Dr. Laetitia Rousseau erlebt die Wechseljahre nicht als Tabuthema. Sie ist Teil des Teams in der Gynäkologie und Geburtshilfe der Klinik St. Josef in St. Vith. Frauen sprechen durchaus darüber. Größer sei vielmehr die Unsicherheit gegenüber einer Behandlung mit Hormonen, sagt sie.
"Ich habe nicht das Gefühl, dass es ein richtiges Tabuthema ist. Ich habe eher das Gefühl, dass viele Angst vor den Hormonen haben, weil sie nicht genau wissen: 'Was kommt da auf mich zu?' Es gab eine große Studie in den 2000er-Jahren, die sehr viel Angst vor den Hormonen geschürt hat. Aber diese Studie war sehr schlecht gemacht."
Gerade deshalb ist der Termin beim Frauenarzt wichtig. Frauen sollten dabei offen ansprechen, was sich verändert hat – zum Beispiel bei Blutungen, Schlaf, Stimmung, Hitzewallungen oder Sexualität. Eine feste Checkliste gibt es dabei nicht. Entscheidend ist das individuelle Gespräch.
"Die Frauen sollten offen mit dem Gynäkologen über alle Probleme reden. Durch die Scheidentrockenheit kann man zum Beispiel Probleme beim Geschlechtsverkehr haben. Manche Frauen empfinden das als Tabu, über das man nicht sprechen kann. Aber auch da sind wir Ansprechpartner", erklärt Dr. Rousseau.
Die Symptome können sehr unterschiedlich sein. Ob eine Hormontherapie sinnvoll ist, hängt von den individuellen Beschwerden und möglichen Risikofaktoren ab. Die Angst vor Hormonen hat allerdings auch eine Geschichte. Noch vor dreißig Jahren erhielten alle Patientinnen eine Hormonersatzbehandlung.
"2002 ist eine Studie rausgekommen, in der man ein sehr großes Thromboserisiko festgestellt hat. Da hieß es auf einmal: Gar keine Hormone, für keinen mehr. Mittlerweile haben wir diese Studie besser analysiert und gesehen, es gibt Risikofaktoren, es gibt Risikogruppen, die keine Hormone haben dürfen."
Auch die Hormontherapie selbst hat sich verändert: Heute werden unter anderem bioidentische Hormone eingesetzt und die Behandlung wird individueller auf die Patientin abgestimmt.
"Ich würde mir wünschen, dass die Patienten wissen, dass Symptome normal sind. Es ist normal, Hitzewallungen zu haben. Es ist normal, auf einmal eine trockene Scheide zu haben. Es ist normal, sich nicht mehr so wohl in seiner Haut zu fühlen. Es ist normal, dass man nicht mehr so gut schläft. Ich würde mir wünschen, dass sie wissen, dass wir da sind, um sie in dieser Phase zu begleiten", so Dr. Rousseau.
Deshalb soll das Thema auch in St. Vith stärker in den Mittelpunkt rücken: In Zukunft sollen Workshops und Infoabende zum Thema Wechseljahre angeboten werden.
Gaby Zeimers


