Wer am Wochenende im Triangel war, konnte in eine ganz besondere Klangwelt eintauchen. Hier ein Klavier, da eine Klarinette - dazwischen Kinderstimmen und Kontrabässe. Keine Kakophonie, sondern eine Collage aus den Facetten, die die Welt der Amateurvereine ausmachen.
"Das Programm ist so vielfältig wie die Musik selbst. Angefangen bei einer Austauschrunde mit unseren Partnerverbänden, über einen Ausstellungsbereich und zahlreiche Workshops, bis hin zu diversen Konzerten. Jeder, der irgendwo musikaffin ist, findet hier ein passendes Programm", erklärt Yannick Plumacher, einer der Geschäftsführer vom Musik-Dachverband Födekam.
Ein "Forum" für Musik. Auf den Begriff legen die Organisatoren von "Vivo!" wert. Weil ein Forum für Austausch steht. Und für Begegnung. Das ging am Wochenende in allen möglichen Formen: Mal angeleitet - als Vortrag oder Workshop. Mal ganz banal - bei einem Konzert oder der Theke. Das der Dachverband der Ostbelgischen Musikvereine Födekam damit einen Nerv getroffen hat, beweisen ausverkaufte Abendveranstaltungen und volle Ateliers - für alle Altersstufen.
Mehr als 60 Programmpunkte, direkt bei der ersten Ausgabe. Das schaffen nicht viele Organisationen. Dementsprechend nervös waren die Verantwortlichen vom Födekam zu Beginn des Wochenendes. Aber Ambition zahlt sich aus: das Forum hat gezeigt, wie lebendig die ostbelgische Vereinswelt ist. "In Ostbelgien werden wir doch noch beneidet. Das sieht man auch an diesem Wochenende, alle Musiker, die von etwas weiter weg kommen, sind doch total begeistert über unsere Vereinsstruktur"
Mehr als 100 Vereine sind aktuell im Dachverband Födekam. Sie bilden eine Gemeinschaft aus Amateuren im besten Wortsinn - denn sie musizieren aus Liebe zur Sache, und zur Gemeinschaft ihres Vereins. Ostbelgien als glückliche Insel der Vereinswelt? Viele Gäste scheinen davon überzeugt, auch der Notenverleger Christoph Dohr aus Köln. "Wir spüren hier tatsächlich eine unglaublich tolle Gemeinschaft. Das ist ja eine Art 'Pilot-Messe' für uns hier und es gab zum Beispiel ein paar kleine Probleme, wie immer, wenn man etwas neu macht und dann war einfach plötzlich ein Team von zehn Leuten hier und hat einfach geholfen, umzubauen. Das ist sensationell hier."
Typisch: Ein Verband oder Verein besteht ja auch nicht nur aus Solisten - ein Orchester nicht nur aus dem Dirigenten. Zum Glück, denn Zusammenhalt und reale Begegnungen sind im digitalen Zeitalter ein kostbares Gut. "Digitalisierung und KI wird keiner von uns aufhalten können. Aber meine persönliche Überzeugung ist: Je mehr wir in diese Richtung gehen, desto mehr brauchen wir auf der anderen Seite auch diesen zwischenmenschlichen Aspekt, diese soziale Komponente und da können Amateurmusik und Vereine eine ganz entscheidende Rolle spielen", gibt sich Yannick Plumacher zuversichtlich.
Ehrenamt kann also, was kein Chatbot der Welt vermag. Mitspielen kann jeder. Das hat "Vivo!" am Wochenende gezeigt. Die Bilanz vom Wochenende fiel auch dementsprechend positiv aus. "Ich würde mir wünschen, so etwas nochmal zu organisieren", sagte Födekam-Präsident Marc Komoth dem BRF. "Nicht jedes Jahr, denn der Aufwand für Personal und Ehrenamtliche war schon sehr hoch, aber vielleicht alle zwei Jahre, im Wechsel mit den Einstufungen. Noch ist aber nichts entschieden. Wir wollen uns nach diesem Wochenende erstmal regenerieren und dann schauen, wie wir das anpacken".
Anne Kelleter













