Zum Ende der Sommerpause hat der Gemeinderat von Burg-Reuland einmal mehr grundsätzlich und ausführlich über die Finanzierung der Kirchenfabriken debattiert. Zentraler Punkt waren die Nutzung und der Unterhalt der Kirchengebäude.
Den Anlass lieferte diesmal ein Antrag der Kirchenfabrik Thommen. Sie ist für die Kirchen in Thommen und Grüfflingen zuständig. In Grüfflingen sind die Antriebsmotoren der beiden Glocken ausgefallen. Ohnehin genügt die gesamte Elektroinstallation in der Kirche nicht mehr heutigen Sicherheitsstandards. Alles in allem zu erneuern würde fast 23.000 Euro kosten.
Die Kirchenfabrik hat ein Projekt zur Bezuschussung bei der Deutschsprachigen Gemeinschaft eingereicht. Diese setzt aber voraus, dass die verbleibenden 40 Prozent abgesichert sind, wofür es wiederum eine (prinzipielle) Zusage der Gemeinde brauchte. Das würde rund 9.000 Euro ausmachen.
Bitte beim Bistum oder Sonderkollekte wohl wenig aussichtsreich
Schöffin Karla Schommers erläuterte, dass die Kirchenfabrik Thommen nicht mehr über eigene Reserven für Investitionen verfüge, nachdem sie in der Vergangenheit schon Land (an die Gemeinde) veräußert habe, um Mittel aufzubringen.
Shayne Piront forderte daraufhin, dass die Kirchenfabrik beim Bistum Lüttich anklopfen solle. "Das Bistum hat Geld", so Piront, "warum sollten die 40 Prozent nicht mit dem Bistum geteilt werden?" Das schien anderen Ratsmitgliedern wenig aussichtsreich, zumal sich das Bistum schon bei einer anderen Anfrage der Gemeinde zugeknöpft gezeigt habe: Wegen der Kapelle in Weweler warte die Gemeinde seit anderthalb Jahren auf Antwort.
Auch der Vorschlag einer Sonderkollekte wurde im Gemeinderat schnell widerlegt mit dem Hinweis auf die geringe Zahl von Kirchgängern.
So kam es wieder zur grundsätzlichen Frage der Finanzierung der Kirchenfabriken, wobei die Gemeinden gesetzlich dazu verpflichtet sind, Defizite im laufenden Haushalt der Kirchenfabriken zu decken. Hier hätten aber gerade die Kirchenfabriken in der Gemeinde Burg-Reuland in den vergangenen Jahren schon deutliche Anstrengungen in der Haushaltsführung erbracht. Bei Investitionen wie jetzt in Grüfflingen stellt sich dagegen die Frage, ob sie finanziert und somit durchgeführt werden können ... oder eben nicht.
Was wird aus den vielen Kirchen in der Gemeinde?
Die Gemeinde Burg-Reuland habe insgesamt 20 Kirchengebäude in ihren Dörfern, sagte Karla Schommers. Wer wolle da entscheiden, welche geschlossen werden müssten. Und es stellt sich die Frage, wie die Gebäude bei fehlendem Unterhalt in einigen Jahren aussähen, noch dazu wo sie meistens in der Mitte des Dorfes stünden. Eine Umwidmung der Kirchen wie in anderen Regionen und Städten, wo sie beispielsweise als Bibliotheken oder Kletterhallen genutzt würden, sei in einem ländlichen Gebiet wie der Gemeinde Burg-Reuland wohl kaum realisierbar - und löse auch nicht das Problem des Unterhalts.
Burg-Reulands Bürgermeister Alain Stellmann sah in der (erneuten) Diskussion "ein Zeichen dafür, dass sich etwas ändern muss." Auch das Bistum müsse umdenken. Er habe schon vor längerer Zeit angeregt, dass der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft das Gespräch mit dem Lütticher Bischof suche - im Beisein der Gemeinde. Gleichzeitig wies Stellmann auf den Widerspruch hin, wonach zwar viele liebend gerne auf die Finanzierung der Kirchen verzichten würden, nicht aber auf kirchliche Familienfeste und auch nicht auf die kirchlich begründeten Feiertage. Wobei Shayne Piront angab, sehr wohl auf diese Feiertage verzichten zu können ...
Letzlich lief es darauf hinaus, dass "die Kirchen ein Teil unserer Kultur" seien, wie es Jacky Greven und Serge Dollendorf unterstrichen. Und wie auch einige andere Ratsmitglieder erinnerte Francine Paquet-Kessler an das ehrenamtliche Engagement in den Kirchenfabriken. Ohne wäre es wohl noch schlimmer, so das Fazit.
Erste Ansätze zu möglichen Fusionen
Auf die Frage von Shayne Piront, wie es um das Thema der Fusion von Kirchenfabriken stünde, konnte Karla Schommers mitteilen, dass die Kirchenfabriken von Dürler und Espeler dabei seien, einen solchen Schritt vorzubereiten. Das beinhalte aber einen "immensen Aufwand". Gespräche gebe es auch in anderen Kirchenfabriken, deren Namen sie aber nicht nennen wollte, um diesen Überlegungen nicht vorzugreifen.
Was den Antrag für die Kirche in Grüfflingen angeht, stimmte der Gemeinderat prinzipiell für die finanzielle Unterstützung - bei drei Enthaltungen und einer Gegenstimme (von Shayne Piront). Das Thema "Finanzierung der Kirchenfabriken" ist damit aber zweifellos noch nicht abgehakt.
Stephan Pesch