Keine zehn Meter trennen das Gebäude an der Malmedyer Straße von der Weser. Das Haus mit der Nummer 2-2a besteht aus einem Anbau und einem alten Bruchsteinhaus. Nach den bisherigen, groben Plänen der Eupener Mehrheit aus OBL, CSP und PFF soll der Anbau Hochwasserschutzmaßnahmen weichen. Das Bruchsteingebäude soll zu öffentlichem Wohnraum umgebaut werden. "Es ist nah am Wasser, es ist im Überflutungsgebiet und dass hier Versickerungsflächen benötigt werden, haben wir vor fünf Jahren gesehen", sagt der Eupener Bürgermeister Thomas Lennertz (CSP). "Von daher erschließt sich das eigentlich von selbst, dass wir hier was machen können."
Der Opposition im Eupener Stadtrat geht das nicht weit genug. Welche Kosten werden bei der Sanierung und Versicherung der Gebäude entstehen? Welche Auflagen gibt es für Denkmal- und Hochwasserschutz, fragte Alexandra Barth-Vandenhirtz von der SPplus. Darauf gibt es bisher noch keine Antwort.
Dazu muss man sagen, dass Ecolo und SPplus in der letzten Legislatur selbst zwei Häuser in der Malmedyer Straße gekauft haben. Damals war das Konzept genau so weit fortgeschritten wie heute. Man plante eine Kombination aus Hochwasserschutz und Wohnungsbau. Jetzt werfen sich Opposition und Mehrheit gegenseitig Konzeptlosigkeit vor. "Der Beschluss, der getroffen wurde, hat den gleichen Paragraphen, wie der Beschluss, den die alte Mehrheit damals getroffen hat", erklärt Lennertz. "Damals hat man es genau so selbst gemacht, heute wirft man den Nachfolgern das vor. Das ist halt Oppositionsarbeit, das sind politische Spielchen, davon lassen wir uns aber nicht beirren. Wir zeigen hier, dass wir den Mut haben, ins Risiko zu gehen, diese Immobilie zu kaufen und daraus auch etwas zu machen."
Mit dem Unterschied, dass in der Zwischenzeit einige Jahre ins Land gegangen und andere Baustellen fertig gestellt sind, wirft Catherine Brüll von Ecolo ein. Man habe damals die Priorität auf die Sportstätten und die Gebäude an der Hillstraße gelegt, sagte sie dem BRF. Die Gebäude an der Malmedyer Straße habe man damals aus Dringlichkeitsgründen gekauft.
Und hier kommt die nächste Frage: Warum diese Gebäude, und nicht andere - abgesehen von ihrer Verfügbarkeit als Verkaufsobjekte? Für Thomas Lennertz hat man damals Chancen verpasst. Heute sind zahlreiche Gebäude renoviert und wieder bewohnt, die im Sinne des Hochwasserschutzes vielleicht besser abgerissen worden wären. Dieses Dilemma beschäftigt zahlreiche Orte im Wesertal. "Das ist in der Tat nicht einfach. In Theux wurden noch vor ein paar Monaten Häuser gekauft, die frisch renoviert waren und die werden jetzt abgerissen. Das wollen wir in Eupen vermeiden. Es ist klar, man hätte nach der Flut, wenn man schnell reagiert hätte, auch in anderen Teilen der Unterstadt Häuser kaufen können. Das ist leider versäumt worden, aber die Situation ist eben die, die sie ist."
Doch welche Häuser sollen überhaupt dem Hochwasserschutz weichen? Welche Maßnahme bringt wo am meisten? Genau diese Fragen müssten eigentlich zuerst geklärt werden. Und hier liegt der Hund begraben. "Das ist in der Tat problematisch, wir warten seit einem Jahr darauf, dass wir von der Wallonischen Region konkrete Maßnahmen vorgestellt bekommen, die sie hier an Weser und Hill umsetzen möchte", beklagt Lennertz. "Aber wir als Stadt können nicht so lange warten und nicht einfach nichts machen."
Im Rahmen des Projektes Modrec soll das gesamte Einzugsbecken der Weser modelliert werden. Das Modell könnte dann zum Beispiel errechnen, welchen Einfluss eine Versickerungsfläche am Standort Malmedyer Straße 2 bei einer Überschwemmung haben könnte - oder ob eine andere Maßnahme sinnvoller wäre. Diese hydrologische Studie ist die Basis für Entscheidungen über Maßnahmen zum Hochwasserschutz und teils auch zum Ankauf von Gebäuden. Ohne deren Ergebnisse ist die Stadt Eupen beim Hochwasserschutz auf einem Auge blind. "Wir haben uns entschlossen, diese Immobilie zu kaufen, wohl wissend, dass wir noch nicht wissen, was die Wallonische Region macht. Aber das hält uns ja nicht davon ab, unsere eigenen Projekte voranzutreiben und - da wo wir es machen können - für Hochwasserschutz zu sorgen."
Die Verwaltung, die die Hochwasserschutzmaßnahmen ausarbeiten soll, erklärte dem BRF, die Ergebnisse für Eupen kommen wahrscheinlich noch dieses Jahr. Inzwischen drängt die Zeit, denn die Wallonische Region hat der Stadt für den Ankauf von Gebäuden im Rahmen von Hochwasserschutzmaßnahmen Geld zur Verfügung gestellt und dieses Budget verfällt 2028.
Anne Kelleter