"Im Kongo ist Fußball weit mehr als nur ein Sport - er ist eine echte Religion", sagt Glody Kudura, der unter anderem beim RFC Raeren-Eynatten und dem FC Eupen aktiv war. "Mit all den Herausforderungen und Prüfungen, die wir durchmachen, ist er einer der wenigen Momente, in denen das Land Krieg und Sorgen für einen Augenblick vergessen kann."
Geboren in Kinshasa, kam Kudura bereits im Alter von drei Jahren mit seiner Familie nach Deutschland. Seine Jugend verbrachte er zwischen Deutschland und Belgien, wo er auch seine schulische Laufbahn absolvierte. Gleichzeitig blieb er seiner Heimat stets eng verbunden und reiste regelmäßig nach Kinshasa zurück. Diese doppelte Prägung habe seinen Blick auf Identität und Zugehörigkeit nachhaltig geprägt.
Auch familiär ist Kudura tief mit der politischen Geschichte seines Herkunftslandes verbunden: Sein Vater war unter anderem Informationsminister, National- und Provinzabgeordneter sowie später Sprecher des Präsidenten. Seine Mutter war ebenfalls als Nationalabgeordnete politisch aktiv. Diese Erfahrungen hätten ihm früh ein Bewusstsein für Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt vermittelt.
Später erhielt Kudura zudem die Möglichkeit, im Kabinett seiner Schwägerin zu arbeiten, die damals Jugendministerin war. Dort war er zunächst stellvertretender Kabinettsdirektor und übernahm später zeitweise die Funktion des kommissarischen Kabinettsdirektors.

Besonders eindrücklich beschreibt er die Rolle des Fußballs im Alltag der Menschen im Kongo. Die Nationalmannschaft - die "Leoparden" - vereine das Land über soziale und politische Grenzen hinweg. "Das ganze Land steht hinter den Leoparden. Vom kleinsten Kind bis zur Großmutter verfolgt jeder die Spiele", so Kudura. Selbst in seiner eigenen Familie sei die Begeisterung enorm: Seine Mutter verfolge die Spiele mit großer Leidenschaft und kenne viele Spieler im Detail.
Auch in der kongolesischen Diaspora sei diese Verbundenheit deutlich spürbar, etwa beim Freundschaftsspiel gegen Dänemark in Lüttich. Dort war das Stadion innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, die Atmosphäre geprägt von Euphorie, Stolz und emotionaler Unterstützung.
Für Kudura steht daher fest, dass die Nationalmannschaft weit über den Sport hinausgeht. Sie sei ein Symbol für Zusammenhalt, Identität und Hoffnung eines ganzen Landes. "Die Leoparden sind nicht nur eine Fußballmannschaft - sie verkörpern die Hoffnung."
Radio-Interview mit Glody Kudura im Player:
Christophe Ramjoie