Hübsch war das Brüsseler Reyers-Gebäude nie. Allein der ikonische Funkturm war ein Blickfang. Der Rest hatte eher so einen "1970er Jahre Sowjet-Charme". Welch ein Kontrast zum ersten Rundfunkhaus, das der - ursprünglich noch - "nationale" Rundfunk Ende der 1930er Jahre bezogen hatte. Das "Maison de la Radio" am Brüsseler Flagey-Platz war ein Art-Déco-Gebäude mit einer markanten Form, die an einen Ozeandampfer erinnerte. Das Gebäude steht heute noch, weil es kulturhistorisch wertvoll ist. Und wegen seiner weltberühmten Akustik wird es heute als Konzertsaal genutzt.
Diese Akustik war gewissermaßen die Seele des Flagey-Gebäudes. Denn es war buchstäblich um das Radio, um die Studios herumgebaut worden. "Der Reyers-Komplex entstand seinerseits als eine Reaktion auf die Demokratisierung des Fernsehens. Und das neue Média-Square-Gebäude ist die Antwort auf die Möglichkeiten und Herausforderungen des heutigen, digitalen Zeitalters, in dem viele Produktionsmittel virtuell geworden sind", sagt RTBF-Direktor Jean-Paul Philippot im BRF.
Der Reyers-Komplex, der Ende der 1970er Jahre schrittweise bezogen wurde, ist aus heutiger Sicht klar überdimensioniert. Zwei klobige Blocks: einer mit elf Stockwerken, der andere mit vier, und dann noch zahlreiche Nebengebäude. In besten Zeiten standen hier knapp 100.000 Quadratmeter zur Verfügung. Genutzt wurden am Ende noch rund 70 Prozent davon. Das eigentliche Problem war aber die Art und Weise, wie diese Fläche angeordnet war: Endlos lange Flure mit, wie an einer Perlenkette aufgereiht, unzähligen kleinen Büros. Welch ein Kontrast dann wieder mit dem neuen Media-Square-Gebäude.
"Studios sind in der Tat das Einzige, was man nicht in eine Tasche packen oder unter den Arm nehmen kann. Alles andere allerdings schon. Die Mitarbeiter sind auch nicht mehr prinzipiell an einen Schreibtisch gebunden. Im Grunde können sie arbeiten, wo sie wollen. Das ganze Gebäude ist darauf ausgelegt, dass sich die Menschen begegnen und miteinander austauschen", bringt BRF-Direktor Alain Kniebs es auf den Punkt.
"Das Gebäude erfüllt gleich mehrere Aufgaben. Durch seine gläsernen Fassaden symbolisiert es Transparenz und Offenheit, beides ist ganz wichtig für ein öffentlich-rechtliches Medienhaus. Dann eben die besagten offenen, modular nutzbaren Räume. Hier hat man ganz klar schon an die zukünftigen Generationen gedacht, die viel mehr Wert auf Team-Work legen. Und dritter Punkt: Nachhaltigkeit. Das Gebäude ist wesentlich kleiner und damit auch energieeffizienter", sagt RTBF-Direktor Philippot.
Transparenz und Begegnung: Für Jean-Paul Philippot atmet das ganze Gebäude den Geist des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dazu gehört auch die Betonung der Vielfalt. Und allein schon aus diesem Grund war es auch klar, dass der BRF seinen Platz in dem neuen Gebäude bekommen würde, sagt Philippot.
Für den BRF war das im Grunde auch klar, wobei man sich lange Zeit bewusst nicht für eine Seite entschieden hatte. Im Reyers-Gebäude verfügte der BRF seit 1977 über Büros auf beiden Seiten der Sprachgrenze. Nachdem entschieden worden war, dass die beiden großen Medienanstalten nun auch räumlich gesehen getrennte Wege gehen würden, musste man sich für eine Seite entscheiden.
Gesagt, getan: Vor einigen Wochen ist auch das BRF-Studio Brüssel ins neue Média-Square-Gebäude gezogen. Seit dem 22. Mai sendet das Team aus den neuen Räumlichkeiten. "Sendet" - RTBF-Kollegen verfallen da mitunter in ein lautes Zähneknirschen, wenn sie das hören, denn die RTBF-Studios im neuen Gebäude sind noch nicht einsatzbereit, schuld sind technische Probleme. RTBF-Direktor Philippot sieht es sportlich: "Ehre wem Ehre gebührt. Ihr seid die ersten, die aus diesem neuen Gebäude senden… Respekt!"
Nach 50 Jahren Reyers: Ein Blick zurück mit Rudi Klinkenberg
Der BRF ist seit mehr als 80 Jahren in der Haupstadt vertreten, jetzt im Media Square. Begonnen hatte es im Funkhaus Flagey, danach ging es weiter in das Reyers-Gebäude am Rande von Brüssel. Nach knapp 50 Jahren ist dieses Kapitel zu Ende gegangen. Mit dem langjährigen BRF-Journalisten Rudi Klinkenberg ging es noch einmal in die alten BRF-Büros.
Roger Pint/Robin Emonts












