In der Produktionshalle des Wurstherstellers Salaisons de Malmedy dreht sich am Donnerstag alles um eine Zutat: die Milch. Denn die Weißwurst des Hauses wird jetzt mit Milch von Fairebel hergestellt.
Bei der Vorstellung in Malmedy sprechen die Partner von einer Zusammenarbeit, die handwerkliche Tradition und faire Landwirtschaft miteinander verbindet. Beide Unternehmen setzen nach eigenen Angaben auf regionale Rohstoffe und kurze Lieferwege.
Für André Denis, Geschäftsführer von "Salaison de Malmedy", war dies ein logischer Schritt. "In der Weißwurst sind 33 Prozent Milch enthalten, also haben wir uns gedacht, warum sollten wir nicht eine Zusammenarbeit mit Fairebel eingehen, anstatt eine gewöhnliche Milch für unsere Wurst zu nehmen. Uns verschafft das eine zusätzliche Sichtbarkeit durch Fairebel, und Fairebel kann seine Milch in unseren Weißwurstprodukten vermarkten."
Fairebel wurde während der Milchkrise 2009 gegründet. Die Genossenschaft zahlt ihren Mitgliedern einen höheren Milchpreis und finanziert diesen über den Verkauf ihrer Produkte. Jetzt verlässt Fairebel erstmals den reinen Milchbereich und kooperiert mit einem Fleischverarbeiter.
An die Idee habe man sich erstmal gewöhnen müssen, sagt Fairebel-Gründer Erwin Schöpges. "Wir hatten bisher Käse, Butter. Jetzt haben wir auch ein halbes Fleisch-Milch-Produkt. Und das ist wieder etwas Besonderes. Ich glaube, man muss neue Wege gehen. Wir haben es immer sehr schwer gegen unsere Konkurrenten, die multinationalen Konzerne, wie Campina, Arla, Lactalis, Danone, anzutreten. Da muss man sich neue Verbünde suchen, mit neuen Produkten, innovativ sein."
Am Verkaufspreis der Wurst soll sich zunächst nichts ändern. Entscheidend sei, dass Verbraucher bewusst zu regionalen Produkten greifen, hofft Schöpges. "Mit jedem Produkt geht eine gewisse Summe, fünf bis zehn Cent, in einen separaten Topf. Der wird hinterher an unsere Mitglieder gerecht verteilt. Er unterstützt die lokale Wirtschaft. Ich denke, es ist auch ein Schritt in eine bessere Welt, wo wir reinkommen müssen, in eine lokale Welt, wo einer dem anderen hilft."
Ob die Verbraucher zugreifen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Für Fairebel ist die Weißwurst jedenfalls mehr als ein neues Produkt - sie ist ein weiterer Baustein für eine faire Vermarktung der Milch belgischer Bauern.

Gaby Zeimers











