In einem kleinen Raum im St. Vither Fitnesscenter Emotion brennen schon Kerzen. Auch einige Kissen sorgen für eine entspannte Atmosphäre. Es ist Zeit für Pilates mit Silke Frantzen. "Die Füße sind geerdet, du stehst aufrecht, die Schultern sind tief", richtet sich die 42-Jährige an die kleine Gruppe.
Dabei sind Frauen ab Ende 20 - doch auch über 40-Jährige halten sich hier regelmäßig fit. Zu Beginn jeder Stunde geht es darum, zur Ruhe zu kommen, die Gedanken los zu lassen und den Körper zu spüren. "Bauchnabel Richtung Wirbelsäle ziehen", gibt Silke Frantzen Anweisungen. Seit 14 Jahren ist sie überzeugte Pilates-Trainerin.
Das Thema Wechseljahre liegt ihr am Herzen. Im Juli hatte sie gemeinsam mit der Heilpraktikerin Jennifer Naber aus der Schweiz auch ein Seminar zur Menopause angeboten. "Es ist wichtig, das Nervensystem zu beruhigen. Das spielt auch beim Pilates eine Rolle. Dadurch, dass unsere Hormone ab einem Alter von circa 35 Jahren anfangen, Achterbahn zu fahren. Unsere Hormonspiegel steigen auf und ab. Wichtig ist vor allem der Umgang mit dem Cortisol, dem Stresshormon".
Der Ansatz von Pilates ist ganzheitlich. Training mit dem eigenen Körpergewicht stärkt die Tiefenmuskulatur. Pilates kann also auch als eine Form von Kraftsport gesehen werden. Dabei sei es wichtig, seine eigene Dosierung zu finden und mit dem Körper zu arbeiten, sagt Silke Frantzen. "Kraftsport wird wichtig. Dadurch, dass wir die Muskelmasse verlieren, und er schützt uns natürlich auch vor Knochenbrüchen".
In der Lebensmitte geht es schließlich auch darum, seinen Körper auf die nächsten Jahrzehnte vorzubereiten. Damit Alterskrankheiten erst gar nicht aufkommen. Hinzu kommt: "Pilates erfordert über die Brustkorbatmung ein hohes Maß an Konzentration. Wir öffnen so unseren gesamten Körper, bringen Länge in uns und gehen dadurch aufgerichteter durch den Alltag", erklärt Silke Frantzen.
Im Frühjahr kam die 42-jährige Trainerin dann zum ersten Mal selbst mit dem Thema Menopause in Kontakt. Die Perimenopause kündigte sich an - die Übergangszeit bis zur eigentlichen Menopause, bei der die Periode dann endgültig weg bleibt. 17 Tage lang hatte die zweifache Mutter ihre Regelblutung. Aber nicht nur das: "Bei mir persönlich haben sich die Symptome angeschlichen. Ich hatte über ein Jahr lang leichte Kopfschmerzen und extreme Schmerzen im unteren Rücken. Das ist mir aber erst bei genauem Hinschauen wirklich bewusst geworden, dass das alles einher geht".
Heute hat Silke Frantzen eine ganz eigene Therapie für sich gefunden. Sie rät Frauen in der Lebensmitte, hinzuschauen, auf die eigenen, ganz individuellen Symptome zu achten und sich Hilfe zu suchen. Hilfe gebe es auch in Ostbelgien, weiß Frantzen. Weiter rät sie, sich über das Thema zu unterhalten und sich zu fragen: "Was habe ich denn eigentlich für Symptome? Das muss man nicht weg schieben, sondern mutig dahin schauen". Pilates kann dabei ein Ansatz sein. Ein Anfang auf dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt.
Simonne Doepgen




