Die Berufsbezeichnung "Tanzpädagoge" ist nicht geschützt. Wer in diesem Beruf arbeiten möchte, braucht also keine staatliche Zertifizierung. Dem Tanzzentrum Walhorn war die offizielle Anerkennung durch die DG aber dennoch wichtig. "Um dem Ganzen auch das entsprechende Qualitätssiegel zu verleihen und die Wichtigkeit des Berufes der Tanzpädagogik auch nochmal in den Vordergrund zu stellen. Dass es eben nicht nur eine Animation ist oder etwas, das man in der Freizeit macht. Mit diesem staatlichen Qualitätssiegel geben wir dem Ganzen natürlich auch nochmal einen ganz anderen Stellenwert", erklärt Anna Edelhoff, die Direktorin des Tanzzentrums.
Schon seit über 20 Jahren wollte das Zentrum eine Ausbildung für die Tanzpädagogik anbieten - vor allem, da es auf dem Arbeitsmarkt einen großen Bedarf für gut ausgebildete Arbeitskräfte gebe - und das nicht nur in Tanzschulen, sondern auch in Kindergärten, Schulen oder anderen öffentlichen Institutionen, so Edelhoff.
Die "Tanzpädagogik-Ausbildung für Laientanz und kulturelle Bildung" wurde dann zum ersten Mal im September 2020 angeboten. 2023 machte die DG den Weg für die Zertifizierung bei kreativen Ateliers und Fachateliers über ein neues Dekret frei. Letztes Jahr bewarb sich das Zentrum dann mit einem ausführlichen Lehrplan.
Mit Erfolg: Eine renommierte Fachjury bestehend aus Sarah Steinbauer, der Leiterin der Tanzlehrer-Akademie im Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband e.V, Dr. Corinna Vogel, Professorin für Musikpädagogik, Elementare Musikpädagogik und Tanzvermittlung an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln und dem pädagogischen Sonderbeauftragten Christian Köttgen gaben letztes Jahr ein positives Gutachten für die Anerkennung des Lehrplans ab.
Behandelt werden in der Ausbildung theoretische Fächer wie Tanzgeschichte, Tanzmedizin oder Tanzpädagogik, aber auch allgemeine Pädagogik - ähnlich wie in der Ausbildung zum Erzieher. "Und all diese theoretische Fächer werden dann mit einer umfangreichen Praxis verbunden. Die Teilnehmer sind den ganzen Tag bei uns in der Tanzschule. Sie hospitieren am Anfang erst einmal und später kommt es dann natürlich zu eigenen Lehrproben, da müssen sie ganze Unterrichte gestalten", so Edelhoff.
"Zum Abschluss ihrer Ausbildung müssen sie dann eine Aufführung gestalten mit Kindern und Jugendlichen der Tanzschule." Daneben wird auch im kulturellen Arbeitsumfeld gelernt - zum Beispiel durch das Projekt "Kultur macht Schule" oder durch die Leitung von Ferienworkshops.
Die Ausbildung zum Tanzpädagogen kann auch als Einstieg in einen anderen pädagogischen Beruf genutzt werden. "Dazu raten wir den Teilnehmern auch immer, dass sie zum Beispiel noch ein pädagogisches Studium machen. Da gibt es ganz viele Möglichkeiten. Man könnte als Absolvent aber auch sagen, dass man später gar nichts mit Pädagogik macht und in den Wirtschaftsbereich geht und dort Managementschulungen mit tänzerischer Arbeit verbindet oder in die Medizin und sich auf Tanzmedizin spezialisiert, und sich dann mit Tanzpädagogen oder Tänzerinnen und Tänzern beschäftigt. Das Feld ist sehr breit."
Insgesamt neun Absolventen haben die Ausbildung in den letzten Jahren abgeschlossen. Diejenigen, die die Ausbildung vor der Einführung des Zertifikats geschafft haben, müssen eine weitere Theorieprüfung ablegen, um das Zertifikat zu erhalten. "Wir hoffen natürlich, dass viele ihre Kompetenzen hier in der Region mit einbringen und wir haben auch viele Anfragen von anderen Tanzschulen, weil sie händeringend Tanzpädagogen und -pädagoginnen suchen." Gerade Aachener Tanzschulen wendeten sich häufig an das Zentrum, so Edelhoff. Um die Ausbildung weiterzuentwickeln, könnte das Tanzzentrum sich durchaus vorstellen, mit anderen Institutionen aus Kunst und Kultur zu kooperieren.
Auch für die DG ist die Zertifizierung am Tanzzentrum ein großer Erfolg. Der zuständige Minister Gregor Freches will die Anerkennung auch nutzen, um Brücken zu schlagen. "Wir sind sehr viel unterwegs in Nordrhein-Westfalen und mit Rheinland-Pfalz und dem Saarland haben wir auch gesprochen, damit diese Zertifizierungen auch dort mit Leben gefüllt werden können, damit man auch ein Sprungbrett hat, um sich eine Karriere im Ausland aufzubauen", so Freches.
Auch mit anderen kreativen (Fach-)Ateliers und den Erwachsenenbildungseinrichtungen möchte Gregor Freches den Weg der Zertifizierungen in Zukunft weitergehen. Das aber auch immer im Zusammenspiel mit den Arbeitgebern, denn es bleibt wichtig, dass diese die Zertifizierungen auch annehmen.
Lindsay Ahn

