In Lüttich ist es am Donnerstag weitgehend ruhig geblieben, nachdem Bürgermeister Willy Demeyer (PS) ein Versammlungsverbot verhängt hat. Damit reagierte Demeyer auf die gewalttätigen Ausschreitungen bei den Schülerprotesten.
Die Polizei hat den ganzen Vormittag über Kontrollen zur Einhaltung des Versammlungsverbots durchgeführt und dabei einige Jugendliche festgenommen. Größere Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.
Bei den Schülerprotesten in Lüttich sind in der vergangenen Woche fast 200 Menschen festgenommen worden. Die Hälfte von ihnen ist minderjährig. Zudem wurden rund 40 Polizeibeamte verletzt.
Am Donnerstagmorgen versammelten sich rund 400 Studenten und Gewerkschaftsmitglieder vor der Universität in Lüttich. Sie hatten im Vorfeld eine Genehmigung für ihre Demonstration erhalten und sind deshalb vom Versammlungsverbot ausgenommen. Gegen 11 Uhr zogen sie unter großem Lärm in Richtung Bahnhof.
Ein Schausteller der Lütticher Kirmes soll mit einem Luftgewehr auf den Demonstrationszug geschossen haben. Einige Demonstranten wurden leicht verletzt.
Versammlungsverbot seit Donnerstagfrüh
In Lüttich gilt seit Donnerstagmorgen 6 Uhr ein striktes Versammlungsverbot. Die Maßnahme bleibt bis zum 16. Oktober in Kraft. Auf der Straße dürfen sich maximal drei Personen gleichzeitig aufhalten. Bürgermeister Demeyer will mit der Maßnahme nach tagelangen Schülerprotesten die Ruhe in seiner Stadt wiederherstellen.
Am Donnerstagvormittag hat in Lüttich eine Sicherheitsbesprechung stattgefunden. Daran nahmen Demeyer, Vertreter der Polizei sowie der föderale Innenminister Bernard Quintin (MR) teil. Bei der anschließenden Pressekonferenz stellte sich Innenminister Quintin ausdrücklich hinter die Maßnahme. Die Gewalt sei inakzeptabel, sagte er.
Insbesondere kritisierte er, dass es sich bei den Randalierern häufig nicht um Schüler, sondern um linksextreme Gruppen handele. Man wisse, dass eine Bewegung vom Typ Antifa in Lüttich aktiv sei, die Kinder manipuliere, um politische Gewaltbotschaften zu verbreiten. Auch der Polizeichef bezeichnete das Versammlungsverbot als derzeit einzige Möglichkeit, gegen die Ausschreitungen vorzugehen.
Am Mittwoch war es am Rande der Demonstrationen erneut zu Ausschreitungen gekommen. Bushaltestellen und Geschäfte wurden verwüstet, es flogen Brandsätze und Steine. Der Bahnhof Guillemins musste aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen werden. Die Polizei nahm mehr als 50 Personen fest.
Die Behörden gehen davon aus, dass die Schülerproteste gezielt von Randalieren unterwandert wurden. Eine Untersuchung läuft, um herauszufinden, um wen es sich dabei handelt.
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Als Reaktion auf die Proteste der Schüler plant die Bildungsministerin der Föderation Wallonie-Brüssel, Valérie Glatigny (MR), in jeder Schule einen Raum zu schaffen, über den die Schüler ihre Anliegen direkt an ihr Kabinett weiterleiten können. Das gab die Ministerin am Mittwochabend nach einem Treffen mit frankophonen Schülervertretern bekannt. Am Freitag will Glatigny dem Ministerrat einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten. Die Schüler sprachen nach dem Gespräch von einem offenen Dialog.
Die Lütticher Polizei wird bereits seit einigen Tagen von der Föderalen Polizei sowie von Beamten aus Brüssel und Antwerpen unterstützt. Insgesamt wurden bislang rund 70 Personen festgenommen, darunter vor allem Jugendliche.
rtbf/vrt/jp
Warum habe ich den Eindruck, dass die schlimmsten Randalierer genau die sind, die am meisten die Schule schwänzen?