William Vorhagen, einmal im Jahr stellt Unia seinen Jahresbericht hier im Parlament vor. Es gibt auch einen Ausblick auf die anstehenden Aufgaben. In diesem Jahr hatten Sie natürlich einiges zu berichten, denn da ist einiges in Ostbelgien geschehen, was Unia betrifft.
Genau, also die Vorstellung vom Jahresbericht ist immer Anlass, unsere Aktivitäten belgienweit vorzustellen. Aber auch eben mal zu zeigen, was wir in Ostbelgien machen. Und das ist seit letztem Jahr einiges, weil ich eben im September 2025 eingestellt wurde und es auch seit April 2026 unser Büro in der Gospert gibt. Und ja, ich glaube, durch meine Präsenz ergibt sich einfach vieles: Meldungen von Diskriminierung, aber auch Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort und auch Austausch mit Politik und Zivilgesellschaft.
Sie haben feststellen können, dass die Zahl der Meldungen und der Fälle zugenommen hat in diesem Jahr.
Das führen wir eigentlich vor allem darauf zurück, dass wir eben sichtbar sind, erreichbar sind, vor Ort sind. Die Meldung von Diskriminierung ist auch nicht immer einfach. Das ist etwas, was sehr schmerzhaft sein kann und ich glaub, da spielt es eben eine große Rolle, dass wir vor Ort sind und dass da auch ein persönlicher Kontakt stattfinden kann.
Nun war ein bestimmter Anteil dieser zusätzlichen Meldungen bezogen auf das Fehlen eines Geldautomaten in Manderfeld.
Ja, da verweisen Sie auf eine Problematik, die wir in der gesamten Gesellschaft beobachten und zwar, dass Dienstleistungen zunehmend digitalisiert werden und dass der physische Zugang nicht mehr möglich ist. Und das ist eine Thematik, auf der wir auch heute Aufmerksamkeit gelenkt haben und die auch in unserer Arbeit immer mehr Platz einnimmt.
Was ist denn geschehen mit diesen Meldungen zu dem fehlenden Geldautomaten in Manderfeld?
Wir sind seit Jahren in Verhandlungen mit Batopin, der Gesellschaft, die diese Bankautomaten zur Verfügung stellt und auch mit den Gemeinden, wo diese Bankautomaten vorhanden sind. Es kommen Meldungen aus ganz Belgien zu diesem Thema, dass eben Bankdienstleistungen nicht mehr zugänglich sind. Das heißt, da sind wir aktuell in Verhandlungen mit Batopin. Das ist ein langwieriger Prozess. Leider können wir dann individuell nur zurückmelden, dass die Leute sich gedulden müssen.
Die digitale Teilhabe oder die Nichtermöglichung von Teilhabe an gewissen Dingen, das führt immer mehr auch zu einer Frage der Gleichberechtigung.
Ja, also sehr viele Dienstleistungen, sei es der Zugang zu öffentlichen Verwaltungen, aber auch zu Bankdienstleistungen oder Energiedienstleistungen laufen heute über Apps, über das Internet. Und das führt einfach dazu, dass ein gewisser Teil der Bevölkerung (vier von zehn Belgiern) von diesen Dienstleistungen heute ausgeschlossen sind. Wir denken, dass es da auch nicht darum geht, individuelle Lösungen zu finden, sondern wirklich das Problem auf gesamtgesellschaftlicher Ebene anzugehen.
Wie zuversichtlich sind Sie da?
Ich glaube, dass ein Bewusstsein da ist, dass man nicht so weitermachen und sich darauf verlassen darf, dass ältere Menschen zum Beispiel von ihren Enkeln Hilfe erhalten. Man ist sich mittlerweile bewusst, dass es auch Lösungen auf großer Ebene geben muss. Sei es in der Vermittlung von Kompetenzen, aber auch darin, dass Dienstleister eben Alternativen anbieten, physische Alternativen, dass man vor Ort vorstellig werden kann, noch jemanden am Telefon erreichen kann, noch einen Brief schicken kann. Das ist alles wichtig.
Wie im Fall von Unia in Eupen ...
Genau, wir sind da in unserem Büro. Man kann uns besuchen kommen, man kann uns telefonisch kontaktieren, man kann uns E-Mails schreiben. Also wir möchten für alle zugänglich sein.
Radio-Interview mit William Vorhagen im Player:
Stephan Pesch
Leider ist das Merkmal Sprache in Belgien nicht als Diskriminierung vorgesehen, obwohl wir in Belgien tagtäglich mit dieser Diskriminierung konfrontiert sind.