Bei der AS Eupen gab es eine erfreuliche Nachricht zwischen den Pfosten: Marco Hiller feierte sein Comeback. Der deutsche Schlussmann hatte zuletzt am 2. Spieltag der Challenger Pro League das Eupener Tor gehütet. Danach zwangen ihn eine Operation an den Adduktoren und eine langwierige Rehabilitation zu einer Pause. Nach zwei Monaten und elf Tagen kehrte Hiller nun als Nummer eins der Ostbelgier zurück.
Ansonsten nahm Eupens Trainer Felice Mazzu im Vergleich zur 1:2-Niederlage am vergangenen Wochenende gegen Spitzenreiter Beerschot kaum Veränderungen an seiner Startelf vor. Lediglich Youndje rückte für Caliskan in die Anfangsformation. Weiterhin verzichten mussten die Eupener auf den angeschlagenen Sandro Vidigal. Auch Mazzu selbst durfte wieder auf der Trainerbank Platz nehmen. Der Eupener Coach hatte nach dem Abpfiff der Partie gegen Beerschot die Rote Karte gesehen, war unter der Woche jedoch vom Sportschiedsgericht freigesprochen worden.
Unter den Zuschauern befand sich mit Mijat Maric auch ein alter Bekannter. Der ehemalige Innenverteidiger gehörte in der Saison 2009/2010 jener Eupener Mannschaft an, die erstmals in der Vereinsgeschichte den Aufstieg in die 1. Division schaffte. Mittlerweile ist Maric als Koordinator im Talentmanagement des Schweizer Erstligisten FC Lugano tätig.
Die Gäste aus Virton, die ohne mitgereiste Fans auskommen mussten, gingen die Begegnung zunächst abwartend an und überließen den Ostbelgiern weitgehend die Initiative. Die erste gefährliche Aktion gehörte allerdings der Mannschaft aus der Provinz Luxemburg. Maxime Guillaume zog aus der Distanz ab und zwang Hiller zu einer sehenswerten Flugeinlage. Der Eupener Schlussmann lenkte den Ball zur Ecke und bewies damit gleich bei seinem Comeback seine Qualitäten.

Offensiv taten sich die Hausherren zunächst schwer, gegen die kompakt stehenden Gäste gefährliche Räume zu finden. Nach 24 Minuten forderte Mazzu von seiner Mannschaft lautstark mehr Bewegung – und prompt ergab sich die erste nennenswerte Gelegenheit. Kapitän Gavory kam zum Abschluss, setzte den Ball jedoch knapp neben das Tor.
Eupen erhöhte nun den Druck. Zunächst wurde Simakala nach einem Zuspiel von Nadje in aussichtsreicher Position angespielt, legte sich den Ball aber etwas zu weit vor. Wenig später versuchte es Delaurier-Chaubet mit einem Schuss im gegnerischen Strafraum, der jedoch von einem Virtoner Abwehrspieler geblockt wurde.
Danach verflachte die Partie wieder, ehe es in der 40. Minute plötzlich turbulent wurde. Igor Plastun ging nach einem Zweikampf mit Dembele im Strafraum zu Boden. Schiedsrichter Jasper Vitse zeigte auf den Elfmeterpunkt. Auch nach der Überprüfung der Bilder blieb der Unparteiische bei seiner Entscheidung.
Chance Simakala übernahm die Verantwortung. Der Eupener Angreifer ließ Virtons Torhüter vom Punkt keine Chance, verlud ihn und verwandelte souverän zur 1:0-Führung der Hausherren. Für Simakala war es bereits der dritte Saisontreffer. Mit diesem knappen Vorsprung verabschiedeten sich die Eupener nach einer über weite Strecken ereignisarmen, zum Ende hin aber deutlich lebhafteren ersten Halbzeit in die Kabinen.

Auch nach dem Seitenwechsel brauchte die Begegnung einige Zeit, um wieder Fahrt aufzunehmen. In der 57. Minute schlugen die Gäste dann allerdings sehenswert zu. Junior Ntenda fasste sich aus der zweiten Reihe ein Herz und ließ Hiller mit einem präzisen Schuss keine Abwehrchance. Das 1:1 brachte Virton zurück ins Spiel.
Felice Mazzu reagierte und brachte nach etwas mehr als einer Stunde mit Isaac Nuhu für Logan Delaurier-Chaubet eine frische Offensivkraft.
In der 68. Minute zeigten die Eupener eine ihrer besten Kombinationen des Spiels. Nach einem sehenswerten Angriff durch den Strafraum bediente Simakala den eingewechselten Nuhu mit der Hacke. Dessen Abschluss strich jedoch knapp am Tor vorbei. Wenig später legte Mazzu mit einem Doppelwechsel nach: Marechal ersetzte Müller, während Caliskan für Youndje ins Spiel kam.
Doch statt der erhofften erneuten Führung für die Hausherren schlugen die Gäste ein zweites Mal zu. In der 79. Minute war es Goudani, der mit einem weiteren sehenswerten Treffer die Partie endgültig auf den Kopf stellte. Aus dem 1:0 zur Pause war ein 1:2 geworden. Eupen stand plötzlich vor der dritten Saisonniederlage.
Die Ostbelgier warfen in der Schlussphase noch einmal alles nach vorne. In der 86. Minute hatte der eingewechselte Sulejmani den Ausgleich auf dem Fuß. Sein Abschluss wurde jedoch in letzter Sekunde noch vor der Torlinie geklärt. Die große Chance auf das 2:2 war dahin. Auch in der Nachspielzeit kratzte Virton noch einen Ball von der Linie.
Am Ende blieb es beim 1:2. Nach einer Pausenführung musste sich die AS Eupen gegen effizientere Gäste aus Virton geschlagen geben und kassierte damit ihre dritte Niederlage in der laufenden Saison.
Für die Mannschaft von Felice Mazzu gilt es nun, die Enttäuschung schnell abzuschütteln. Am kommenden Wochenende wartet mit dem Auswärtsspiel beim Lierse SK die nächste Aufgabe auf die Ostbelgier.
Hiller nach AS-Niederlage: „Vom Kopf her waren wir nicht bereit"
Nach der 1:2-Heimniederlage der AS Eupen gegen Virton zeigte sich Torhüter Hiller bei seinem Comeback enttäuscht. Für ihn war vor allem die fehlende mentale Bereitschaft in der zweiten Halbzeit ausschlaggebend. "Die wollten es mehr und deswegen haben sie gewonnen", erklärte Hiller. Nach einer guten ersten Hälfte und der 1:0-Führung habe die Mannschaft unerklärlicherweise nachgelassen. "Wir waren vom Kopf nicht bereit, an die 100 Prozent zu gehen."
Auch die beiden Gegentreffer ärgerten den Schlussmann, der nach zwei Monaten und elf Tagen erstmals wieder zwischen den Pfosten stand. Hiller bemängelte sowohl das Defensivverhalten als auch die mangelnde Chancenverwertung. Die zweite Niederlage in Folge müsse nun aufgearbeitet werden. "Ich hoffe, dass wir diese Woche eine Lösung finden und am Sonntag die passende Antwort liefern."
Radio-Interview mit AS-Keeper Marco Hiller im Player:
Christophe Ramjoie