In Lüttich gilt seit Donnerstagmorgen 6 Uhr ein striktes Versammlungsverbot. Auf der Straße dürfen sich maximal drei Personen gleichzeitig aufhalten. Bürgermeister Willy Demeyer (PS) will mit der Maßnahme nach tagelangen Schülerprotesten die Ruhe in seiner Stadt wiederherstellen.
Innenminister Bernard Quintin (MR) ist seit Donnerstagmorgen zu einem Gespräch mit Demeyer in Lüttich. Bei einer Pressekonferenz um 7 Uhr - vor Öffnung der Schulen - rief der Innenminister die Schüler auf, in die Klassen zurückzukehren. Für die Gewalt am Rande der Proteste machte Quintin anti-faschistische Gruppen mitverantwortlich. Man wisse, dass eine Bewegung vom Typ Antifa in Lüttich aktiv sei, die Kinder manipuliere, um politische Gewaltbotschaften zu verbreiten. Das sei völlig inakzeptabel.
Am Mittwoch war es am Rande der Demonstrationen erneut zu Ausschreitungen gekommen. Bushaltestellen und Geschäfte wurden verwüstet, es flogen Brandsätze und Steine. Der Bahnhof Guillemins musste aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen werden. Die Polizei nahm mehr als 50 Personen fest.
Als Reaktion auf die Proteste der Schüler plant die Bildungsministerin der Föderation Wallonie-Brüssel, Valérie Glatigny (MR), in jeder Schule einen Raum zu schaffen, über den die Schüler ihre Anliegen direkt an ihr Kabinett weiterleiten können. Das gab die Ministerin am Mittwochabend nach einem Treffen mit frankophonen Schülervertretern bekannt. Am Freitag will Glatigny dem Ministerrat einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten. Die Schüler sprachen nach dem Gespräch von einem offenen Dialog.
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