Ostbelgische Fußballclubs: „Im Moment weiß keiner, wie es weitergeht“

Welche Auswirkungen haben die Corona-Maßnahmen auf die ostbelgischen Fußballvereine? Geraten die Clubs nun in finanzielle Engpässe? Machen sie sich Sorgen wegen möglicher Folgen der Krise? Die Vorsitzenden des RFC Raeren-Eynatten, des KFC Weywertz und des KSC Lontzen antworten auf diese Fragen.

RFC Raeren-Eynatten und Spy trennen sich 1:1 (Bild: Christoph Heeren/BRF)

Spiel des RFC Raeren-Eynatten am 1. März (Bild: Christoph Heeren/BRF)

Seit dieser Saison spielt der RFC Raeren-Eynatten in der 3. Division Amateure. „Ich glaube nicht, dass wir in finanzielle Schwierigkeiten geraten“, sagt Präsident Walther Collubry. „Die Ausgaben halten sich ja jetzt in Grenzen und wenn es dann irgendwann, vielleicht Mitte oder Ende April, wieder weitergehen wird, kann man ja wieder aufholen, was uns jetzt verloren gegangen ist.“

In Raeren haben die Verantwortlichen also einen recht besonnenen Blick auf die aktuelle Krise, verbunden mit der Hoffnung auf eine zeitnahe Rückkehr auf den Platz. Immerhin schielt der RFC immer noch auf einen Platz in der Aufstiegsrunde.

Anders ist die Situation bei einem Verein, der nicht um den Aufstieg, sondern noch gegen den Abstieg spielt. Der Präsident des KFC Weywertz, Roland Gilles, ist der Meinung, dass die finanzielle Lage der Vereine stark leidet – und das nicht nur durch die Einstellung des normalen Saisonbetriebs. „Die Kosten laufen weiter. Man hat zwar im Moment keine Ausgaben, aber man muss wissen, dass wir bei uns in der Gegend seit praktisch Ende Dezember keine Spiele mehr gemacht haben, keine Jugendspiele mehr.“

„Dementsprechend haben wir keine Einnahmen gehabt. Im Frühling kommen wir in eine Periode, wo jeder Verein, und das betrifft ja nicht nur Weywertz, Veranstaltungen oder Turniere organisiert. Die gehören zu den wichtigen Einnahmen für den Haushalt. Und die werden uns dieses Jahr fehlen. Ich bin der Überzeugung, dass sich viele Gedanken machen und dass sie Probleme kriegen werden. Und da gehört Weywertz auch dazu.“

In Lontzen wird man den Worten von Roland Gilles wohl zu 100 Prozent zustimmen. Hier ist es das jährliche Sommerfest, das wohl als wichtige Einnahmequelle des Vereins wegfallen wird. Aber auch Einnahmen bei den Heimspielen des KSC Lontzen in der Fleuschergasse sind für den Verein lebensnotwendig.

Deswegen sieht auch Lontzens Präsident, Gerd Malmendier, finanzielle Engpässe auf den Verein zu kommen. „Wir haben laufende Kosten, die wir in irgendeiner Form decken müssen. Wir haben versucht, sie soweit wie möglich runterzufahren, sprich im Bereich Energie. Aber es gibt halt auch andere Fixkosten.“

„Wir haben letztes Jahr eine neue Flutlichtanlage angeschafft, das ist eine finanzielle Belastung“, erklärt Gerd Malmendier. „Da werden wir jetzt schauen müssen, wie wir das in den Griff kriegen, und sicherlich das eine oder andere Gespräch führen. Aufgrund der Tatsache, dass der Spielbetrieb unterbrochen ist – und ich bin sehr skeptisch, ob wir ihn überhaupt nochmal aufnehmen werden – brechen uns fünf von 15 Heimspielen weg. Wir müssen uns kurzschließen, versammeln dürfen wir uns ja nicht, und eine Strategie entwickeln, wie wir mit solchen Kosten umgehen.“

„Wichtigeres als Fußball“

Alle drei Präsidenten sagen deutlich, dass die finanzielle Lage der Vereine momentan nur als nebensächlich zu betrachten ist. Der Fokus soll bei der Gesundheit der Menschen liegen, damit nach der Krise wieder alle gemeinsam auf und neben dem Platz stehen können.

„Derjenige, der momentan nur an seinen Fußballclub denkt, der hat ein kleines Problemchen im Kopf“, findet Roland Gilles vom KFC Weywertz. „Die Welt hat im Moment ganz andere Probleme. Für mich wäre es schon schön, zu wissen, dass in ein paar Wochen oder Monaten alle Leute, die mir lieb sind – in der Familie, im Verein, meine Kollegen – dass die dann noch da sind und dass wir uns in die Arme nehmen können und schauen, wie es weitergeht.“

„Ich glaube, im Moment weiß keiner, wie es weitergeht, weil auch keiner weiß, wie lange diese Sache noch andauern kann. Im Moment ist alles stillgelegt bis Anfang April. Ich persönlich bin der Meinung, dass es damit noch nicht getan ist und dass die Maßnahmen noch verlängert und verschlimmert werden“, sagt Roland Gilles.

„Und dann werden jede Menge Leute Probleme kriegen, nicht nur Fußballclubs, auch Betriebe und der Horeca-Sektor. Wir müssen schauen, ob wir unseren Arbeitsplatz nicht verloren haben, ob wir überhaupt noch da sind. Die Welt hat im Moment viele Probleme, die wichtiger sind als Fußball.“

re/km

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