An der Prümer Straße in St. Vith hieß es am Mittwochabend anpacken. Der Wanderbaum - ein 20 Meter hoher und zwei Tonnen schwerer Baum aus dem St. Vither Wald - sollte bis zum Triangel gezogen werden, und das mit purer Muskelkraft. Hinter der Aktion im Rahmen des 32. Theaterfests von St. Vith steckt das Künstlerkollektiv Timecircus aus Antwerpen.
"Tatsächlich wollen wir den Baum in den nächsten zwei Tagen in zwei Hälften sägen. Und wenn das klappt, wird daraus hoffentlich ein langer Tisch von 40 Metern Länge entstehen, an dem wir am Samstagabend ein Abendessen für 100 Personen ausrichten werden - der Auftakt zum letzten Abend des Theaterfestes", erklärt Griet Wils von Timecircus.
Timecircus ist schon seit 20 Jahren aktiv und bekannt für Aktionen wie diese. Vor einigen Jahren hat das Kollektiv zum Beispiel das Landschiff, eine vier Meter hohe und zwölf Meter lange Holzkonstruktion, ein Jahr lang und über 3.000 Kilometer von Antwerpen nach Griechenland gezogen. Ziel der Künstler ist es, scheinbar Unmögliches möglich zu machen - aber nicht alleine.
Das ist auch beim Theaterfest in St. Vith nicht anders. Jeder ist willkommen, dabei zu helfen, den Baum längs zu zerteilen und aus dem Holz den Tisch zu bauen. "Wir lassen uns gern Zeit, treffen unterwegs gern Menschen und versuchen Verbindungen zu schaffen", so Wils. "Wir spüren, dass wir damit etwas bewirken - für die Welt und die Menschen um uns herum -, etwas, das wir als wichtig empfinden."
Neben den Künstlern waren auch einige Schaulustige und spontane Helfer an der Prümer Straße unterwegs. Nachdem das Kollektiv den Baum noch einigermaßen gut aus dem Wald auf die Straße befördert hatte, stieß die Truppe aber schon bald auf Probleme und war deutlich langsamer als vorgesehen. Der Versuch, den Stamm mit purer Muskelkraft zum Triangel zu befördern, musste schließlich abgebrochen werden.
Der Stamm blieb zunächst am Wegesrand zurück. Die Teilnehmer ließen sich dadurch aber nicht den Spaß verderben. Mit musikalischer Untermalung durch die Königliche Musikgesellschaft "Edelweiss" Crombach trug die Gruppe schließlich einfach einen imaginären Baum zum Triangel.
"Wir sind nicht enttäuscht, es war unser erster Versuch", sagt Wils. "Wenn es nicht klappt, den Baum mit Muskelkraft zu bringen, dann nehmen wir eben die Hilfe an, die uns angeboten wird. Einer der Musiker liefert professionell Bäume und hat uns seinen LKW angeboten. Wir werden mit ihm sprechen und schauen, was möglich ist. Wir werden morgen auf jeden Fall damit beginnen, den Baum zu teilen, und das Essen am Samstag wird an dem Tisch aus dem Holz stattfinden."
Bis dahin bleiben beim Theaterfest aber natürlich auch allerhand andere Stücke und Workshops zu entdecken. Unter dem Motto "Belonging", also "Zugehörigkeit", soll das Theaterfest für viele tolle Begegnungen und Gemeinschaft sorgen.
"Unser größter Wunsch ist, dass die Säle sich füllen, dass die Angebote angenommen werden und wir viele neue Gesichter sehen und die Menschen dann etwas mitnehmen von hier, das ihnen gut tut", sagt der Geschäftsleiter des Agora-Theaters, Roger Hilgers.
Lindsay Ahn