2021 stand das gesamte Zentrum von Pepinster unter Wasser. Schöffe Michel Legrand machte damals die Urlaubsvertretung für den Bürgermeister und war damit erster Ansprechpartner, als die Hoëgne morgens am 14. Juli über die Ufer trat. "Ich wurde zum Bauhof gerufen. Wir haben dann angefangen, Sandsäcke zu verteilen. Da haben die Leute noch geglaubt, sie können sich schützen, wenn sie Schwellen und Türen abdichten. Keiner konnte sich vorstellen, dass die Situation so ausartet, wie es am Ende passiert ist", erinnert sich Legrand.
Auf den Schock folgten Wochen voller Arbeit. Tage von 20 Stunden, wenig Schlaf, noch weniger Mittel, aber eine Welle der Solidarität, die dort Mut machte, wo sonst alles untergegangen war. Gemeinsam wurde aufgeräumt. Häuser wurden abgerissen, meterdicke Schichten Schlamm entfernt. "Es bleiben nur noch einige Abrissarbeiten. Uns ist bewusst, dass es für die Menschen dramatisch ist, wenn sie ihr Haus abgeben müssen, aber man muss in die Zukunft schauen und diese Arbeiten sind nötig, um das Dorf und kommende Generationen zu schützen."
Die Arbeiten hinterlassen freie Flächen - und vor allem eine Frage: Wie machen wir jetzt weiter? Die Antwort zu finden brauchte Zeit, aber heute hat Pepinster dank verschiedener Studien einen genauen Blick darauf, was wo getan werden kann. Die wichtigste Baustelle ist am Zusammenfluss von Hoëgne und Weser. Der Bereich ist wie ein Flaschenhals. "Die Überschwemmungen in Pepinster haben an der Hoëgne begonnen, aber richtig schlimm wurde die Situation erst abends und nachts durch die Weser. Der Strom war so stark, dass das Wasser aus der Hoëgne keinen Platz mehr hatte. Deshalb ist hier der Großteil der Arbeiten vorgesehen", erklärt Legrand.
Konkret heißt das, das die Staustufe der Hoëgne abgerissen wird. Auch die Eisenbahnbrücke muss weg, eine neue, ohne Pfeiler in der Mitte, wird sie ersetzen. Zahlreiche Häuser am Ufer wurden schon abgerissen, auf den Flächen sollen jetzt Uferwiesen entstehen. 2027 wird dazu auch die ehemalige Textilfabrik abgerissen. Hier kann der Fluss dann über die Ufer treten - ohne dass Menschen in Gefahr geraten.
Den Effekt solcher Arbeiten kann man heute genau simulieren. Für Legrand, der heute noch als Bauschöffe von Pepinster aktiv ist, ist das ein großes Plus. "Künftig sollten wir vor Hochwasserereignissen mit einer statistischen Frequenz von 50 - an manchen Orten bis zu 100 Jahren - geschützt sein. Hochwasser, wie wir sie bisher alle zehn bis 15 Jahre hatten, werden uns dank der Arbeiten in Zukunft nicht mehr schaden. Das gilt natürlich nicht für Hochwasser wie das von 2021 - das bleibt absolut außergewöhnlich."
Bis heute zeichnet die Flut von 2021 das Stadtbild. Nur langsam verwischen neue und renovierte Gebäude die Spuren. Ein neues Sportzentrum und ein neues Verwaltungsgebäude lassen erkennen, wo es hingeht, aber im Zentrum stehen noch viele Geschäfte leer. "Es gibt immer noch große Schwierigkeiten, aber es gibt auch Perspektiven. Unten ins neue Verwaltungsgebäude sollen Geschäfte kommen und ich glaube, es wird noch weitere gute Nachrichten geben. Ich denke, wir müssen den Teufelskreis umdrehen. Geschäfte bringen weitere Geschäfte. Wir müssen optimistisch bleiben, auch wenn wir wissen, dass die Situation weit weg von einfach ist."
Das gilt auch für die Kläranlage im Ortsteil Wegnez. Die drittgrößte Anlage der Wallonie steht immer noch teilweise still. Regelmäßig wird die Inbetriebnahme verschoben, während Abwasser ungeklärt in die Weser fließt. Das stinkt zum Himmel, finden nicht nur die Anwohner im Ort und hoffen, dass auch hier der Wiederaufbau bald ein Ende hat.
Die Spuren des Wassers kann man verwischen, aber nicht vergessen. Für Schöffe Legrand ist die Erinnerung an die Flut der beste Ratgeber für die Zukunft. "Es gibt keine Entschuldigung mehr. Jedes neue Gebäude muss Hochwasser widerstehen können. Ich denke, wir sind da dran und seit den Überschwemmungen klappt das gut."
Anne Kelleter











