So langsam dürfte bei den Teilnehmern des diesjährigen Königin-Elisabeth-Wettbewerbs die Spannung steigen. Am Montag, dem 4. Mai, um 15 Uhr geht es los, dann werden die ersten der 66 jungen Talente aus 23 verschiedenen Ländern im Kulturzentrum Flagey die Gelegenheit bekommen, ihr Können unter Beweis zu stellen.
Von Montag bis Samstag wird es jeden Tag zwei Sessions geben, jeweils um 15 und um 20 Uhr. Pro Session werden nacheinander fünf bis sechs Kandidaten auftreten. Jeder von ihnen hat nur etwa zwanzig Minuten Zeit, um die internationale Fachjury davon zu überzeugen, dass er oder sie es verdient, in die zweite Runde des Wettbewerbs vorzustoßen.
Jury-Vorsitzender ist wie immer Flagey-Direktor Gilles Ledure. Bei der Preisverteilung im vergangenen Jahr dankte er ausdrücklich seinen Jury-Kollegen für ihren Einsatz und ihr Verantwortungsgefühl. "Ihr kennt die enorme Aufgabe und Herausforderung, die ein Wettbewerb mit sich bringt - ein Wettbewerb, der der Anfang eines langen Abenteuers ist. Herzlichen Dank für eure Zeit und euren Einsatz."
Die Juroren sind um ihre Aufgabe in der Tat nicht zu beneiden. In der Kürze eines Auftritts entscheiden sie darüber, ob ein Kandidat zu den 24 Glücklichen gehört, die in die zweite Runde vorrücken, also ins Halbfinale, oder ob er oder sie nach diesen zwanzig Minuten schon wieder die Heimreise antreten muss. Der Königin-Elisabeth-Wettbewerb kann ein Sprungbrett sein für eine internationale Solisten-Karriere, aber selbst ein Supertalent kann schon in der Vorrunde ausscheiden, bloß weil es einen schlechten Tag erwischt hat.
Um die Leistungen der Kandidaten besser vergleichen zu können, muss jeder Teilnehmer in der ersten Runde eine Sonate von Luigi Boccherini vortragen. Dabei kann man aus einer ganzen Reihe von Sonaten dieses Komponisten wählen, die alle von einem zweiten Cello begleitet werden.
Daneben spielt jeder Kandidat noch eines von drei vorgegebenen Werken mit Klavierbegleitung, entweder das Stück "Meditation" von Nikolai Roslawez, die "Ballade" von Josef Suk oder "Trois Pièces" von Nadia Boulanger. Als letzten Beitrag interpretiert dann noch jeder Teilnehmer das Stück "Lullaby" für Cello solo von der finnischen Komponistin Kaija Saariaho.
Nächste Woche Samstag, dem 9. Mai, nach dem Auftritt des letzten Kandidaten oder der letzten Kandidatin, wird Jury-Präsident Gilles Ledure dann bekannt geben, welche 24 Teilnehmer den Sprung in die nächste Runde geschafft haben. Diese 24 haben dann kaum Zeit sich auszuruhen, denn schon am darauffolgenden Montag geht es weiter mit dem Halbfinale, das schon ein deutlich schwierigeres Programm verlangt.
Nach dem Halbfinale bleiben schließlich noch zwölf Teilnehmer übrig, die dann eine Ruhepause von einer Woche einlegen dürfen, bevor es zum letzten, alles entscheidenden Auftritt im Finale geht.
Am 30. Mai wird Gilles Ledure dann die magischen Worte aussprechen "First Prize, Queen Elisabeth International Grand Prize, Queen Mathilde Prize…:". Welchen Namen er danach verkünden wird, darauf werden in den nächsten Wochen wohl noch allerlei Wetten abgeschlossen werden.
Patrick Lemmens