Zunächst hatte die Familie nicht damit gerechnet, dass der Brand sie persönlich treffen könnte. Doch am Samstagmorgen veränderte sich die Situation. Dichter Rauch lag in der Luft, draußen war alles gelblich gefärbt. Die Fenster konnten nicht mehr geöffnet werden. Zum ersten Mal wurde der Familie bewusst, dass möglicherweise eine Evakuierung bevorstehen könnte.
Am Nachmittag kam dann die Gewissheit: Gegen 16:30 Uhr informierte die Gemeinde die Bürger über die bevorstehende Evakuierung. Innerhalb kürzester Zeit musste die Familie entscheiden, was sie mitnehmen konnte und was zurückbleiben musste.
"Plötzlich musste man innerhalb von kürzester Zeit überlegen: Was nehme ich überhaupt mit? Was ist wichtig?", beschreibt Severine Lejeune die Situation. Besonders belastend sei die Ungewissheit gewesen, wann - oder ob - die Familie überhaupt in ihr Zuhause zurückkehren könne.
Zunächst kam die Familie mit den hastig gepackten Sachen für eine Nacht bei Severines Eltern in Wirtzfeld unter. Anschließend zog sie in ein Ferienhaus im nahegelegenen Höfen.
Angst und widersprüchliche Informationen
Die Tage seit der Evakuierung seien von Angst und vor allem großer Unsicherheit geprägt gewesen, erzählt Severine. Hinzu kamen unterschiedliche Informationen über die Entwicklung des Brandes. Teilweise hätten sich Angaben aus den Medien und anderen Quellen als nicht korrekt herausgestellt.
Diese widersprüchlichen Informationen hätten die Unsicherheit zusätzlich verstärkt. "Man wusste irgendwann auch gar nicht mehr so richtig, was man glauben sollte und worauf man sich verlassen kann", sagt Severine.
Urlaub trotz Sorgen
Ausgerechnet in diese schwierige Zeit fiel der lange geplante Familienurlaub. Nach reiflicher Überlegung entschied sich die Familie dennoch, die Reise anzutreten und zumindest für einige Tage zur Ruhe zu kommen.
Ein unbeschwerter Urlaub ist es allerdings nicht. Die Gedanken sind weiterhin zu Hause. Die Familie verfolgt die Nachrichten und versucht, möglichst verlässliche Informationen über die Situation zu bekommen. Bei jeder neuen Meldung stellt sich die Frage, was sie für das eigene Haus und die Rückkehr bedeutet.
Trotzdem versucht die Familie, die gemeinsame Zeit zu genießen und etwas abzuschalten. Ganz loslassen könne man aber nicht, sagt Severine: Dafür sei die Situation zu Hause einfach zu präsent.
Für die Einwohner von Küchelscheid und Leykaul bleiben es damit bewegte Tage zwischen Sorge, Ungewissheit und der Hoffnung, bald wieder nach Hause zurückkehren zu können.
Robin Emonts