Der zweite Ruhetag beim Giro d’Italia kommt für Tim Rex genau zur richtigen Zeit. Neun Etappen liegen hinter dem Debütanten aus Raeren - und die hatten es bereits in sich. Trotzdem zieht der junge Profi eine positive Zwischenbilanz. "Mir geht’s eigentlich ganz gut", sagt Rex. "Es waren schon ein paar harte Etappen dabei."
Besonders die legendäre Blockhaus-Etappe wird ihm wohl lange in Erinnerung bleiben. "250 Kilometer - und kurz davor hatten wir schon eine andere Etappe mit über 200 Kilometern", erzählt er. Noch extremer seien allerdings die Wetterbedingungen gewesen. "Den ganzen Tag unfassbar Regen, hab ich noch nie mitgemacht. Auf der Straße standen fünf, sechs Zentimeter Wasser, die Gullydeckel sind alle entgegengelaufen. Das war echt nicht normal." Dazu sei es "eiskalt" gewesen. Umso erleichterter zeigt sich Rex: "Bis jetzt, toi toi toi, alles gut durchstanden."
Sportlich läuft der Giro für sein Team bislang nahezu optimal. Kapitän Jonas Vingegaard hat bereits zwei Etappensiege gefeiert und liegt in der Gesamtwertung auf Rang zwei hinter dem Portugiesen Afonso Eulálio. Für Rex ist das ein besonderes Erlebnis: "Es ist natürlich unfassbar cool, dass ich bei meiner ersten großen Rundfahrt direkt bei zwei Etappensiegen dabei war."
Das große Ziel bleibt jedoch klar definiert: das Rosa Trikot in Rom. "Wir sind da, wo wir sein wollen", erklärt Rex. Gleichzeitig mahnt er zur Vorsicht. "Rom ist noch weit. Es sind noch zwölf Etappen vor uns, bis dahin kann noch viel passieren."
Dass Rex inzwischen auch intern im Team immer mehr Anerkennung genießt, zeigt eine Aussage seines Teamkollegen Victor Campenaerts. Der Belgier bezeichnete den Neuling zuletzt als "Geheimwaffe des Teams". Worte, die den Ostbelgier nicht kaltlassen. "Natürlich freut man sich darüber", sagt Rex. "Wir lachen viel miteinander und haben Spaß, aber Campi meinte das schon ernst. Wenn dir so ein Fahrer das sagt, bedeutet das einem schon etwas."
Vor der zehnten Etappe, einem Zeitfahren, bleibt die Zielsetzung für Rex dennoch bescheiden. "Einfach gut durchkommen", sagt er. Kräfte sparen sei angesagt. "Das Ziel ist Rom mit Jonas - und jedes Korn, das man unterwegs sparen kann, wird gespart."
Christophe Ramjoie