Für Anthony Bongartz ist der Start bei der IAME Euro Series eine besondere Herausforderung. Der 17-jährige Nachwuchsfahrer, der normalerweise in der Benelux-Serie unterwegs ist, misst sich in Genk mit Fahrern aus ganz Europa und darüber hinaus. Für das MRK Team geht es dabei nicht nur um gute Platzierungen, sondern auch darum, sich gegen die internationale Konkurrenz zu behaupten.
"Das Spezielle ist vor allem das Riesenniveau. Die Leute kommen aus ganz Europa oder sogar aus der ganzen Welt. Gegen die größten Namen und Champions der Kartgeschichte zu fahren, ist sehr schwierig, aber es macht auch sehr viel Spaß."
Dabei sind die Voraussetzungen keineswegs für alle Fahrer gleich. Im Kartsport können die finanziellen Unterschiede enorm sein. Während einige Teams und Fahrer über Budgets von mehreren Hunderttausend Euro verfügen, muss das MRK Team deutlich stärker auf die Kosten achten. "Das ist schon sehr schwierig. Die anderen machen bald jede Session neue Reifen drauf und wir müssen ein bisschen aufs Budget schauen, damit wir nicht allzu viele Reifen verbrauchen."
Gerade im Qualifying wird dieser Unterschied spürbar. Nur vier Minuten bleiben den Fahrern, um eine schnelle Runde zu setzen. Für Bongartz ist das ungewohnt. "In der Benelux-Serie ist das Qualifying normalerweise länger. In vier Minuten ist es sehr schwierig, die Reifen auf Temperatur zu bekommen. Die anderen fahren so viele Rennen und sind es mehr gewohnt, die Reifen schnell auf Temperatur zu bringen und dann sofort eine schnelle Runde zu fahren."
Trotz der schwierigen Bedingungen sieht Bongartz sein Team keineswegs chancenlos. "Ich glaube, wir sind nicht allzu schlecht. Wir können die Leute, die alles mitfahren, schon ein bisschen ärgern", sagt er mit einem breiten Lächeln.
Mit seinen 17 Jahren wirkt Bongartz bereits erstaunlich reflektiert, wenn es um seine sportliche Zukunft geht. Eine klassische Karriere im professionellen Motorsport ist für ihn derzeit nicht das erklärte Ziel. "Ich liebe es zu fahren. Aber Motorsport ist schwierig. Ab dem Zeitpunkt, an dem du ins Auto gehst, sprengen die Budgets noch einmal."
Für Bongartz wäre es deshalb nicht unbedingt reizvoll, in einer kleineren Rennserie mit geringerem Niveau regelmäßig um Siege zu kämpfen. Er sucht lieber die Herausforderung gegen starke Konkurrenz. "Am Ende ist es mir lieber, eine Herausforderung zu haben. Bei guten Kart-Rennen, wo wir auch fahren können, würde ich lieber schöne Resultate machen und ein paar gute Momente haben."
Solche besonderen Momente könnte Bongartz gerade in Genk erleben. Die Rennstrecke gilt als eine der anspruchsvollsten Kartbahnen Europas und war in der Vergangenheit auch Schauplatz wichtiger Rennen zahlreicher späterer Formel-1-Fahrer. Was macht die Strecke so besonders? Für Bongartz ist es vor allem der Grip. "Das ist quasi die einzige Strecke hier, die sehr, sehr viel Grip hat, wie in den Südländern. Dort haben die Strecken viel mehr Grip - und hier auch." Hinzu kommt das hohe Tempo. "Es ist eine sehr schnelle Strecke und sehr schwierig zu fahren. Man muss viel Erfahrung haben und auch ein bisschen Glück im Qualifying."
Entscheidend sei es, die richtige Balance zwischen Geschwindigkeit und Ruhe zu finden. "Es ist sehr schwierig. Aber wenn du es einmal draufhast, musst du immer ruhig fahren. Wenn du das verstanden hast, kannst du auch gute Resultate fahren." Dabei spielt auch der Umgang mit den Reifen eine wichtige Rolle. Wer sie über die einzelnen Sessions und Rennen hinweg schont, kann sich im entscheidenden Finale einen Vorteil verschaffen. "Dann kannst du auch die Reifen in den Rennen behalten, sodass du im Finale immer gut vorne starten kannst und immer schnell bist."
Radio-Interview mit Anthony Bongartz im Player:"
Christophe Ramjoie