125 Jugendliche sitzen, begleitet von ihren Liebsten, in einem Saal der Militärkaserne von Amay. Die Luft ist voller Erwartungen, aber befreit von Klischees à la "Drill Instructor". Stattdessen: freundliche Begrüßungsworte und Kaffee.
"Es ist ein stolzer Tag, aber es ist auch eine große Verantwortung, dafür zu sorgen, dass diese Jugendlichen ihre Ausbildung erfolgreich abschließen", erklärt die Kommandantin des 4. Pionierbatallions, Oberstleutnant Angélique Kuppens.
Nach dem Briefing: Abmarsch in einen neuen Lebensabschnitt. Ab jetzt leben die Rekruten unter der Woche in der Kaserne. Nur am Wochenende geht es nach Haus. Sie bekommen Ausrüstung, Uniform und durchlaufen einen letzten medizinischen Test. Mit einer Unterschrift werden aus den Jugendlichen dann bezahlte Arbeitnehmer. 2.000 Euro im Monat - ein Argument unter vielen, das in ihren Augen für das Militär spricht. Außerdem geht es um den Stolz, die Uniform tragen zu dürfen und das eigene Land zu repräsentieren, aber auch darum, seine eigenen Grenzen kennenzulernen und das Bedürfnis, zu wachsen.
Neben der körperlichen Fitness geht es in der Grundausbildung auch um den Umgang mit der Waffe, Überlebenstechniken, Erste Hilfe und einige technische Kompetenzen. "Die ersten zehn Wochen sind für alle gleich", erklärt der stellvertretende Kommandeur der Landstreitkräfte, Stefan Lindelauf. "In der ersten Phase machen wir aus Zivilisten Soldaten. Danach folgt eine zweite Phase, wo sie lernen, in ihrer Einheit zu funktionieren. Für die Landstreitkräfte bedeutet das, sie werden Teil der 'force protection'." Diese Soldaten werden nur im Inland eingesetzt. "Zum Beispiel, um sensible Infrastrukturen zu schützen oder im öffentlichen Raum auf Patrouille zu gehen", erklärt der Kommandeur.
Für die Armee ist die Ausbildung nicht neu. Den freiwilligen Militärdienst gibt es schon länger. Neu ist vor allem das Alter der Rekruten und das Ausmaß der Rekrutierungskampagne. "Wir können so eine ganz neue Dimension integrieren. Die Jugendlichen geben uns mehr Flexibilität, um unsere neuen Aufgaben anzugehen - sei es für die Zivilgesellschaft oder mit unseren Nato-Partnern. Aber diese Personen nützen nicht nur der Armee, denn sie sind potentiell widerstandsfähiger und die Fähigkeiten, die sie hier erwerben, sind nützlich - egal ob sie bei der Armee bleiben oder nicht", sagt Lindelauf.
Die Eingliederung der Jugendlichen ist also auch ein symbolischer Akt für die Streitkräfte. Einerseits, weil die Armee heute wieder mehr gefragt ist, als noch vor zehn Jahren. Andererseits weil unsere ganze Gesellschaft "resilienter", also widerstandsfähiger werden soll. Deshalb ist das erklärte Ziel auch, dass die Jugendlichen Teil der Streitkräfte bleiben, als Reservisten oder sogar als aktive Soldaten - falls sie sich nach einem Jahr in Amay dafür entscheiden.
Anne Kelleter











