Die Geschichte des Hill Climbings in Andler begann eigentlich mit der Suche nach einer neuen Herausforderung. In Malmedy hatte es bereits ein Hill Climbing gegeben, doch der dortige Hang war den Verantwortlichen irgendwann zu einfach geworden. In Andler fanden sie schließlich das Gegenteil: einen Hang, der die Fahrer vor eine echte Herausforderung stellte und bis heute seinem Namen alle Ehre macht – den Teufelshang.
Die erste Ausgabe fand sogar noch im Dezember statt. Es lag Schnee, auf dem Gelände standen Holzstapel und die Bedingungen waren mit den heutigen Verhältnissen kaum zu vergleichen. "Wir wollten damals so schnell wie möglich ein Rennen veranstalten und haben deshalb den 17. Dezember genommen", erinnert sich Rainer Baures, der von Anfang an bei der Organisation dabei war.
"Hier lag ein bisschen Schnee, überall standen Holzstapel. Wir hatten vier Fahrer, die hier die Show geboten haben." Damals habe alles mit einer Bierbude begonnen. Heute reicht der Platz kaum noch aus, um die vielen Besucher und Teilnehmer aufzunehmen.
Einer der Männer der ersten Stunde ist Klaus Klein aus der deutschen Eifel. 23 Mal hat er selbst versucht, den Teufelshang zu bezwingen. In diesem Jahr Klein allerdings zuschauen. Eine Operation machte einen Start unmöglich. "Es blutet sehr", sagt Klein. "Ich bin jetzt 68, aber ich wäre einer der ältesten Fahrer hier. Ich würde noch fahren. Aber leider darf ich operationsbedingt nicht mehr an den Start gehen."
Dass er sich den spektakulären Sport trotzdem nicht entgehen lässt, überrascht ihn selbst nicht. "Es steckt im Blut", sagt Klein. Seine Leidenschaft für den Motorsport begann bereits früh. Mehr als 20 Jahre fuhr er Motocross in Belgien. Als er im Fernsehen erstmals Bilder vom Hill Climbing im österreichischen Rachau sah, war für ihn klar: "Da musst du hin." Seine Überzeugung lautet bis heute: "Es gibt keinen Berg, den du nicht mit einer Crossmaschine bezwingen kannst."
Als er damals gefragt wurde, ob er in Andler starten wolle, sagte Klein zu. Für ihn war es ein Heimrennen. Über die Jahre half er zudem dabei, weitere Fahrer zu gewinnen und den Verein zu unterstützen. Besonders stolz ist er heute darauf, die Entwicklung der Veranstaltung miterlebt zu haben. Auch die Begeisterung für den Motorsport hat er an seinen Sohn weitergegeben. "Man sieht das schon mit ihm. Es kann immer etwas passieren, Gott sei Dank ist es bis jetzt gut gegangen."
Aus dem kleinen Rennen von damals ist inzwischen eine Veranstaltung geworden, die weit über die Region hinaus bekannt ist. Fahrer aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Österreich und England waren in Andler zu Gast. Zum Jubiläum kamen sogar acht Fahrer aus Brasilien. Auch Roel Geurts, der den Teufelshang bereits mehrfach bezwungen hat, stellte sich erneut der Herausforderung.
Andler auch ein Hit im Internet
Dass Andler mittlerweile weltweit ein Begriff ist, liegt nicht zuletzt an den sozialen Medien. Spektakuläre Videos von den Versuchen am Teufelshang werden im Internet millionenfach angeklickt. Motorsport-YouTuber aus Deutschland, Amerika und Brasilien kommen nach Andler und tragen die Bilder des Rennens in die ganze Welt.
Für die erstmals als Hauptorganisatorin verantwortliche Francesca Gangolf ist dieser Effekt deutlich spürbar. "Ich denke, das spielt auf jeden Fall mit", sagt sie. "Wir haben YouTuber aus aller Welt – Amerika, Brasilien und natürlich auch große deutsche YouTuber im Motorsport. Die haben uns natürlich sehr populär gemacht."
Die zunehmende Bekanntheit bringt allerdings auch neue Herausforderungen mit sich. Die Fahrer kennen den Hang inzwischen genau und bereiten sich akribisch auf ihre Versuche vor. "Die Fahrer haben die Strecke schon ausgetüftelt, bevor sie hier ankommen", erklärt Gangolf. Sollte die Zahl der Fahrer weiter steigen, könnten künftig Stechen notwendig werden, um den Sieger zu ermitteln.

Auch bei den Besuchern und beim Camping stößt die Veranstaltung inzwischen an ihre Grenzen. Rund um die 25. Ausgabe war das Gelände so voll wie noch nie. Statt zwei wurden diesmal bereits vier Campingplätze eingerichtet. "Kapazitätsmäßig sind wir am Ende – auf jeden Fall beim Campingplatz", sagt Gangolf. Rund 70 Fahrer seien bereits eine sehr gute Zahl. Einige weitere könnten zwar noch verkraftet werden, doch für die Zukunft könnten die Tickets begrenzt werden.
Auch Rainer Baures sieht nur noch wenig Möglichkeiten für weiteres Wachstum. "Viel größer kann es eigentlich nicht mehr werden. Der Platz ist irgendwann ausgeschöpft. Wir haben eine Bühne, zwei Zelte und Bierpavillons. Viel größer geht nicht mehr." Trotzdem überwiegt der Stolz: "Es ist schön zu sehen, wie voll es hier ist."
Und so steht die 25. Ausgabe sinnbildlich für die Entwicklung des gesamten Events. Was einst mit wenigen Fahrern, einer Bierbude und winterlichen Bedingungen begann, hat sich zu einem internationalen Treffpunkt der Hill-Climbing-Szene entwickelt. Der Teufelshang in Andler ist längst Kult – in Ostbelgien, in der Eifel und dank Millionen von Klicks inzwischen auch in der ganzen Welt
Der Teufelshang wird auch in Zukunft nicht einfacher werden. Und genau das dürfte seine größte Stärke sein.
Radio-Interviews mit Rainer Baures, Klaus Klein und Francesca Gangolf im Player:
Christophe Ramjoie


