Hat die AS ein Problem mit Fans?

Einige Fans der AS Eupen haben in den letzten Wochen für negative Schlagzeilen gesorgt. Der Becherwurf im Heimspiel gegen die Union Saint-Gilloise wurde noch als Frusttat abgetan. Die Ausschreitungen im Derby gegen Standard Lüttich waren von nie gewesener Tragweite. Das Werfen von Pyrotechnik auf den Platz war nur die Spitze des Eisbergs. Unruhe und Schlägereien innerhalb der Fangruppierungen sorgten zusätzlich für einen unrühmlichen Abend.

Standard Lüttich vs. AS Eupen: Pyrotechnik auf dem Spielfeld (Bild: Virginie Lefour/Belga)

Standard Lüttich vs. AS Eupen: Pyrotechnik auf dem Spielfeld (Bild: Virginie Lefour/Belga)

Was ist los bei einigen Fans?

Eric Hellebrandt: Ich glaube, man kann effektiv davon sprechen, dass es gewisse Leute gibt, die ein aggressives und schlechtes Verhalten an den Tag legen – und das jetzt schon seit längerem.

In den letzten Wochen haben sich diese Phänomene gehäuft. Es gab jetzt eine E-Mail, wo Sie schreiben, dass Sie dieses Verhalten überhaupt nicht gutheißen, nicht tolerieren. Mit dieser Ankündigung ist es nicht getan, sondern da werden noch andere Konsequenzen folgen, oder?

Christoph Henkel: Ja, bei weitem nicht. Das ist klar, dass man durch einen Appell nicht das Verhalten verändern kann. Aber wir wollten uns schon klar positionieren in dieser Frage. Und wir, und ich persönlich, sind sehr, sehr enttäuscht, dass es innerhalb unserer Fans auch zu solchen Unstimmigkeiten kommt und dass der Charakter, den die KAS Eupen eigentlich hat, als kleine Familie doch arg beschädigt wurde. Das muss man ganz klar sagen und das ist sehr, sehr enttäuschend. Wobei ich auch natürlich die Problematik insgesamt gerne etwas weiter fassen würde, als sie auf den Fußball, auf das Stadion zu beschränken.

In den letzten Wochen ist es beim Fußball zu Unstimmigkeiten, zu Ausschreitungen gekommen. Die Fans haben sich untereinander zum Teil geprügelt. Wodurch ist dieses Phänomen, welches nicht nur in Eupen und nicht nur im Eupener Fanblock geschehen ist, entstanden? Wie ist das zu erklären, dass es in den letzten Wochen in Belgien zugenommen hat?

Eric Hellebrandt: Ich bin kein Psychologe, aber ich glaube schon, dass eine gewisse Unzufriedenheit bei gewissen Bevölkerungsgruppen im Moment zu erkennen ist und dadurch dann auch dieses schnell aggressive Verhalten entsteht? Man hat sich einfach nicht mehr im Griff. Wir haben ja auch Spiele gehabt, da wurden Feuerzeuge auf den Platz geworfen. Das haben wir noch nie gehabt. Die Zündschnur ist einfach viel kürzer geworden, habe ich den Eindruck, wenn man es so ausdrücken kann. Und das spiegelt sich dann auch im Fußballstadion wider.

Wenn ich dieses Bild vom familiären Flair bei der AS Eupen aufgreifen darf: Sie als Familienvater haben jetzt diesen Appell an die Fans gerichtet. Was können Sie dann noch konkret tun, um solche Zwischenfälle in Zukunft zu verhindern?

Christoph Henkel: Wir können das nicht sicherstellen, dass es nicht mehr passiert. Aber wir können versuchen, in Gespräche zu gehen. Das ist, glaube ich, erst mal ganz wichtig, dass man sich mit den Betroffenen, mit den Beteiligten an einen Tisch setzt und gemeinsam Dinge ausdiskutiert und versucht, dort eben Lösungen zu finden. Gespräche führen, ist ein wichtiger Weg.

Der zweite Punkt ist, dass man die Verursacher dann auch ausfindig macht und sie entsprechend bestraft. Wir haben das angekündigt und werden das auch tun, dass wir natürlich die Bestrafung, die wir als Verein jetzt erst einmal stellvertretend für diesen Schaden leisten müssen, noch an die Verursacher weiterreichen werden.

Jetzt sind Bestrafungen die eine Sache, Kontrolle im Vorfeld eine ganz andere. Im Vorfeld werden Fans oftmals kontrolliert. Eine klassische Frage seit Jahrzehnten: Wie kann Pyrotechnik immer noch ins Stadion gelangen?

Eric Hellebrandt: Es gibt diverse Möglichkeiten. Entweder ist es schon vorher da, dass man es vorher irgendwie bei irgendwelchen Aktionen oder so versteckt hat. Es ist ja auch teilweise klein. Wir haben auch schon mal einfach Puder gefunden, das auf die Tribünen gekippt worden ist und das man nur anzünden muss. Also es gibt vieles. Es ist ja nicht so, dass wir nichts finden. Wir finden regelmäßig Pyrotechnik. Die Leute, die das dabei haben, werden protokolliert. Aber es ist sehr schwierig, alles zu finden und es gibt immer Möglichkeiten, es rein zu bekommen.

Man muss ja auch sagen, die Polizei durchsucht, aber in erster Linie sind das die Stewards. Aber für die Stewards sind vom Gesetzgeber her die Mittel beschränkt, die dürfen eigentlich nur eine Abtastung machen. Das ist schwierig, weil die Objekte teilweise sehr klein sind.

Aber um auf das Spiel zurückzukommen: Wir haben im Vorfeld Pyrotechnik aufgefunden und die Leute werden protokolliert. Die Stewards haben ihren Job gut gemacht vor dem Eingang und haben Pyrotechnik gefunden. Das ist nicht so, wie das manchmal im Volksmund so heißt: „Die machen ja sowieso nix, die gehen nicht ran“. Das stimmt nicht.

Im Spiel gegen die Union Saint-Gilloise war die Stimmung aufgeheizt. Nach diesem Führungstreffer von Union fühlte sich der Eupener Block provoziert. Im Spiel gegen Standard Lüttich gab es auch eine gewisse Vorgeschichte.

Christoph Henkel: Ja, es gab auch im letzten Jahr Auseinandersetzungen zwischen den Fangruppierungen, die sicherlich nicht dazu beigetragen haben, dass man mit großer Freude aufeinander trifft. Das ist mir schon klar. Insofern gibt es immer Gründe, warum möglicherweise bestimmte Emotionen dann dort zum Ausdruck kommen oder eben passieren. Ich glaube aber, dass man natürlich den Fußball hier als eine Bühne sehen muss, wo ein bestimmter Zeitgeist auch dann eben Ausdruck findet und ausgelebt wird. Es ist nicht ursächlich der Fußball, der da die Schuld alleine trägt, sondern es ist natürlich die Bühne, wo bestimmte Dinge ausgelebt werden von einzelnen wenigen und sicherlich die Zahl der Mitläufer, immer viel, viel größer ist als derjenigen, die möglicherweise dort vielleicht auch anstiften oder auch tatsächliche Straftaten begehen.

Ich glaube, dass man da sehr unterscheiden muss, dass man keine pauschalen Verurteilungen machen kann, sondern dass man wirklich die einzelnen Verursacher und die Gründe eben auch ausfindig machen muss und dort eben auch ansetzen muss. Es ist aus unserer Sicht sehr, sehr bedauerlich, dass es eben in dem Fanblock zu solchen Vorkommnissen kommt und die Fans untereinander insgesamt sich gestritten haben und es zu diesen Auseinandersetzungen gekommen ist. Das ist weit entfernt von dem, was wir eigentlich anstreben, dass die Fans alle geschlossen auch hinter der Mannschaft stehen, uns positiv unterstützen.

Insgesamt hat es auch weitreichende Konsequenzen für einen Club wie die AS Eupen – erst einmal finanzieller Natur, dass man mit Strafen belegt wird. Aber auch, dass andere Fans ausbleiben, die nicht mehr ins Stadion kommen oder nicht mehr die Fahrt auswärts mitmachen, weil sie Angst haben vor diesen einigen wenigen chaotischen Fans.

Christoph Henkel: Ja, definitiv. Der Fußball an sich und wir speziell jetzt in diesem Fall verlieren erheblich durch solche Aktionen. Es ist ein großer wirtschaftlicher Schaden, der uns entstanden ist durch die Situation und auch ein Folgeschaden, weil sicherlich der eine oder andere sich jetzt überlegen wird, dass er in diesem Umfeld eben eine solche Reise nicht mehr antreten wird. Was ich persönlich gerade für Familien und für Kinder und Jugendliche absolut nachvollziehen kann, denn die Sicherheit muss gewährleistet sein, wenn man ein Stadion besucht. Das hat auch in vielen Umfragen gezeigt, dass das für alle Besucher der wichtigste Grund ist, wenn man ein Stadion besucht, das man dort sich sicher fühlen kann und gut aufgehoben ist.

Wie kann man den Hebel jetzt aus polizeilicher  Sicht wieder umlegen um den Ausschreitungen entgegenwirken?

Eric Hellebrandt: Wir haben auch versucht, mit den Fans zu reden. Wir haben uns mit dem Club zusammengesetzt und haben geguckt, was man machen kann. Wenn wir als Polizisten Straftaten feststellen, müssen wir diese protokollieren, was dann im Endeffekt Stadionverbote nach sich zieht. Die Leute, die quasi die öffentliche Ordnung gefährden im Stadion, dürfen nicht ins Stadion reinkommen, das ist so vorgesehen. Wir machen Protokolle, schicken die zum Innenministerium, oder je nachdem, bei Personen- oder Materialschaden zur Staatsanwaltschaft und dann gibt es ein Verfahren, was dann erhebliche Geldstrafen und Stadionverbote nach sich zieht.

Wir haben es versucht mit Reden, aber es gibt ein Limit und das ist bei weitem überschritten. In den größeren Clubs sieht das vielleicht auch so aus. Aber wir sind hier in Eupen und die Leute wollen das nicht haben, wir wollen das nicht haben als Polizei, der Verein will das nicht haben und die anderen normalen Fans wollen das auch nicht. Also bleibt uns eigentlich nichts anderes übrig, als die Leute quasi zu protokollieren und dann Stadionverbote auszusprechen.

Wünscht man sich dann als Vereinsverantwortlicher, dass dieses Prozedere schneller vonstatten geht?

Christoph Henkel: Ja, natürlich ist es wünschenswert, dass man schnell Maßnahmen ergreifen kann, aber ich betone nochmal, dass es dann wirklich auch um die Verursacher geht, die man dort erst mal identifizieren muss und vielleicht auch dort Maßnahmen ergreifen muss. Ich möchte aber noch einmal darauf hinweisen, dass der Fußball an sich und auch wir in Eupen mehr über unsere Jugendarbeit und generell, über die Förderung von Jugendlichen eigentlich schon sehr, sehr viel tun, um sich an Werten zu orientieren, um eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu haben. Die Jugendlichen, die Sport treiben, die aktiv sind, sind erfahrungsgemäß auch eher davor gefeit, sich möglicherweise auch anderweitig negativ zu verhalten und können sich dort besser an die Situation anpassen. Ich glaube, dass wir langfristig neben den kurzfristigen Maßnahmen einer Strafverfolgung natürlich insgesamt an der Atmosphäre, an den Werten arbeiten müssen.

cr/ch