Tim Rex,der Radprofi aus Raeren, hat mit seinen Starts bei Strade Bianche und Tirreno-Adriatico erstmals als Profi teilgenommen - auch wenn es nicht sein genereller Einstieg in den Profiradsport war. Vielmehr markierten diese Einsätze einen wichtigen Schritt hin zur absoluten Weltspitze, ins "Konzert der Großen", wie er es selbst erlebt.
Besonders die Strade Bianche bleibt ihm in eindrucksvoller Erinnerung. "Es war ein megageiles Rennen", sagt Rex rückblickend und hebt neben der sportlichen Herausforderung auch die besondere Atmosphäre hervor: "Die Region da, Toskana, ist super schön." Von Beginn an war er mitten im Renngeschehen: "Ich war in der Ausreißergruppe, hatte gutes Wetter, und von Start bis Ziel war eigentlich nur Vollgas." Dass er direkt in seinem ersten Profijahr bei einem solchen Prestige-Rennen starten durfte, weiß er sehr zu schätzen: "Da bin ich extrem dankbar dem Team gegenüber."
Bei Tirreno-Adriatico kam eine zusätzliche emotionale Komponente hinzu, denn Rex stand dort erstmals gemeinsam mit seinem Bruder Laurenz in einem Profirennen am Start. "Das war eigentlich ganz lustig", erzählt er. "Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich meinen Bruder dieses Jahr wieder gesehen habe - und dann trifft man sich auf dem Rennen." Trotz aller Lockerheit blieb der sportliche Blick geschärft: "In den Sprints habe ich immer von hinten zugeguckt, ob der auch seine Arbeit richtig macht."
Sportlich stellte Tirreno-Adriatico für den jungen Raerener eine enorme Herausforderung dar. "Das war echt ein hartes Rennen", fasst er zusammen. Lange Etappen über mehr als 200 Kilometer, Regen und Tage mit fast sechs Stunden im Sattel bedeuteten eine neue Dimension: "Das ist dann doch nochmal ein Sprung im Vergleich zu letztem Jahr." Dennoch konnte er auf der Königsetappe wichtige Arbeit für sein Team leisten: "Da habe ich wirklich jedes Kraut, was ich noch hatte, verschossen." Entsprechend erschöpft, aber zufrieden erreichte er das Ziel der Rundfahrt: "Am letzten Tag war ich froh, als wir drüber gefahren sind."
Nach diesen intensiven Erfahrungen freute sich Rex besonders auf die Rückkehr in seine Heimat. "Ich bin unfassbar gerne zu Hause", sagt er über Raeren. "Wir sind so viel unterwegs, da ist es einfach schön, wieder da zu sein." Für ihn ist die Heimat der Ort, an dem er am besten regenerieren kann - auch wenn die Zeit dort meist knapp bemessen ist.
Die nächsten Herausforderungen warten bereits. Mit Gent-Wevelgem steht ein weiteres Monument des Frühjahrskalenders bevor. "Das ist über 250 Kilometer lang, so ein Rennen bin ich noch nie gefahren", erklärt Rex, der sich selbst eher als Bergfahrer sieht und vor allem Respekt vor den gefürchteten Windkanten hat: "Da werde ich mein Bestes geben und probieren, meinen Mann zu stehen."
Ein mögliches Highlight im weiteren Verlauf des Frühjahrs ist zudem Lüttich-Bastogne-Lüttich - ein Rennen, das für Rex eine ganz besondere Bedeutung hat. "Das ist für mich quasi ein Heimrennen", sagt er. Große Teile der Strecke kennt er aus dem Training, und schon in der U23 konnte er dort überzeugen. Entsprechend groß ist die Hoffnung, auch als Profi an den Start zu gehen - bei einem Rennen, das sich für ihn fast wie ein Stück Kindheit anfühlt.
Christophe Ramjoie