Neben dem traditionsreichen Pink der Festivalmarke dominierte an diesem Tag vor allem eine andere Farbe das Bild: Oranje. Eine sommerlich leuchtende Liaison, die perfekt zum Setting passte. Die Organisatoren hatten zwar einen Großbildschirm für die Fußballfans aufgestellt, doch im Zeitalter des Smartphones braucht es längst keine klare Trennung mehr zwischen Konzert und Kick-off. Pinkpop zeigte, wie mühelos sich Fußballfieber und Festivalrausch inzwischen überlagern: Hier ein Blick auf die Bühne, dort einer aufs Display - und dazwischen kollektives Mitfiebern.
Besonders deutlich wurde das beim Auftritt der britischen Post-Punk-Band Idles. Deren druckvoller, dunkler Sound wurde gleich zweimal von Jubelschreien durchschnitten. Beim ersten niederländischen Treffer noch vereinzelt und fast tastend, als wolle sich das Publikum versichern, ob es wirklich schon Zeit zum Ausrasten sei. Doch beim zweiten Tor war jede Zurückhaltung dahin: Eine orangefarbene Welle der Euphorie rollte über das Gelände, schwappte von den Fans vor dem Bildschirm bis hinein in die Reihen vor der Bühne. Selbst Editors mussten sich ihren Moment mit dem niederländischen Nationalstolz teilen. Sänger Tom Smith trug sogar ein Retro-Shirt der Elftal.
Der schwedische Treffer? Nicht mehr als eine Randnotiz an einem Abend, der ohnehin längst Oranje gehörte. Das 5:1 durch Summerville kurz vor Schluss machte den Deckel drauf und der Freude der Festivalbesucher setzte das noch einen oben drauf.
Später färbte sich der Himmel passend zum Tag in warme Orangetöne, als wolle er sich dem Farbkonzept des Festivaltags anschließen. Und als die Nacht schließlich über Landgraaf hereinbrach, verschob sich der Fokus endgültig zurück zur Musik. Dann galt alle Aufmerksamkeit The Cure - jener Band, die selbst an einem Abend voller Fußballfieber noch mühelos die Hauptrolle übernehmen konnte.
Christophe Ramjoie