Goldene Pracht: Ausstellung in Münster

Mehr als 300 Stücke aus der Zeit vom 10. bis zum 16. Jahrhundert werden im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und in der Domkammer bis zum 26. Mai ausgestellt. Der Versicherungswert der Schau liegt bei 100 Millionen Euro.

Der Osnabrücker Ratsschatz

Der Osnabrücker Ratsschatz, Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück, um 1559 – vor 1673

Eine der kostbarsten Ausstellungen Europas ist in Münster zu sehen. „Goldene Pracht“ zeigt deutsche Goldschmiedearbeiten im europäischen Kontext und erzählt ihre Geschichten. Manche Anekdoten sind blutig.

Das goldene Reliquienkreuz von Borghorst ist fast ein Jahrtausend alt und seine schiere Größe ist atemberaubend. Bunte Karniole, dunkle Gemmen und Reliefs mit Jesus und Engeln zieren das ellenlange Meisterwerk eines Unbekannten. Nichts deutet darauf, dass das Glanzstück der Schau „Goldene Pracht“ in Münster in engem Zusammenhang mit dem unnatürlichen Tod von zwei Menschen steht.

Auftraggeber Kaiser Heinrich III. hatte einem Grafen im Jahr 1048 Mordpläne vorgeworfen und ihn zum Zweikampf verurteilen lassen. Dabei wurde der Graf erschlagen und als dessen Sohn daraufhin den Sieger des Zweikampfes gefangen nahm und ihn brutal von zwei Hunden zerfleischen ließ, schickte der Kaiser ihn ins Exil. Wohl als Sühne für das vergossene Blut stiftete Heinrich aber auch das Kreuz. Im vergangenen Sommer hat die Reliquie im Londoner British Museum die Blicke auf sich gezogen. Jetzt ist sie bis zum 26. Mai in Münster zu sehen.

Abertausende solcher Kostbarkeiten sind im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation entstanden. Und sie sind fast alle futsch. Geplündert, eingeschmolzen, zu neuem Schmuck geformt. Es gibt Hochrechnungen, dass nur ein Promille der Goldschmiedekunst des Mittelalters erhalten geblieben ist.

Die Ausstellung zeigt, wie reich die Goldschmiedekunst Westfalens war. Die Region erfuhr viele Impulse von Nachbarn, durch die Hanse oder aus Flandern. Zwar war Gold im Reich in größeren Mengen fast nur in den Alpen und Böhmen zu schürfen. Aber Gold war immer verfügbar. Den Höhepunkt erlebte die Schmiedekunst in der Gotik, vor allem im 13. und 15. Jahrhundert. Den Schmelzöfen entgingen später vor allem sakrale Gegenstände. Kelche etwa waren verhältnismäßig geschützt, weil ein Bischof sie geweiht hatte. Sie durften nicht ohne weiteres eingeschmolzen werden.

Gezeigt wird auch Marienschrein von Tournai (1205). Christus thront am Kopfende mit Reichsapfel. An den Seiten sind Maria, Josef und das Eselchen auf dem Weg nach Betlehem zu erkennen, daneben Stationen im Leben Jesu. Der Schrein des bekannten Goldschmiedes Nikolaus von Verdun ist ein Beispiel der Wechselbeziehungen hiesiger Werke, eine Art kleiner Bruder des Kölner Dreikönigenschreins.

Mehr als 300 Exponate aus dem 10. bis zum 16. Jahrhundert – vom Schrein bis zum Ring – sind in Münster im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und in der Domkammer zu sehen. Stolze 1500 Quadratmeter in zwölf Räumen nimmt die Ausstellung ein. Viele Beteiligte waren nötig, um einen solchen Schatz zusammenzutragen. Das Borghorster Kreuz um 1050 ist übrigens nicht nur ein Zeugnis verschwenderischer Pracht – auch ein frühes Beispiel von Recycling. Inmitten von Gold und Edelsteinen sind zwei Phiolen eingearbeitet. Darin liegen Tücher, angeblich mit dem Blut Jesu. Aber das ist eine andere Geschichte …

dpa/lnw/rkr - Bild: © Stadt Osnabrück, Foto: Stephan Kube, Greven

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