücken. Das sagte Stésud Geschäftsführer Benoit Lemaire in der RTBF.

Der Fehler in der Auszähl-Software sei inzwischen vollständig gefunden. Die Verschlüsselung der Stimmabgabe habe die Suche zusätzlich erschwert. Jetzt habe man aber den genauen Fehler lokalisiert. Er stecke in zwei Programm-Zeilen, die seit der letzten Kommunalwahl hinzugefügt worden seien.

Durch den Programmierfehler sind 2.000 Stimmabgaben von insgesamt mehr als 20 Millionen Stimmen verloren gegangen. Dies sei eine Nadel im Heuhaufen, sagte Lemaire. Er bedauerte zudem, dass der Fehler nicht bei der Entwicklung entdeckt worden war.

rtbf/okr Bild: brf

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8 Kommentare
  1. Manuel Dejonghe

    Ich betrachte diese Firma als eine Schande für meinen Berufsstand!
    Der Vergleich mit der Nadel im Heuhaufen widert mich an.

  2. Nico Halmes

    Diese Firma hat sich total unmöglich gemacht. Bitte keine Aufträge mehr für diese Firma.

  3. Kerstges Angela

    Hier wird wohl, wie sooft, Schlamperei im Spiel gewesen sein.

  4. jacques deconinck

    Ohne etwas gut zu reden. Schon mal ein Bug freies Programm gesehen oder geschrieben Manuel?

  5. George Norwell

    Das sehe ich etwas anders als Stésud. Nur (quell-)offene Systeme sind sichere weil nachprüfbare Systeme. Das Innenministerium hat am 29.05. den Sourcecode (die Quelltexte) veröffentlicht: CODI, SMARTMATIC und eben JITES, der Software, die auf den Urnen und den Wahlcomputern in den Wahlbüros läuft.
    Den Sourcecode der Wahlcomputer analysiere ich zurzeit, da nach bisheriger Berichterstattung hier die Fehlerquelle lag. Das Programm läuft unter MS-DOS, ist in der Hochsprache „C“ geschrieben, der Ursprung ist in 1991. Die Änderungen für die Wahl 2014 (und wohl auch die Kommunalwahlen 2012) waren sehr massiv und wirken fachfremd durch eine unvertraute Person gemacht. Der Code ist von zweifelhafter Qualität, schlecht bis gar nicht dokumentiert, mit vielen Schwachstellen, wie sie bei unsorgfältiger Programmierung in „C“ gängig sind. Wohlgemerkt, es geht nicht um Manipulation, sondern um die Sicherstellung der Datenerfassung des Wahlvorgangs. Eine fachkundige Prüfung durch andere Instanzen als den Hersteller und PwC kann ich nur begrüßen.

  6. Nico Halmes

    @George (N)Orwell
    Vielen Dank für deine Arbeit. Ich keine leider nichts von diesem Bereich. Ich würde es begrüßen wenn auch andere Informatiker sich die Quelltexte anschauen.

  7. Guido Scholzen

    Auf dem Bild sieht man 3,5-Zoll-Disketten, und die werden schon lange nicht mehr so zahlreich produziert, ein Relikt aus dem Computer-Mittelalter. Allein das ist schon ein Grund zur Papierwahl zurückzukehren, denn irgendwann gibt es die Dinger überhaupt nicht mehr. Oder die über 20 Jahre alten MS-DOS-Rechner geben irgendwann den Geist auf. Gibt es da überhaupt Ersatz? Sehr fraglich, die Zeit arbeitet gegen eine solche alte Technik.
    Entweder Papierwahl oder neue Computersysteme, wo die Ergebnisse online an die Zentralen übertragen werden oder mit denen man direkt online wählen kann, so wie es im Baltikum immer öfters praktiziert wird. Vielleicht sollte man dazu eine Volksbefragung machen, dafür kann man ja noch die alten Systeme gebrauchen… 😉

  8. Manuel Dejonghe

    Es fiel mir am Freitag schwer, in sachlicher Form mehr dazu zu schreiben. Nein, ein fehlerfreies Programm habe ich selber noch nicht gesehen oder geschrieben. Ich bin jetzt lange genug Softwareentwickler, da habe ich gelernt, dass sich immer irgendwo etwas versteckt. So lernt man aber auch Testing und Zertifizierungen zu schätzen:
    Wenn ich weiss, dass jemand anders sich mein Ergebnis vorknöpft, habe ich eine ganz andere Motivation und ich kann beruhigter Arbeiten, weil die Verantwortung und Belastung geteilt ist.
    Zum Testen gehört immer die Überprüfung von Neuen sowie der bisherigen, unveränderten Funktionalitäten.

    Ich prangere nicht an, dass die Software einen Fehler enthielt.
    Ich prangere an, dass die Software in einer neuen Funktionalität einen kapitalen Fehler enthielt, der sowohl beim Testen als auch beim Zertifizieren hätte auffallen müssen.
    Ich prangere an, dass diese Firma sich erdreistet die Auswirkungen zu bewerten und die verlorenen Stimmen mit einem Nadel im Heuhaufen zu vergleichen.

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