Wenn Anja Hugo über das Projekt "Fairplayer" spricht, dann fallen Stichworte wie Zivilcourage, Empathie, Perspektivübernahme und Kinderrechte. Anja Hugo ist an der Gemeindeschule Iveldingen tätig - dort hat sie dieses Projekt umgesetzt. Im Vordergrund steht dabei Mobbing in der Schule.
"Es werden kleine Spiele gemacht, es werden kleine Filme gezeigt. Es sind so feste Rituale, die bei jeder Einheit dabei waren: Eine Ampelkartenrunde, wo die Kinder am Anfang sagten, wie es ihnen geht - und am Ende, wie ihnen die Stunde gefallen hat. Sie durften sich sehr frei äußern und durften auch selber von ihren Erfahrungen reden, wenn sie schon mal betroffen waren. Das alles war doch sehr spielerisch, auch wenn es einen ernsten Hintergrund hatte", erklärt Anja Hugo die Umsetzung des Projektes "Fairplayer".
Aber Theorie und Praxis - oder anders gesagt: Projekt und der übrige Schulalltag - sind manchmal doch zwei Paar Schuhe, erklärt die Lehrerin der Gemeindeschule Iveldingen. Manchmal braucht es dann mal eine kleine Erinnerung.
"Während der Einheiten sind die Kinder sehr sensibel dafür. Und sie wissen auch: Das ist gut, das ist weniger gut. Sie schätzen das auch ganz gut ein", sagt Hugo. "Dann im Alltag, während der Pause oder während der freien Zeit merkt man: Oh, sie wissen gerade gar nicht mehr, was da gerade läuft, und dass es da halt konkret ist, wenn da jemand ausgestoßen wird oder wenn da etwas schiefläuft. Und dann muss man sie noch mal daran erinnern", so die Lehrerin aus Iveldingen.
Zahlreiche Rückmeldungen
Neben den Lehrpersonen, die das Projekt Fairplayer in der DG umsetzen, wurde bei der Feierstunde an der Autonomen Hochschule in Eupen auch die Arbeit der Lehrpersonen gewürdigt, die die Projekte "Papilio" und "Stark und Beschützt" umsetzen. Auch hier geht es um Prävention. Für die Ausbildung sorgt Kaleido Ostbelgien.
"Da wir im ständigen Kontakt mit den Lehrpersonen, mit den Kindergärtnerinnen und Schulleitungen stehen, kriegen wir relativ viele Rückmeldungen. Das bestärkt uns immer wieder darin, dass wir auf dem richtigen Weg sind, weil diese Projekte wirken", sagt Danielle Schöffers, die bei Kaleido für "Stark und Beschützt" zuständig ist.
Gleich mehrere Lehrpersonen erhielten bei der Feierstunde in der AHS ihr Zertifikat als Papilio-Fachkraft. Auch Lea Hennen und Franca Kohl vom Kindergarten an der Städtischen Grundschule Oberstadt in Eupen gehören dazu. Sogenannte sozial-emotionale Kompetenzen soll das Projekt fördern - wieder ganz spielerisch.
"Die Sache, die die meisten kennen, ist wahrscheinlich der 'Spielzeug-macht-Ferien-Tag': Einmal in der Woche dürfen die Kinder nicht mit den konventionellen Spielzeugen spielen, die haben dann frei. Die Kinder sollen da einfach noch mal lernen, kreativ ins Spiel zu kommen, nicht einfach Dinge zu spielen, die sie immer spielen und die sie kennen", erklärt Kohl. "Ich finde es bei uns immer ganz herrlich zu sehen: Dann bauen sie die schönsten Höhlen einfach mit den Tischen und Stühlen, die wir in der Klasse haben. Und dann gibt man ihnen noch eine Decke und dann sind sie superglücklich."
"Im Kindergarten haben wir 200 Kinder. Und eigentlich machen alle Klassen das, alle Kinder führen das durch - auch die jüngsten", sagt ihre Kollegin Lea Hennen. "Das Grundprojekt ist vorgegeben, aber trotzdem setzt die Schule das ein bisschen individuell um. Es gibt Schulen, da muss man mehr anpassen und anders schauen, wie man das umsetzt. Jede Lehrperson macht das auch auf ihre eigene Art und Weise", sie.
Neben dem kreativen Spielen setzt das Projekt Papilio auf den Bereich Emotionen. Gar nicht so einfach für die Kinder, Fragen wie diese zu beantworten: Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man wütend oder traurig ist? All das im Sinne der Prävention und mit dem Ziel einer empathischen Gesellschaft.
Moritz Korff

