Unter rund 200 Bewerbungen für die Nachfolge des Generaldirektors der Rennstrecke von Spa-Francorchamps ist auch der Name des Kelmiser Bürgermeisters Daniel Hilligsmann aufgetaucht. Die Zeitung “La Meuse” hatte ihn vor zwei Tagen veröffentlicht. Nach einem anfänglichen Dementi im Grenz-Echo räumte Hilligsmann schließlich ein, sich für die Stelle beworben zu haben.
"Ich habe klar gestellt, dass ich für das Amt nicht zur Verfügung stehe und somit Bürgermeister von Kelmis bleiben möchte. Somit ist das Thema Spa-Francorchamps für mich auch beendet", sagte Daniel Hilligsmann am Donnerstagnachmittag im BRF-Interview.
Nachdem die Zeitungen über seine Bewerbung um den Posten des Generaldirektors der Rennstrecke berichtet hatten und er im Grenz-Echo zunächst nur von losen Kontakten gesprochen hatte, räumte er schließlich ein, dass er einen Lebenslauf geschickt habe:
"Ich habe tatsächlich einige Kontakte gehabt, kenne den ein oder anderen, der rund um die Rennstrecke aktiv ist. Man hat mir nahe gelegt: 'Schick uns doch mal was zu in dem Zusammenhang.' Das habe ich getan, eher als eine Art Testballon, als das ich wirklich gedacht hätte, dass ich unter 200 Bewerbungen in die Top-Ten kommen würde. Zu dem Zeitpunkt als das viel zu früh öffentlich wurde, habe ich dann die Reißleine gezogen, weil ich glaube, dass das Weiterführen dieser Gespräche jetzt ungesund gewesen wäre."
Die CSP-Lokalsektion Kelmis hat mit einer Pressemitteilung reagiert. Sie wirft Hillligsmann vor, mit der Bewerbung ein für die Gemeinde verheerendes Signal gesetzt zu haben.
Damir Lübcke, CSP-Fraktionsmitglied im Gemeinderat: "Er ist das Amt damals angetreten mit dem Versprechen, für die Gemeinde da zu sein. Diese Bewerbung schickt man ja nicht einfach aus Lust und Laune heraus. Da steckt ja schon mehr dahinter. Ihm war zweifellos bewusst, dass das Amt des Generaldirektors der Rennstrecke Spa-Francorchamps nicht mit dem des Bürgermeisters vereinbar ist. Da steht halt für uns die Frage im Raum: Hat er geplant, dass er die Gemeinde verlässt und welches Signal gibt er den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde Kelmis damit? Ist ihm die Gemeinde nicht mehr wichtig? Sind ihm die Aufgaben zu viel geworden?"
Hilligsmann, der aktuell bereits eine Nebentätigkeit als Delegierter der DG-Regierung ausübt, findet die Kritik der CSP weder berechtigt noch korrekt: "Ich finde sie sehr vermessen, weil bekanntlich auch mein Vorgänger einen Nebenjob hatte als zuständiger Immobilieneinschätzer im Immobilienerwerbskomitee und hatte auch vor sein sein Amt als Abgeordneter fortzuführen. Ich habe auch mehrere Bürgermeisterkollegen, die ebenfalls nebenberuflich tätig sind."
Zum Vorwurf einer Unvereinbarkeit solcher Posten wie der des Generaldirektors der Rennstrecke mit dem Bürgermeisteramt sagt Hilligsman: "Es gibt durchaus Bürgermeister, die auch nebenher als Administratoren tätig sind. Dann hätte auch die potentielle Partnerorganisation vermutlich eine Untersuchung durchgeführt, was kombinierbar ist oder nicht."
Die Frage, ob er das Bürgermeisteramt satt habe, wie die CSP schreibt, verneint Hilligsmann. Im Gegenteil, er sei gerne Bürgermeister von Kelmis. "Ich gehe weiter mit viel Enthusiasmus und Freude ins Gemeindehaus, und ich denke, dass wird in der kommenden Zeit so bleiben."
Für die CSP stellen sich aber noch Fragen, auch wenn Hilligsmann von der Bewerbung Abstand genommen habe. "Aus unserer Sicht ist das Bürgermeisteramt keine Stufe auf der Karriereleiter, sondern etwas, das man mit Verantwortung ausübt. Daher stellt sich die Frage, ob er bleibt, weil er weiterhin an die Gemeinde glaubt, sich ihren Problemen stellt oder ob er nur bleibt, weil er aufgrund des öffentlichen Drucks in gewisser Weise dazu gezwungen ist", sagt Damir Lübcke.
Auch wenn die Sache für Daniel Hilligsmann abgeschlossen ist, wird sie in der Gemeinde Kelmis sicher noch für politischen Gesprächsstoff sorgen.
Michaela Brück