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Hendrik Van Crombrugge vor der WM: "Belgien muss der neuen Generation Zeit geben"

05.06.202614:20
  • Fußball-WM
  • KAS Eupen
  • Rote Teufel
Genk-Torhüter Hendrik Van Crombrugge mit teamkollegen vor dem Europa-League-Spiel in Utrecht im Januar
Genk-Torhüter Hendrik Van Crombrugge vor dem Europa-League-Spiel in Utrecht im Januar (Bild: Tom Goyvaerts/Belga)

Der ehemalige AS-Eupen-Torhüter und heutige Keeper des KRC Genk, Hendrik Van Crombrugge, blickt mit gemischten Gefühlen auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft. Zwar genießt er zunächst die fußballfreie Zeit im Urlaub, doch sobald das Turnier beginnt, lässt ihn die Faszination des Wettbewerbs nicht los.

"Wenn die WM anfängt, dann spürt man sie überall. Das ist wie eine Mikrobe - wenn du einmal anfängst, ein Spiel zu schauen, wirst du hineingezogen", sagt Van Crombrugge.

Gleichzeitig schaut der Torhüter kritisch auf das neue XXL-Format der Weltmeisterschaft mit 104 Spielen. Für ihn liegen die Gründe für die Erweiterung vor allem im wirtschaftlichen Bereich. "Der Grund ist sehr klar: kommerziell ist eine große WM mit mehr Ländern äußerst interessant. TV-Gelder und Sponsoren bringen deutlich mehr Geld ein."

Sportlich betrachtet äußert er jedoch Zweifel. Die ohnehin langen Saisons würden für die Spieler noch belastender, während die Qualität der Spiele darunter leiden könnte. Zudem fragt er sich, ob die Fans bei einer solchen Vielzahl an Partien bis zur entscheidenden K.-o.-Phase das Interesse aufrechterhalten können.

Selbst wird Van Crombrugge das Turnier nicht nur als Zuschauer verfolgen. Für das flämische Fernsehen wird er als Analyst tätig sein und daher zahlreiche Begegnungen beobachten. Dabei legt er Wert auf klare Worte. "Ich mag es nicht, in Klischees zu reden oder immer politisch korrekt zu sein. Man soll sagen, was man denkt - natürlich respektvoll."

Mit Blick auf die belgische Nationalmannschaft sieht Van Crombrugge eine spannende Übergangsphase. Nach dem Ende der sogenannten Goldenen Generation stehen neue Spieler im Mittelpunkt, während erfahrene Führungskräfte wie Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku und Thibaut Courtois weiterhin wichtige Rollen einnehmen. "Das ist eine sehr gute Basis. Dazu kommen die jungen Talente, die wir in Belgien immer noch haben. Das kann eine gute Mischung aus Erfahrung und Dynamik sein."

Besonders viel erwartet er von Lukaku, der trotz einer von Verletzungen geprägten Saison eine Schlüsselrolle einnehmen könnte. Van Crombrugge bezeichnet ihn als möglichen "Joker" der Mannschaft. Entscheidend sei jedoch, dass der Stürmer früh Spielminuten sammele. "Seine Rolle in der Kabine ist superwichtig. Er hat Charisma, Erfahrung und kann die jungen Spieler mitreißen."

Anders als viele Beobachter glaubt Van Crombrugge nicht, dass Belgien inzwischen völlig auf individuelle Klasse verzichten muss. Zwar sei die aktuelle Generation insgesamt nicht so stark besetzt wie die Goldene Generation, doch Spieler wie Lukaku oder De Bruyne könnten weiterhin den Unterschied ausmachen. Voraussetzung dafür sei eine stabile Defensive. "Belgien muss hinten sicher stehen und dann darauf vertrauen, dass Spieler wie Lukaku oder De Bruyne mit einer individuellen Aktion Spiele entscheiden."

Auf die traditionell starke belgische Torhüterschule angesprochen, zeigt sich Van Crombrugge selbst erstaunt. Von Jean-Marie Pfaff über Michel Preud'homme bis hin zu Courtois habe Belgien seit Jahrzehnten herausragende Torhüter hervorgebracht. "Vielleicht ist etwas im belgischen Boden", scherzt er. Fakt sei jedoch, dass Belgien weiterhin über zahlreiche talentierte Torhüter verfüge und sich um diese Position keine Sorgen machen müsse.

Was die Zukunft der Roten Teufel betrifft, bleibt Van Crombrugge realistisch. Einen WM-Titel hält er derzeit für schwer erreichbar. Dennoch erinnert er daran, dass bereits die Bronzemedaille von 2018 ein außergewöhnlicher Erfolg für ein vergleichsweise kleines Land gewesen sei.

Die wichtigste Aufgabe sieht er darin, der neuen Generation genügend Zeit zur Entwicklung zu geben. "Die Erwartungen müssen etwas heruntergeschraubt werden. Man darf den jungen Spielern nicht zu viel Druck machen, sondern ihnen die Zeit geben, sich weiterzuentwickeln. Dann können wir auch in den kommenden Jahren sehr erfolgreich sein."

Christophe Ramjoie

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