"Der Nahostkonflikt in zehn Minuten erklärt" - solche Videos erreichen auf YouTube Millionen Menschen. Viele Nutzer informieren sich dort gezielt über Politik, Geschichte oder aktuelle Konflikte. Doch nicht alle Inhalte sind ausgewogen. Forschende der Universität Trier untersuchen jetzt antisemitische Botschaften auf der Plattform.
Im Mittelpunkt steht das neue Forschungsprojekt DAYVid (Decoding Antisemitism in YouTube Videos). Drei Jahre lang wollen die Wissenschaftler antisemitische Inhalte im deutsch- und englischsprachigen Raum analysieren. Beteiligt sind unter anderem Politikwissenschaftler, Medienwissenschaftler, Historiker und Linguisten.
Antisemitische Codes und Verschwörungserzählungen
Die Forscher beschäftigen sich nicht nur mit offen judenfeindlichen Aussagen. Oft tauchten antisemitische Botschaften versteckt auf. Ein Beispiel sind Formulierungen wie "die Regierung wird von der Ostküste aus gesteuert." Gemeint ist damit die Wall Street in New York - und die antisemitische Verschwörungserzählung von einer angeblichen jüdischen Kontrolle über Politik und Finanzwelt.
Bei ihren Analysen seien die Forschenden schnell fündig geworden, sagt Marc Seul, Politikwissenschaftler an der Uni Trier. "Es war erschreckend, wie schnell wir auf diesen Kanälen antisemitische Inhalte gefunden haben", so der Wissenschaftler. "Und welche Reichweite sie teilweise haben. Man hat ganz große Influencer mit Millionen Abonnenten und Videoaufrufen, die vielleicht nicht offen antisemitisch sind, aber Antisemitismus legitimieren und tolerieren und vor allen Dingen auch die Kritik am Antisemitismus verächtlich machen."
YouTube als Wissensplattform
Antisemitismus gibt es nicht nur im linken politischen Milieu. An dem Forschungsprojekt beteiligt sind deshalb auch das Weizenbaum-Institut und das Tikvah-Institut in Berlin. Sie untersuchen antisemitische Inhalte im rechten beziehungsweise islamistischen Umfeld sowie im sogenannten "Infotainment" - also Formaten, die politische oder historische Themen leicht verständlich erklären wollen.
Die Forschenden sehen gerade bei YouTube besondere Risiken, denn viele junge Menschen nutzen die Plattform gezielt als Wissensquelle. Anders als bei TikTok oder Instagram können dort auch sehr lange Videos veröffentlicht werden - und die wirken oft besonders fundiert.
"YouTube hat eine große Reichweite. Und es ist spannend, dass viele YouTube-Nutzerinnen und Nutzer auch selbst angeben, dass sie die Plattform als Informations- und Wissensquelle begreifen, sich also zu aktuellen Themen und historischen Themen informieren wollen und dann auf YouTube gehen und nach Videos suchen, die ihnen diese Themen auch begreiflich machen", erklärt der Politikwissenschaftler. Problematisch werde es dann, wenn Inhalte einseitig oder manipulativ dargestellt würden.
Antisemitismus sei deshalb nicht nur ein Problem für jüdische Menschen, die sich zunehmend Angriffen ausgesetzt sehen. Er gefährde auch demokratische Debatten, sagt Seul.
"Antisemitismus macht ein Angebot, das darauf hinausläuft, dass man die Probleme nicht demokratisch angeht, in der Auseinandersetzung, im Dialog, sondern meint, man hat diese eine Gruppe erkannt, die quasi hinter allen Problemen steht und wenn diese Gruppe weg ist, dann würde es der eigenen Gruppe besser gehen. Das ist grundsätzlich antidemokratisch. Deshalb ist Antisemitismus auch immer eine Gefahr für das Funktionieren von Demokratien."
Ergebnisse in den kommenden Monaten erwartet
Das Forschungsprojekt läuft zunächst drei Jahre. Die Forscher möchten eine Methodik entwickeln, die später auch von anderen Forschungsgruppen für andere Inhalte genutzt werden kann. Erste Ergebnisse zu bekannten Influencern werden sie schon in den kommenden Monaten vorlegen können, hoffen sie.
Die Forschenden möchten zu einem bewussteren Umgang mit politischen Inhalten auf sozialen Plattformen beitragen - bei Eltern, Lehrern und auch den Influencern selbst, damit problematische Botschaften schneller erkannt werden, auch wenn sie nur zwischen den Zeilen auftauchen.
Gaby Zeimers
Gute Idee.
Aber es ist nun mal so, dass linke Parteien ständig Sanktionen gegen Israel fordern, ganz vor dabei ist die PTB. Das hat dann antisemitische Reaktionen zur Folge. PTB, PS, Ecolo etc sind die besten Unterstützer von Hamas und Hisbollah.
Man mag denken über die Israelis, was man will. Die haben aus dem nichts einen funktionierenden Staat aufgebaut, auch mit internationaler Unterstützung. Und was haben die Palästinenser fertig gekriegt bis jetzt ?