Das Haus, was die Stadt Eupen gekauft hat, steht in der Malmedyer Straße. Keine zehn Meter trennen das Gebäude von der Weser. Das Haus mit der Nummer 2-2a besteht aus einem Anbau und einem alten Bruchsteinhaus. Der Anbau soll abgerissen und durch eine Versickerungsfläche ersetzt werden. "Es ist nah am Wasser, es ist im Überflutungsgebiet und dass hier Versickerungsflächen benötigt werden, haben wir vor fünf Jahren gesehen. Von daher erschließt sich das eigentlich von selbst, dass wir hier was machen können", sagt der Eupener Bürgermeister Thomas Lennertz.
Aber was bringt eigentlich eine Versickerungsfläche an dieser Stelle? Diese wichtige Frage kann aktuell niemand beantworten. "Das ist in der Tat problematisch, wir warten seit einem Jahr darauf, dass wir von der Wallonischen Region konkrete Maßnahmen vorgestellt bekommen, die sie hier an Weser und Hill umsetzen möchte. Aber wir als Stadt können nicht so lange warten und nicht einfach nichts machen", erklärt Lennertz.
Nach den Überschwemmungen hat die Wallonische Region umfangreiche Studien in Auftrag gegeben. Unter anderem ein Modell der Flüsse im Weserbecken. Das Modell kann simulieren, welche Maßnahme wo den besten Hochwasserschutz bringt. Es ist die Basis für alle Entscheidungen über Maßnahmen zum Hochwasserschutz.
Letzte Woche wurden erste Ergebnisse vorgestellt. Diese Maßnahmen kann man auf einer Karte unter rives.wallonie.be ansehen. Wer auf Eupen zoomt, findet allerdings nur die Sicherungs- und Instandsetzungsmaßnahmen, die schon lange beendet sind. Maßnahmen für zusätzlichen Hochwasserschutz fehlen, denn um sie für Eupen festzulegen, muss auch die Talsperre modelliert werden.
Dass fünf Jahre nach der Flut noch keine Ergebnisse vorliegen, ärgert den Bürgermeister. Inzwischen sind viele Häuser in der Unterstadt wieder renoviert und bewohnt, obwohl keiner sagen kann, ob nicht welche davon dem Hochwasserschutz weichen müssen. "Das ist in der Tat nicht einfach. In Theux wurden noch vor ein paar Monaten Häuser gekauft, die frisch renoviert waren und die werden jetzt abgerissen. Das wollen wir in Eupen vermeiden."
Seitens der Wallonischen Verwaltung (SPW), die für die Arbeiten an den Flüssen zuständig ist, ist man sich des Problems bewusst. Leider brauchen solche Studien viel Zeit, erklärte der Direktor der zuständigen Abteilung.
Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Bis zum Ende des Sommers soll eine Liste mit möglichen Hochwasserschutzmaßnahmen und neuralgischen Orten erstellt werden. Dann werden diese durch das Modell simuliert und erst dann entscheiden Stadt und SPW, welche Arbeiten gemacht werden und ob weitere Häuser dazu gekauft oder enteignet werden müssen.
Voraussichtlich 2027 sollen die Arbeiten an Flüssen und Ufern starten. Die Kosten trägt die Wallonie. Nach den letzten, verfügbaren Informationen sind für das Gebiet von Eupen dazu rund 18 Millionen Euro vorgesehen.
Anne Kelleter