Die Seite zeigt weit mehr als nur die mutmaßliche Brandfläche. Schommers führt dafür Daten aus rund 20 verschiedenen Quellen zusammen. Neben Satellitendaten fließen beispielsweise Wetterinformationen ein. So lässt sich nachvollziehen, aus welcher Richtung der Wind zu einem bestimmten Zeitpunkt kam oder ob es geregnet hat. Auch öffentlich verfügbare Flugdaten von Löschhubschraubern und -flugzeugen werden dargestellt.
Zeitleiste
Eine Besonderheit ist die Zeitleiste. Die Entwicklung lässt sich nahezu seit Beginn des Brandes zurückverfolgen. Nutzer können gewissermaßen in der Zeit zurückspulen und beobachten, wie sich das Feuer ausgebreitet hat. Besonders eindrücklich wird dabei sichtbar, wie schnell die Flammen in der Nacht von Freitag auf Samstag große Flächen erfasst haben.
Verfälschte Darstellung
Gerade bei der Darstellung der Brandfläche gibt es allerdings ein Problem. In sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Karten, häufig auf Grundlage von Nasa-Daten. Einige davon erwecken den Eindruck, dass es auch westlich der Vennstraße größere Brandherde gegeben habe. Das entspricht jedoch nicht der tatsächlichen Lage.
Schommers wollte solche Fehldarstellungen möglichst vermeiden und kombiniert deshalb die Ergebnisse mehrerer Satelliten. "Ich habe versucht zu zeigen, wo mehrere Satelliten einverstanden sind, dass da überhaupt ein Feuer sein würde", erklärt er. Die verschiedenen Systeme arbeiteten mit unterschiedlichen Technologien, etwa mit Bildern oder Infrarotaufnahmen. Entscheidend sei deshalb der Vergleich: "Wenn nur ein Satellit meint, dass da Feuer ist, andere aber nicht, dann ist da wahrscheinlich kein Feuer."
Eine metergenaue Karte entsteht dadurch allerdings nicht. Die öffentlich verfügbaren Satellitendaten liefern lediglich eine grobe Übersicht. Ihre Auflösung ist nicht mit der Genauigkeit eines Navigationssystems vergleichbar. "Die Satellitenbilder zeigen Bilder in einer Auflösung von einem Quadratkilometer", sagt Schommers. Deshalb sei es "unmöglich zu wissen, wo genau das Feuer anfängt und stoppt."
Flugdaten zeigen die Feuergrenze
Um die Grenzen des Feuers dennoch genauer abschätzen zu können, greift Schommers auf einen weiteren Datensatz zurück: die Flugbewegungen der Löschkräfte. Denn Hubschrauber und Flugzeuge orientieren sich bei ihren Einsätzen an den betroffenen Gebieten. "Mit den Flugzeugen sieht man natürlich, wo die Feuergrenze ist. Die fliegen ja auf der Grenze", erklärt Schommers. Die anhand der Satellitendaten ermittelte Brandfläche werde deshalb auf Grundlage der Flugrouten angepasst.
Die Flugbewegungen geben zugleich einen Einblick in die Arbeit der Einsatzkräfte. So lässt sich auf der Karte nachvollziehen, wie niederländische Löschhubschrauber Wasser an der Eupener Talsperre aufgenommen und anschließend an der Ostfront des Feuers abgeworfen haben.
Mit KI-Unterstützung am Wochenende programmiert
Entstanden ist die Webseite in bemerkenswert kurzer Zeit. Nachdem das Feuer am Freitag ausgebrochen war, arbeitete Schommers am Wochenende an dem Projekt. "Es hat den ganzen Freitag und Samstag dafür gebraucht", sagt er. Unterstützung bekam er dabei auch durch Künstliche Intelligenz: "Jetzt mit AI und so kann man das halt ein bisschen schneller machen, als vor ein paar Monaten möglich wäre."
Interaktive Online-Karte zum Vennbrand
Olivier Krickel