Die AS Eupen befindet sich derzeit in einer ausgezeichneten Verfassung. Die Schwarz-Weißen haben ihre jüngsten fünf Pflichtspiele gewonnen. Ganz anders sieht die Situation beim kommenden Pokalgegner aus. Der KV Mechelen steht nach einem schwierigen Saisonstart auf dem vorletzten Tabellenplatz der 1. Division A. Ein Sieg, drei Unentschieden und vier Niederlagen stehen bislang zu Buche.
Allerdings hat Mechelen am vergangenen Wochenende ein erstes Ausrufezeichen gesetzt. Mit einem spektakulären 4:3-Erfolg gegen Sint-Truiden gelang der erste Saisonsieg. Für Eupens Trainer Felice Mazzu ist das ein Warnsignal. "Wir treffen auf eine Mannschaft, die gerade wieder Selbstvertrauen getankt hat. Sie hat vier Tore gegen eine sehr gute Mannschaft aus Sint-Truiden erzielt. Das darf man nicht unterschätzen", betont Mazzu.
Vorfreude auf eine große Kulisse
Yentl Van Genechten kennt die Atmosphäre in Mechelen und weiß, was seine Mannschaft dort erwartet. "Das wird ein echtes Spitzenspiel. Wir dürfen wieder im Stadion eines Erstligisten antreten, vor einer tollen Kulisse und gegen eine Mannschaft mit viel Qualität. Das wird eine große Herausforderung, aber vor allem sollten wir dieses Spiel genießen", sagt Van Genechten.
Vor allem die Zuschauer könnten für eine besondere Atmosphäre sorgen. "In Anderlecht spielen wir vor vielleicht 200 Zuschauern, in Mechelen werden es rund 15.000 sein. Das ist schon etwas ganz anderes. Die Fans sitzen dort sehr nah am Spielfeld."
Trotz aller Vorfreude mahnt auch der Eupener Spieler zur Vorsicht. "Mechelen hat gerade 4:3 gegen Sint-Truiden gewonnen. Wir müssen besonders auf ihre Offensive achten."
Die AS Eupen hat durchaus gute Erinnerungen an den KV Mechelen. Beim letzten Aufeinandertreffen im belgischen Pokal setzten sich die Eupener mit 3:1 durch und zogen ins Halbfinale ein. Damals lag die AS zunächst zurück, ehe sie die Partie mit drei Treffern in der zweiten Halbzeit noch drehte.
Für Trainer Felice Mazzu steht fest, dass seine Mannschaft auch im Pokal auf Sieg spielen soll. Eine größere Rotation oder taktische Experimente sind nicht vorgesehen. "Ich habe keine Lust, Dinge auszuprobieren. Ich will dieses Spiel gewinnen. Wir gehen in jede Begegnung mit dem Ziel, sie zu gewinnen. Natürlich wissen wir, dass wir gegen einen Erstligisten spielen. Aber wir wollen alles dafür tun, vielleicht eine kleine Überraschung zu schaffen", erklärt der Eupener Trainer.
Das Pokalspiel sieht Mazzu als Gradmesser für die mentale Stärke seiner Mannschaft. "Es ist ein guter Test, vor allem auf mentaler Ebene. Glauben die Spieler daran, einen Erstligisten schlagen zu können? Werden sie alles dafür tun? Und wie reagieren sie, wenn sie in Schwierigkeiten geraten?" Einen direkten Rückschluss auf die Erstligatauglichkeit seiner Mannschaft will Mazzu aus dem Ergebnis allerdings nicht ziehen.
Das Lachen ist nach Eupen zurückgekehrt
Dass die AS Eupen derzeit so erfolgreich ist, liegt nach Ansicht von Yentl Van Genechten nicht nur an den sportlichen Leistungen. Auch innerhalb der Mannschaft hat sich einiges verändert. "Ich habe das Gefühl, dass wir als Gruppe enger zusammenstehen als in den vergangenen Jahren. Die Trainingseinheiten sind sehr intensiv, aber wir haben eine gute Balance zwischen harter Arbeit und Spaß gefunden. Das ist auch mental enorm wichtig", erklärt der Eupener.
Für Van Genechten stimmt auch die Zusammenarbeit mit dem neuen Trainer. "Persönlich komme ich mit dem Trainer besser zurecht als mit seinem Vorgänger. Wir arbeiten hart, aber es wird auch wieder viel gelacht." Diese positive Stimmung könnte gerade dann wichtig werden, wenn die Mannschaft einmal einen Rückschlag hinnehmen muss.
"Früher haben wir manchmal drei, vier oder fünf Spiele hintereinander nicht gewonnen. Dann war die Stimmung im Training natürlich auch nicht besonders gut. Ich glaube aber, dass wir in dieser Saison als Gruppe enger zusammenstehen und auch mit einer Niederlage besser umgehen können." Eine Einschätzung, die auch Mazzu teilt. "Eine Niederlage ist für mich kein Scheitern. Sie muss uns helfen, Dinge anders zu sehen, daraus zu lernen und uns weiterzuentwickeln."
Für die Eupener steht zunächst ausschließlich das Pokalspiel im Mittelpunkt. Das anschließende Ligaduell gegen Beerschot spielt in den Überlegungen von Van Genechten noch keine Rolle. "Wir schauen zuerst auf Sonntag. Was danach gegen Beerschot passiert, ist eine andere Geschichte. Selbst wenn wir gegen Mechelen verlieren sollten, würde das unser Selbstvertrauen nicht zerstören, solange wir eine gute Leistung zeigen."
Personell kann Mazzu weitgehend aus dem Vollen schöpfen. Lediglich Raphaël Di Matteo und Gaëtan Hendrickx stehen nicht zur Verfügung. Hendrickx hat inzwischen Teile des Mannschaftstrainings wieder aufgenommen. Bei Torhüter Marco Hiller ist ein Einsatz grundsätzlich möglich, aber wohl noch nicht in Mechelen.
Christophe Ramjoie