Die Entscheidung der Fifa, die automatische Sperre gegen US-Nationalstürmer Folarin Balogun auszusetzen, sorgt kurz vor dem WM-Achtelfinale zwischen den USA und Belgien für heftige Diskussionen. Während die US-Auswahl ihren erfolgreichsten Angreifer einsetzen kann, spricht der Belgische Fußballverband (KBVB) von einer nicht nachvollziehbaren Entscheidung und geht in Berufung
Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina nach einem Zweikampf mit Tarik Muharemovic die Rote Karte gesehen. Der Stürmer der AS Monaco trat seinem Gegenspieler im Fallen auf den Knöchel. Nach Eingriff des Video-Assistenten überprüfte Schiedsrichter Raphael Claus die Szene und entschied auf Platzverweis. Nach den Fifa-Regularien hätte dies eigentlich automatisch eine Sperre für das nächste Spiel bedeutet.
Dennoch gab die Fifa überraschend bekannt, die Umsetzung der Ein-Spiel-Sperre gemäß Artikel 27 des Fifa-Disziplinarreglements für ein Jahr auf Bewährung auszusetzen. Eine inhaltliche Begründung für diesen außergewöhnlichen Schritt lieferte der Weltverband nicht.
Für zusätzliche Brisanz sorgen Medienberichte von The Athletic und der Nachrichtenagentur AP. Demnach soll US-Präsident Donald Trump nach Baloguns Platzverweis persönlich Fifa-Präsident Gianni Infantino angerufen haben, um sich für eine Aufhebung der Sperre einzusetzen. Weder die Fifa noch das Weiße Haus haben diese Berichte bislang bestätigt oder dementiert. Kurz nach der Entscheidung bedankte sich Trump allerdings auf seiner Plattform Truth Social bei der Fifa dafür, "das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit beseitigt" zu haben.
Der Belgische Fußballverband reagierte mit scharfer Kritik. In einer offiziellen Stellungnahme erklärte der KBVB, man sei über die Entscheidung "fassungslos". Der Verband verweist auf Artikel 66.4 des Fifa-Disziplinarreglements sowie auf Artikel 10.5 des WM-Reglements, wonach eine direkte oder Gelb-Rote Karte automatisch eine Sperre für das nächste Spiel nach sich zieht. Diese Regel sei während des gesamten Turniers konsequent angewendet worden und sei den teilnehmenden Verbänden zudem mehrfach - unter anderem in einem Fifa-Rundschreiben vom 12. Mai 2026 sowie bei den offiziellen WM-Workshops - ausdrücklich bestätigt worden.
Aus Sicht des KBVB steht die Entscheidung deshalb im Widerspruch zu den geltenden Turnierbestimmungen. Der belgische Verband hat inzwischen Einspruch eingelegt. Zuvor hatte er bereits angekündigt, sämtliche juristischen und sportrechtlichen Möglichkeiten zu prüfen, um die Interessen aller teilnehmenden Mannschaften zu schützen und die Grundsätze des Fair-Play zu wahren.
Damit steht das Achtelfinale zwischen den USA und Belgien bereits vor dem Anpfiff unter einem Schatten. Sollte sich der Verdacht einer politischen Einflussnahme bestätigen oder die Fifa ihre Entscheidung nicht nachvollziehbar begründen, dürfte der Fall Balogun weit über dieses Turnier hinaus für Diskussionen sorgen.
Christophe Ramjoie