Ein gemeinsamer Gesang der Schülerinnen und Schüler aus dem ersten bis dritten Schuljahr bildete den Empfang für den Gast Dr. João Costa, den Direktor der European Agency for Special Needs and Inclusive Education (EASNIE). An der Gemeinsamen Grundschule in Bütgenbach lernen Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf zusammen in einer Klasse.
"Das Besondere hier ist, glaube ich, dass wir zusätzlich therapeutische Angebote haben, auf die wir zurückgreifen können, damit manche Kinder entsprechend ihren Bedürfnissen ins Lernen kommen können", erklärte Petra Grommes, Schulleiterin der Förderschule in Bütgenbach. Zum Angebot gehören unter anderem Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie. Auch eine Neuropsychologin und eine Krankenpflegerin unterstützen das Team.
Inklusion braucht engagierte Lehrkräfte
Für Dr. João Costa ist die Schule ein gutes Beispiel dafür, wie Inklusion im Alltag funktionieren kann. Neben dem barrierefreien Gebäude hob er vor allem das Engagement der Lehrkräfte und der Schulleitung hervor. "Ich habe Klassenräume betreten und konnte nicht erkennen, welche Kinder besonderen Förderbedarf haben und welche nicht. Das bedeutet, dass Inklusion wirklich funktioniert", sagte Costa.
Die Schule betreut und begleitet rund 200 Schülerinnen und Schüler. Seit dem Start des gemeinsamen Projekts des Zentrums für Förderpädagogik (ZFP) und des Schulzentrums Bütgenbach-Nidrum im September 2015 haben bereits zahlreiche Schulen aus Belgien und anderen europäischen Ländern die Einrichtung besucht, um sich über das Konzept zu informieren. Auch der pädagogische Bauernhof gehört zum Angebot.
Für Bianca Hermann, Schulleiterin der Regelschule in Bütgenbach, ist der Besuche eine große Ehre. "Und es ist immer wichtig, das Kind in den Mittelpunkt zu stellen. Wenn wir Besuch wie diesen bekommen, bestätigt uns das noch einmal in unserer täglichen Arbeit."
Inklusion als gemeinsamer Lernprozess
Dr. João Costa betonte, dass inklusive Bildung in allen Ländern ein fortlaufender Prozess sei. Die Voraussetzungen und verfügbaren Mittel seien unterschiedlich. Deshalb gehe es nicht darum, Länder in eine Rangfolge zu bringen, sondern voneinander zu lernen. "Es ist immer eine Reise, immer ein Prozess. Und das Wichtigste im europäischen Kontext ist, dass wir voneinander lernen", erklärte Costa. Gute Beispiele wie die Schule in Bütgenbach könnten anderen Ländern als Inspiration dienen.
Neben Bütgenbach besuchte der ehemalige portugiesische Bildungsminister am Dienstag auch den Schulcampus in der Eupener Unterstadt. Dort informierte er sich über das inklusive Angebot in der Grund- und Sekundarschule. Zum Abschluss des Tages tauschte er sich mit Ministerpräsident Oliver Paasch und Unterrichtsminister Jérôme Franssen aus.
Robin Emonts



