Ganz am Anfang ging es um die Ehrenrettung der stolzen Ardenner Kaltblüter: Sie seien nichts anderes als "missratene Brabanter", hieß es seinerzeit abschätzig. Das wollten die Pferdehalter in der Provinz Luxemburg nicht auf sich sitzen lassen und so gründeten sie am 18. Juli 1926 einen Verein für Ardenner Zugpferde.
Wenige Tage später organisierten sie eine Zuchtschau - noch vereinsintern. Kein Mensch hätte sich träumen lassen, dass daraus einmal die größte Freiluft-Landwirtschaftsmesse Europas wird mit jährlich rund 200.000 Besuchern an den vier Ausstellungstagen.
Organisiert wird die Messe mittlerweile von der Genossenschaft Libramont Coopéralia. Präsident Jean-François Piérard erklärt die Tatsache, dass es sich noch nicht um die 100. Ausgabe der "Foire" handelt, damit, dass sie einige Mal ausgefallen ist - sei es wegen des Krieges, sei es wegen Corona oder wegen einer besonders angespannten Situation in der Landwirtschaft.
Neuer Geschäftsführer stellt Weichen für die Zukunft
Erst seit ein paar Monaten ist Olivier Van Cauwelaert der neue Geschäftsführer der Genossenschaft. Für den Sozialunternehmer und Mitgründer einer Bio-Marktkette ist die neue Aufgabe in mehrfacher Hinsicht ein Wendepunkt: für ihn persönlich, aber auch für die Messe.
Ausgehend vom Erreichten gelte es, die Weichen für die Zukunft stellen. Eben so, wie sich die "Foire de Libramont" immer schon neuen Gegebenheiten anpassen musste. Die Ardenner Kaltblüter bekamen mit der Zeit Gesellschaft von anderen Nutztieren, von Schafen, Ziegen und Rindern bis hin zur Fleischrasse "Blanc-Bleu-Belge". 2.800 Tiere werden allein in diesem Jahr auf dem 30 Hektar großen Gelände präsentiert.
Vor allem aber mussten die Zugpferde wie auf den Höfen und im Wald den Maschinen den Vortritt lassen. Vor knapp 80 Jahren wurde in Libramont zum ersten Mal ein Mähdrescher vorgeführt. Heute "ziehen" im übertragenen Sinn die gewaltigen Traktoren und Erntemaschinen (mit den absoluten Neuheiten bei der "Mecanic Show") einen Großteil des Publikums bei der Landwirtschaftsmesse. Wie im Übrigen auch an den zwei Forstwirtschaftstagen (am Dienstag und Mittwoch) im Wald bei Bertrix.
Jedenfalls stand das Ardenner Pferd vor 100 Jahren am Anfang der "Foire de Libramont". Damit sich die Besucher dies vergegenwärtigen, stehen noch heute einige Exemplare im Eingangsbereich zum Messegelände.
Stephan Pesch
Korrekte Arbeit, Jungs!
Einfach weil der Ardenner auf vier Hufen wirklich ein starkes, edles und wundervolles Lebewesen aus Wallonischer Zucht ist.
Der Beweis, dass Mensch und Tier zusammen an einem Strang füreinander und miteinenader ziehen müssen!
Solidarität ist problemlos zu schaffen zwischen Vier- und "Zweitpfoten".