Es liegt ein wenig versteckt in der Altstadt von Verviers: das Museum für schöne Künste und Keramik. Das Gebäude aus dem Jahr 1661 beherbergte einst ein von Nonnen geführtes Krankenhaus für bedürftige und alte Menschen. Den Grundstein für das Museum hat 1884 Jean-Simon Renier gelegt. Der Vervierser Historiker und Maler hinterließ der Stadt eine umfangreiche Sammlung, die im Laufe der Jahrzehnte immer mehr erweitert wurde.
Besonders stolz ist man heute auf seltene Stücke wie zwei kostbare Vasen aus Meißner Porzellan: "Die 'Schneebälle' aus dem Jahr 1850 sind gerade restauriert worden und besonders wegen ihrer feinen Details, der Darstellung der Vögel und der Farbgebung sehenswert", erklärt Morgane Desonnay von den Städtischen Museen Verviers.
Zurzeit sind auch Werke der sogenannten Intimisten von Verviers um den Maler Philippe Derchin zu sehen. Die Bilder strahlen Ruhe und Beschaulichkeit aus und zeigen oft regionale und lokale Motive. Zum Beispiel die Vennlandschaft von Georges Lebrun. Der Vervierser Künstler zeichnete im Jahr 1900 auch den Innenraum der alten Kirche von St.Vith.

Die aktuelle Ausstellung im Erdgeschoss umfasst rund 200 Werke. Das ist ein winziger Teil des großen Bestandes. "Wegen der Schäden durch die Hochwasserkatastrophe vor fünf Jahren musste das Museum seine Ausstellungsfläche stark verkleinern", bedauert Morgane Desonnay.
"Nach der Überflutung des Kellers mussten die dort gelagerten Werke in obere Etagen gebracht werden. Zudem fiel das benachbarte Museum für Archäologie und Volkskunde der Flut zum Opfer, und die geretteten Kunstwerke daraus musste das Museum für Bildende Künste zusätzlich aufnehmen."
Mehrere Säle auf der oberen Etage des Museums sind jetzt für Besucher unzugänglich. Hier lagern tausende Bilder, Skulpturen und andere Kunstobjekte verschiedenster Epochen und Stilrichtungen. Auch Werke international bekannter Künstler wie Paul Delvaux befinden sich im Bestand des Museums.
Eine Reihe von Kunstwerken kommen aus der Region, unter anderem auch aus Ostbelgien. So besitzt das Museum ein Bild des Raerener Künstlers André Blank. Das große Fenster im Treppenhaus hat Blank 1969 eigens für das Museum gefertigt.
Künftig will sich das Museum auf belgische und regionale Kunst konzentrieren. Vor allem aber hofft man auf mehr Platz für die insgesamt 50.000 Objekte im Tuchmacherhaus Biolley, das gerade zu einem neuen Museum umgebaut wird. Dann soll das alte Museum nur noch als Lagerfläche dienen. Bis dahin müssen in der Rue Renier noch viele Kunstwerke im Verborgenen schlummern.

Michaela Brück







