Wie groß das Ausmaß der Schäden im Hohen Venn, das kann noch niemand in Gänze abschätzen. Sicher ist: Es wird viel Arbeit, Geld und Zeit brauchen, um der Natur unter die Arme zu greifen, um die Auswirkungen und Folgen der Flammen zu überwinden.
Dass unterschiedliche Spendenaufrufe und Solidaritätsaktionen für Unübersichtlichkeit sorgen könnten oder sogar Konkurrenz unter den Initiatoren entsteht, glaubt Donovan Niessen nicht. Niessen ist der Vorsitzende der Verwaltungskommission des Naturparks Hohes Venn-Eifel. "Gemeinsam mit der Föderation der Naturparks der Wallonie und dem Fonds Les ami.e.s des Parcs naturels de Wallonie beteiligt sich der Naturpark Hohes Venn-Eifel an dieser Mobilisierung und möchte seine Rolle als verbindendes Element zwischen den verschiedenen Solidaritätsinitiativen und den Akteuren vor Ort voll und ganz wahrnehmen", heißt es in einer Mitteilung des Naturparks Hohes Venn-Eifel.
"Es gibt auch andere Initiativen von Vereinen, Stiftungen und privaten Akteuren, von denen wir vielleicht auch gar nicht wissen. Sinn ist es, dass diese Aktionen auch geführt werden können, wir als Naturpark Hohes Venn-Eifel aber irgendwo auch diese Brücke bauen können", sagt Niessen. "Das ist schon der Sinn dahinter, dass man sich ausspricht, dass man sich koordiniert und die gemeinsamen Mittel nicht für kleine eigenständige Projekte geplant sind, sondern dem einen und einzigen Grundgedanken zugutekommen: Die Renaturierung, der Wiederaufbau der Natur”, erklärt er. Man wolle in erster Linie Projekte finanzieren, "die so schnell wie möglich für die Renaturierung, für den Ausbau und die Widerstandsfähigkeit des Hohen Venns genutzt werden sollen", betont der Niessen. "Selbst Tourismus ist hier in erster Linie nicht gemeint", sagt der Vorsitzende der Verwaltungskommission des Naturparks Hohes Venn-Eifel.
Mit welchen Projekten genau der Wiederaufbau angegangen wird, wird laut Niessen an anderer Stelle entschieden: "Ich glaube, in dieser Konstellation wird es vor allen Dingen auf wallonischer und deutschsprachiger Seite, also einmal die Deutschsprachige Gemeinschaft und die Wallonische Region über den DNF sein, die hier die eigentlichen Entscheidungen treffen”, sagt er.
Naturparkzentrum Botrange von Brand verschont
Auch das Naturparkzentrum Botrange musste nach dem Ausbruch des Großbrandes geräumt werden, ist aber von den Flammen verschont geblieben. "Natürlich muss man jetzt sehen: Gibt es eventuell Ablagerungen durch den Rauch, die eventuell dann erst einmal beseitigt werden müssen. Aber wir sind doch eigentlich guter Dinge, dass das sehr schnell vonstatten gehen soll und dass auch in kürzester Zeit das Naturhaus wieder für den Besuch öffnen kann”, erklärt Niessen.
Als der Brand am Freitag vor einer Woche ausbrach, war es ein Steward, der diesen bemerkte und meldete. Die Finanzierung des Stewart-Projektes läuft unterdessen aus und die Fortsetzung bleibt unklar. "Es wurde schon einmal von einem Steward letztes Jahr ein Brand entdeckt und direkt den Behörden auch mitgeteilt, wo damals bereits wahrscheinlich Schlimmeres verhindert werden konnte", sagt Niessen. "Also, dieses Projekt und auch die Tatsache, dass bereits zum zweiten Mal ein Steward einen Brand gesichtet und gemeldet hat, spricht natürlich für sich. Wir wissen jetzt nicht, inwiefern wir dieses Projekt zumindest von der Wallonischen Region weiterführen können. Wir wissen: Budgets sind knapp, aber da muss man natürlich auch am Ball bleiben."
Dass das Venn nach dem Brand seine Stellung als Besuchermagnet verlieren wird, davon geht Vorsitzende der Verwaltungskommission des Naturparks Hohes Venn-Eifel nicht aus: "Einmal diese Situation gelegt, kann ich mir schon vorstellen, dass wir doch recht schnell wieder die gewohnten Besucher sehen, die sich seit jeher in das Hohe Venn verliebt haben und doch auch genau wissen, dass es noch immer sehr viel Schönes und Tolles zu sehen und zu besuchen gibt. Also, da glaube ich schon, dass wir auch positiven Mutes bleiben müssen."
Und wie sehr das Hohe Venn vielen Menschen am Herzen liegt, das zeigt nicht zuletzt die Solidaritätswelle der vergangenen Tage.
Moritz Korff