"Das Trainingslager verläuft wirklich sehr gut", erklärte Rys. Die Beteiligung sei hoch, zudem verfüge man über Athletinnen und Athleten mit einem guten Niveau in zahlreichen Disziplinen. Auch die Infrastruktur entspreche den Anforderungen. "Alle Einrichtungen sind gut angepasst, das ist für uns natürlich ein wichtiger Punkt."
Das Trainingslager wird mittlerweile zum vierten Mal organisiert. Im Mittelpunkt steht vor allem die Sichtung und Begleitung junger Talente. "Wir wollen auf dem Feld sehen, wie sich Sportler verhalten, die wir neu entdeckt haben oder bereits seit einigen Jahren beobachten", so Rys. Dabei gehe es darum, den aktuellen Leistungsstand zu überprüfen und sicherzustellen, dass die Athletinnen und Athleten auch in ihrem gewohnten Umfeld unter guten Bedingungen trainieren können.
Besonders wichtig sei die Förderung der nächsten Generation. "Das sind Sportler, die noch nicht regelmäßig von der Ligue Handisport begleitet werden, die wir aber im Blick haben. Wir möchten sie in die bestmöglichen Bedingungen bringen."
Neben dem sportlichen Training verfolgt das Lager noch weitere Ziele. Die Teilnehmenden sollen lernen, in einer Delegation zu leben und professionelle Abläufe kennenzulernen. "Natürlich müssen sie in ihrer Disziplin gut trainieren, aber auch alles rundherum ist enorm wichtig", betont Rys. Dazu gehörten Regeneration, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Ernährung, die Betreuung durch Physiotherapeuten sowie mentale Vorbereitung. "Diese Aspekte versuchen wir ihnen während des Lagers ebenfalls zu vermitteln."
Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, Talente Schritt für Schritt an die internationale Spitze heranzuführen. "Unser Ziel ist es, jeden so weit wie möglich zu bringen", sagt Rys. Für einige könne das eine internationale Klassifizierung und erste Einsätze auf internationaler Ebene bedeuten, für andere langfristig sogar die Teilnahme an den Paralympischen Spielen in Los Angeles oder Brisbane.
Im internationalen Vergleich sieht Rys Belgien auf einem guten Weg, verweist aber auch auf Vorbilder. Besonders die Niederlande seien im paralympischen Sport hervorragend aufgestellt. "Die Zusammenarbeit zwischen dem paralympischen und dem olympischen Komitee ist dort beeindruckend. Davon können wir viel lernen." Zugleich gebe es bereits Kooperationen mit Frankreich. Französische Talente nahmen am aktuellen Lager teil, im Gegenzug werde die belgische Delegation im Sommer an einem französischen Nachwuchslehrgang teilnehmen.
Ein entscheidender Faktor bleibe jedoch das Budget. "Natürlich wäre es fantastisch, über ähnliche Mittel wie die Niederlande zu verfügen", sagt Rys. Zwar werde die Ligue Handisport Francophone bereits gut unterstützt, zusätzliche finanzielle Mittel würden aber direkt in die Entwicklung des Sports und die Professionalisierung fließen.
Mit Blick auf die Zukunft zeigt sich die sportliche Direktorin optimistisch. Die Liga verfüge bereits heute über ein starkes paralympisches Team mit Aushängeschildern im Radsport, Tischtennis, Reitsport und Triathlon. Nach Erfolgen bei den Paralympics in Paris richte sich der Fokus nun auf Los Angeles. "Wir wollen weiter an der Basis arbeiten, damit die jungen Sportlerinnen und Sportler den Weg nach Los Angeles und Brisbane schaffen und die Farben des belgischen Paralympismus weiter erfolgreich vertreten."
Auch Mannschaftssportarten sollen dabei nicht vergessen werden. "Das ist möglich, aber deutlich kostenintensiver“, erklärt Rys. Als Beispiel nennt sie das Goalball-Team, das bereits in Tokio bei den Paralympics vertreten war. "Wir unterstützen diese Mannschaft weiterhin und hoffen, sie wieder zu den Spielen führen zu können."
Christophe Ramjoie


