Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Nach Angaben der Klinik erhielten 2023 insgesamt 68 Frauen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft die Diagnose Brustkrebs. Belgienweit wurden im selben Jahr 11.533 neue Fälle registriert.
Die Behandlung erfolgt in anerkannten Brustkrebskliniken. Dabei wird zwischen "koordinierenden Brustkrebskliniken" und "Satellitenkliniken" unterschieden. Die Klinik St. Josef in St. Vith ist seit Juli 2023 als Satelliten-Brustklinik im Netzwerk Move anerkannt und arbeitet eng mit dem MontLégia-Krankenhaus in Lüttich und dem St. Nikolaus-Hospital in Eupen zusammen.
Durch diese Zusammenarbeit wurden im vergangenen Jahr 67 Brustkrebsoperationen in St. Vith durchgeführt. Doch genau diese Eingriffe könnten künftig nicht mehr vor Ort möglich sein.
Angst vor Zentralisierung
Hintergrund ist eine geplante Reform von Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke. Demnach sollen chirurgische Eingriffe bei Brustkrebs ab 2027 ausschließlich in den koordinierenden Brustkrebskliniken durchgeführt werden.
Für die Patientinnen hätte das konkrete Folgen. Sie müssten für ihre Operationen künftig nach Lüttich oder Verviers ausweichen.
Für die Verantwortlichen in St. Vith greift diese Betrachtung jedoch zu kurz. Die Behandlung einer Brustkrebserkrankung beschränke sich längst nicht auf den chirurgischen Eingriff. Vielmehr müssten zahlreiche Therapien und Fachbereiche miteinander koordiniert werden.
"Die Diagnostik und die Therapie einer Brustkrebserkrankung sind heutzutage sehr komplex", erklärt Onkologe Dr. Pascal Wolter. "Es gibt viele verschiedene Therapiemodalitäten, die koordiniert werden müssen: Chirurgie, Radiotherapie, Chemotherapie, Hormontherapie, zielgerichtete Therapien oder Immuntherapien."

Begleitung in deutscher Sprache
Neben den medizinischen Aspekten betont die Klinik vor allem die Bedeutung der wohnortnahen Betreuung. In der medizinisch-onkologischen Tagesklinik finden Patientinnen nicht nur ihre Behandlung, sondern auch langfristige Begleitung durch spezialisierte Pflegekräfte und "OncoCoaches".
Eine besondere Rolle spiele dabei die Sprache. Gerade bei einer Krebsdiagnose sei es wichtig, Gefühle, Sorgen und Ängste in der Muttersprache ausdrücken zu können.
"Man kann vielleicht die Basis in einer anderen Sprache erklären. Aber wenn es darum geht, Gefühle auszudrücken oder über emotionale Dinge zu sprechen, gelingt das eigentlich nur in der Muttersprache", sagt die Pflegerische Dienstleiterin in der medizinischen onkologischen Tagesklinik, Fabienne Gangolf.
Die Verantwortlichen in St. Vith hoffen deshalb, dass die angekündigte Ausnahmeregelung für die Krankenhäuser der DG auch Auswirkungen auf die Brustkrebsversorgung haben wird. Ziel bleibt es, zumindest einfache chirurgische Eingriffe weiterhin vor Ort anbieten zu können.
Für die Klinik geht es dabei nicht nur um medizinische Leistungen, sondern auch um die Frage, wie nah die Versorgung künftig noch bei den Patientinnen bleiben kann und ob diese in der Muttersprache angeboten wird.
Robin Emonts